Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Luftfahrt Tui spricht mit Condor über Ferienflieger – doch der Plan erfordert einen weiteren Partner

Bereits vor drei Jahren wollte der Tui-Chef seine Airlines in einer großen Fluggesellschaft einbringen. Jetzt unternimmt Friedrich Joussen einen neuen Anlauf.
Kommentieren
Eine gemeinsame Airline-Gruppe zu errichten, an der Tui selbst nur eine Minderheit besitzt, ist eine komplexe Angelegenheit. Quelle: imago/CHROMORANGE
Tuifly- und Condor-Maschine

Eine gemeinsame Airline-Gruppe zu errichten, an der Tui selbst nur eine Minderheit besitzt, ist eine komplexe Angelegenheit.

(Foto: imago/CHROMORANGE)

Frankfurt Der Mittwoch wird für Thomas Cook spannend. Dann wollen die Anleihegläubiger über den Rettungsplan für den angeschlagenen Reisekonzern entscheiden. Läuft alles nach Plan, wird die Ferienfluggesellschaft Condor in wenigen Monaten zusammen mit den anderen Airlines des Konzerns abgespalten. Banken und Anleihebesitzer sollen dann die Mehrheit übernehmen.

Es könnte der Auftakt zu einer Konsolidierung im deutschen Ferienfluggeschäft sein. Der Rivale Tui, zu dem Tuifly gehört, hat nach Informationen aus Unternehmenskreisen ein Auge auf die Fluglinie Condor geworfen. „Tui hat Gespräche mit Condor aufgenommen“, berichten mehrere Quellen. Sprecher beider Unternehmen wollten die Information nicht kommentieren.

Hinter den Gesprächen dürfte eine alte Idee von Tui-Chef Friedrich Joussen stecken: die Gründung einer eigenständigen Charter- und Ferienfluggesellschaft. Bei der könnten dann Reiseveranstalter die Flugreisen zu ihren Hotels und Kreuzfahrtschiffen buchen.

Der Tui-Chef würde die kostenintensiven Airlines gerne aus der Bilanz eliminieren, gleichwohl aber mit einem Minderheitsanteil beteiligt bleiben. „Joussen wollte nie und will keine Airlines. Das bleibt seine Prämisse, trotz aller Beteuerungen“, sagt eine Tui-Führungskraft.

Dass der Konzern mögliche Optionen prüft, bestätigt ein Schreiben von Tuifly-Chef Oliver Lackmann und Marek Andryszak, Chef von Tui Deutschland, an die Arbeitnehmervertreter. Man wolle für die aktuelle Marktdynamik gut vorbereitet sein, heißt es in dem Brief, der auf den 27. August datiert ist und der dem Handelsblatt vorliegt. „Aus kommerzieller Sicht bereiten wir uns bereits auf diese Marktchancen vor. Sollten sich diese Möglichkeiten in den nächsten Monaten ergeben, werden wir sie nutzen wollen.“

Die klare Botschaft: Der bestehende Status soll verändert werden. Um den Boden dafür zu bereiten, werde die Arbeitnehmerseite schon mal darauf vorbereitet, dass man weiter mit den Kosten runter müsse, lautet die Interpretation in Arbeitnehmerkreisen. Doch die Airline produziert nach Ansicht von Branchenexperten immer noch zu teuer.

Grafik

„Ohne wettbewerbsfähige Kosten bei allen, die bei einer solchen gemeinsamen Ferienfluggesellschaft mitmachen würden, wäre ein solches Vorhaben von vornherein zum Scheitern verurteilt“, sagt Gerald Wissel von der Beratungsgesellschaft Airborne Consulting. Grundsätzlich habe die Idee aber Charme: „Airlines sind nun mal nicht das Kerngeschäft von Reiseveranstaltern.“

Zudem gebe es seit der Insolvenz von Air Berlin keine unabhängige, größere Touristik-Fluggesellschaft in Deutschland. „Und für die Idee, als Reiseunternehmen weiterhin an einer Airline beteiligt zu sein, gibt es gute Gründe. Denn es ist eine Gefahr, wenn Veranstalter komplett von externen Fluggesellschaften abhängig sind, auf die man nur begrenzt Durchgriff hat“, so Wissel.

Fusionen von Airlines sind besonders kompliziert

Doch eine gemeinsame Airline-Gruppe zu errichten, an der Tui selbst nur eine Minderheit besitzt, ist eine komplexe Angelegenheit. Alleine die Übernahme von Condor würde Tui-Chef Joussen kaum weiterbringen. In der größeren Airline könnten zwar die Kosten besser skaliert, also besser verteilt werden. Zudem arbeitet Condor mit niedrigeren Kosten als Tuifly. Joussen hätte aber weiterhin eine kapitalintensive Airline in der Bilanz.

Strategisch sinnvoller wäre ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem der Konzern weniger als 50 Prozent hält. Eine solche Lösung hat Joussen bereits einmal versucht. Im Herbst 2016 gaben Tui und Air Berlin bekannt, ihre jeweiligen Ableger Tuifly und Niki in ein Gemeinschaftsunternehmen einbringen zu wollen — unter Beteiligung des damaligen Air-Berlin-Großaktionärs Etihad als dritten Anteilseigner. Doch das Unterfangen scheiterte ein halbes Jahr später und löste einen wilden Streik des fliegenden Personals aus. Danach war das Thema erst mal tabu.

Mit der Abtrennung der Airlines von Thomas Cook ergibt sich nun eine neue Chance. Doch mit den künftigen „Besitzern“ der Fluggesellschaften ist eine Konstruktion, in der Tui nur eine Minderheit hält, kaum möglich. Die Banken und Anleihegläubiger, die 75 Prozent an den Airlines übernehmen sollen, dürften kaum Interesse am dauerhaften Besitz einer großen Fluggesellschaft haben.

Auch der Thomas-Cook-Großinvestor, die chinesische Beteiligungsgruppe Fosun, die 25 Prozent an den Airlines übernimmt, scheidet als Mehrheitsaktionär aus. Übernimmt ein Anteilseigner aus einem Nicht-EU-Land das Sagen bei einer EU-Fluggesellschaft, gehen die Verkehrsrechte verloren.

Also braucht Tui einen dritten Partner für den gemeinsamen Ferienflieger.

Der Handelsblatt Expertencall
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Luftfahrt - Tui spricht mit Condor über Ferienflieger – doch der Plan erfordert einen weiteren Partner

0 Kommentare zu "Luftfahrt: Tui spricht mit Condor über Ferienflieger – doch der Plan erfordert einen weiteren Partner"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.