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Luftfahrt So will sich Lufthansa Technik mit ihrer Daten-Plattform von Airbus absetzen

Die Tochter des Dax-Konzerns will eine offene Plattform als Gegengewicht zum Datenangebot des Herstellers Airbus aufbauen. Das steckt dahinter.
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Kosten für Digitalprojekte haben 2018 die Profitabilität der Tochter des Dax-Konzerns weiter gedrückt. Quelle: dpa
Werkstatt von Lufthansa-Technik

Kosten für Digitalprojekte haben 2018 die Profitabilität der Tochter des Dax-Konzerns weiter gedrückt.

(Foto: dpa)

HamburgDaten werden in fast allen Wirtschaftsbereichen zum Geschäft – auch in der Luftfahrt. Die Technik-Tochter der Lufthansa hat ihren Plan, eine offene Plattform als Gegengewicht zum Datenangebot des Herstellers Airbus aufzubauen, einen Schritt vorangetrieben.

In der vergangenen Woche hat sie ein eigenes Unternehmen für die Bearbeitung und Speicherung von Daten, die in Flugzeugen anfallen, gegründet. Das sagte Lufthansa-Technik-Chef Johannes Bußmann am Donnerstag in Hamburg.

Die Lufthansa-Tochter wartet Flugzeuge im Auftrag vieler großer und kleiner Fluggesellschaften – exakt 5131 weltweit. Etliche davon sind bereits mit Sensoren ausgestattet, die Daten liefern, mit denen Wartungsunternehmen wie Lufthansa Technik und Flugzeughersteller wie Boeing und Airbus voraussagen wollen, wann Teile gewartet oder ersetzt werden müssen.

Gegen die konkurrierenden Daten-Service-Angebote etwa von Airbus will sich Lufthansa Technik mit einem Argument absetzen: Die Daten sollen in voller Verfügungsgewalt der Airlines bleiben. Eines der Versprechen: Die Kunden sollen die Daten auch zu anderen Anbietern mitnehmen können.

Um diesen Kurs glaubhaft verkaufen zu können, hat Bußmann die neue, noch weitgehend leere Firma gegründet. Sie soll die Daten aufbereiten und speichern. „Wir haben eine offene, nicht an eine Gewinnabsicht gebundene Gesellschaft gegründet“, sagte der zuständige Manager Christian Langer.

Andere Airlines sollen sich an der neuen Firma finanziell beteiligen können. So soll eine Datensammelstelle entstehen, bei der die Unternehmen die Kontrolle behalten und mitbestimmen können, ohne eigene Kapazitäten aufbauen zu müssen.

Bußmann verglich die Idee mit einer Genossenschaft, bei der die Anteilseigner ebenfalls gemeinsam bestimmen und nicht in erster Linie auf Gewinne aus sind. Zunächst firmiert das Unternehmen allerdings normal als GmbH in Hamburg. Er sei jedoch offen für andere Rechtsformen, sagte Bußmann.

Der jeweilige Kapitalbeitrag der Partner sei dabei eher als symbolische Verpflichtung zu verstehen, sagte Bußmann. Finanziell könnte Lufthansa Technik das Projekt auch allein stemmen: Die Daten werden auf Miet-Servern von Microsoft gespeichert. Zunächst nur etwa zehn Mitarbeiter, die sich bislang bei Lufthansa Technik um die Aufbereitung von Daten kümmern, könnten in die neue Gesellschaft wechseln.

Lufthansa Technik verspricht, den Datenpool, der den Namen Aviation Data Hub bekommt, auch für andere Analyse-Unternehmen zu öffnen, so dass Airlines volle Kontrolle hätten, was mit ihren Daten geschieht. Sie sollen ebenso frei entscheiden können, ob etwa Durchschnittsdaten zum Kerosinverbrauch als Benchmark für andere geteilt werden oder nicht.

Bisher fehlen die Partner

Noch fehlt Bußmann allerdings ein wichtiger Faktor für seine Datenspeicherstelle: Partner. Nachdem die Gesellschaft nun gegründet ist, könnten allerdings bis zum Jahresende die ersten externen Airlines beitreten, hofft Bußmann – womöglich zunächst kleinere Anbieter mit kurzen Entscheidungswegen.

Auf den Datenpool setzt das bestehende Analyse-Tool Aviatar auf, mit dem Lufthansa Technik Geld verdienen will. Die Aviatar-Datenanalyse soll Kunden wie der Billigfluglinie Wizz Air helfen, die Wartungskosten zu senken. Aus dem Lufthansa-Konzern sind bislang Eurowings und Swiss dabei. Später sollen auch andere Analyse-Anbieter die offene Datenplattform nutzen können.

Kosten etwa für solche Digitalprojekte haben 2018 die Profitabilität der Tochter des Dax-Konzerns weiter gedrückt. Die operative Rendite (Ebit) lag bei um fast zehn Prozent auf 5,9 Milliarden Euro gestiegenem Umsatz nur noch bei 7,2 Prozent – 0,5 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahr. Im Jahr 2015 hatte Lufthansa Technik noch 8,9 Prozent gemeldet. Bußmann versprach, „sehr bald“ werde er eine Trendwende hin zu einer besseren Gewinnzahl einleiten.

Das Boeing-Debakel um das Flugzeug 737 Max belastet Lufthansa Technik hingegen kaum. Zwar habe das Unternehmen Wartungsverträge für 56 Flugzeuge der Baureihe. Doch weil das Modell, das nach zwei Abstürzen innerhalb weniger Monate derzeit fast weltweit Flugverbot hat, noch relativ neu ist, unterliegen alle Flugzeuge noch der Hersteller-Garantie. In dieser Zeit mache Lufthansa Technik sowieso wenig Umsatz mit der Wartung.

„Ich mache mir keine großen Sorgen, was die wirtschaftlichen Folgen für uns angeht“, sagte Bußmann. Sein Unternehmen habe bislang nur für einen zweistelligen Millionenbetrag Ersatzteile für das Modell gekauft. Er gehe davon aus, dass diese nach Aufhebung des Flugverbots etwa nach einem Software-Update regulär verbaut werden könnten.

Zu Spekulationen, ab wann das Flugzeug wieder starten darf, wollte er sich nicht äußern. Derzeit ist umstritten, ob ein Software-Update ausreicht oder ob der Flieger prinzipielle Konstruktionsmängel aufweist.

Die Aktie von Lufthansa ist derzeit unter Druck. Das Papier verlor am Donnerstag gut zwei Prozent. Mit den Technik-Zahlen dürfte das wenig zu tun haben. Sie sind schon durch den bereits vorliegenden Konzernabschluss bekannt gewesen. Aktuell belasteten eher kritische Analystenstimmen den Aktienkurs der größten deutschen Fluggesellschaft.

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