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Luftfahrt Warum die Rettung der Lufthansa ins Stocken gerät

Ob und wie schnell es eine Lösung für den Luftfahrtkonzern gibt, ist unklar. Helfen kann wohl nur eine Einigung auf höchster politischer Ebene.
28.05.2020 - 13:16 Uhr 1 Kommentar
Lufthansa wehrt sich dagegen, zahlreiche Start- und Landerechte in Frankfurt und München abzugeben. Quelle: dpa
Geparkte Jets in München

Lufthansa wehrt sich dagegen, zahlreiche Start- und Landerechte in Frankfurt und München abzugeben.

(Foto: dpa)

Frankfurt, Berlin Es ist ein Poker mit ungewissem Ausgang. Auf einen „harten Kampf“ hatte am Montag Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Präsidium ihrer Partei eingeschworen. Und sie sollte recht behalten. So will die EU-Kommission der Lufthansa nichts weniger als das Herzstück ihres Geschäfts nehmen: 20 Slots, Start- und Landerechte an den wichtigsten Drehkreuzen Frankfurt und München.

Lufthansa soll die Verkehrsrechte abgeben, damit Rivalen zwei Basen in Frankfurt und eine am Flughafen München errichten können – jeweils ausgestattet mit vier bis sechs Flugzeugen, die Lufthansa ebenfalls stellen soll.

Für das Management und den Aufsichtsrat von Lufthansa ist die Forderung aus Brüssel bislang ein Grund, das von der Bundesregierung angebotene Rettungspaket mit einem Volumen von neun Milliarden Euro abzulehnen. Noch wird in Berlin und Brüssel weiterverhandelt. Ob und wie schnell eine Lösung möglich ist, ist unklar.

Fest steht: Aus Sicht der Gremienmitglieder ist die Hilfe in Kombination mit den mittlerweile auch offiziell vorliegenden EU-Auflagen schlicht nicht wirtschaftlich darstellbar.

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    Auf den ersten Blick mag das schwer nachvollziehbar sein. Eine Lufthansa-Gruppe mit einer Flotte von 750 Jets vor Beginn der Coronakrise sollte den Verzicht auf rund zwölf Flugzeuge locker verkraften können. Zumal das Management den „Fuhrpark“ sowieso um 100 Maschinen reduzieren will.

    Doch die Forderung der EU trifft Lufthansa ins Mark. Damit könnten die Wettbewerber „an allen sieben Tagen, rund um die Uhr“ fliegen, wie es aus Verhandlungskreisen hieß. Mehr noch: Die Abgabe der Verkehrsrechte würde nach Auffassung der Lufthansa das sensibel austarierte Netzwerk aus Zubringer- und Langstreckenflügen zerstören. 80 Prozent der Fluggäste eines Langstreckenflugzeugs in Frankfurt oder München kommen mit anderen Flügen zu den Drehkreuzen.

    Das ist anders als etwa in London, wo die Zahl der Kunden im Einzugsgebiet vor Ort reicht, um Großraumflugzeuge zu füllen. Betroffen wären vor allem die sehr lukrativen Strecken etwa nach Asien oder Nordamerika. Dort fliegen viele Geschäftsreisende, die nahtlose Buchungen wollen, sich also nicht selbst einen Zubringerflug etwa um 8 Uhr morgens bei einer anderen Airlines heraussuchen wollen.

    Nach Informationen aus verhandlungsnahen Kreisen hat das Management die zu erwartenden Einbußen durchkalkuliert. Das Ergebnis: Es würde ein Umsatz von 1,2 Milliarden Euro verloren gehen. Und damit auch die entsprechende Liquidität.

    Denn in der Luftfahrt gilt: Tickets werden vorab bezahlt, mit den Einnahmen finanziert die Airline dann den aktuellen Flugbetrieb. Zudem wären die Verkehrsrechte für immer weg, nicht nur während der Laufzeit des Rettungspakets. Statt Hilfe in der Krise wäre es ein schwerer Schlag für das Unternehmen und den Umsatz.

    Die Bundeskanzlerin ist gefragt

    Nun scheint es an der Zeit für die Kanzlerin, sich persönlich einzuschalten. Schon am Mittwoch verhandelten die Emissäre der Bundesregierung in mehreren Schaltkonferenzen mit den Wettbewerbshütern in Brüssel. Warum jetzt noch die Nachverhandlungen zu den Slots, war die Frage.

    Schließlich hatte die Bundesregierung das Rettungspaket mit Brüssel abgesprochen, war auf Probleme eingegangen, etwa auf die Frage der Coupons bei der stillen Beteiligung. So fordert die EU, dass, sollte das Unternehmen die vereinbarte „Verzinsung“ der Einlage nicht zahlen können, diese in Anteile am Unternehmen gewandelt werden.

    Eine ähnliche Konstruktion gibt es auch bei dem Rettungspaket für Air France, das Anfang Mai von der EU-Kommission freigegeben wurde. „Wir haben alles aufgenommen“, heißt es in Regierungskreisen.

    Nun aber soll der Wettbewerb eine Rolle spielen. Der Grund: Die EU-Kommission sieht nicht nur die 300 Millionen Euro schwere direkte Beteiligung des Staates an der Lufthansa als Eigenkapital an, sondern auch die Stille Einlage über 5,7 Milliarden Euro. Damit begründet die Kommission den harten Eingriff.

    Tatsächlich werden 4,7 Milliarden Euro der Einlage nach den Regeln des HGB und der IFRS als Eigenkapital gebucht. Doch die Anforderungen für eine Wandlung in echte Anteile seien bei Stillen Einlagen sehr hoch, heißt es in Verhandlungskreisen.

    Hier gebe es wohl noch Klärungsbedarf mit der EU. „Die EU-Kommission ist auf dem Holzweg. Einerseits astronomische Milliardenhilfen zur Stärkung der europäischen Wirtschaft einfordern, andererseits die Lufthansa an die Kette legen wollen – das geht nicht zusammen“, sagte CSU-Generalsekretär Markus Blume.

    Letztlich wolle die EU-Kommission die Fehler wieder gutmachen, die sie bei der Insolvenz der Air Berlin gemacht hat, heißt es auf deutscher Seite. Damals hatte die Lufthansa etliche Slots übernommen und so ihre Position auf dem deutschen Markt dauerhaft gefestigt und ausgebaut. Die Kommission hatte dies genehmigt.

    Slots sind das Gold in der Luftfahrt. Einmal zugeteilt, verliert sie ein Luftverkehrsunternehmen nie mehr. Dank des sogenannten Großvaterrechts darf ein Unternehmen die Slots mit jedem Flugplanwechsel erneut einsetzen – es sei denn, die Airline nutzt diese Rechte zu weniger als 80 Prozent.

    In dem Fall können sie aberkannt und einem Wettbewerber gegeben werden. Der „Verlierer“ kann sich später zwar erneut um Slots bewerben. Aber in der Regel werden diese Rechte nicht wieder hergegeben. Vor allem die zu den für den Netzwerkverkehr wichtigen Premiumzeiten sind hoch begehrt – etwa am Morgen.

    Slots sind ein wertvolles Gut

    Slots können auch vererbt werden. Lufthansa lässt zum Beispiel eigene Töchter wie Eurowings zu Zeiten an Flughäfen starten und landen, die eigentlich für Lufthansa reserviert sind. So hat der Konzern über Jahre ein feines Netz von Kurz-, Mittel- und Langstreckenflügen gespannt, das bei den kleinsten Einschnitten in sich zusammenbrechen würde, wie Experten erklären.

    „Das Netz ist so aufgebaut, dass die Zubringerflüge pünktlich zu den Hauptzeiten an den Drehkreuzen angekommen sind“, sagt ein langjähriger Insider. Entfallen Slots, dann müsse das gesamte Netz neu geplant werden.

    Dennoch wird das sensible Thema Slots innerhalb der Bundesregierung nicht bei allen so kritisch gesehen. Es handle sich „um weniger als fünf Prozent der Slots, die die EU-Kommission fordert“, hieß es in Regierungskreisen am Mittwoch.

    Bei Lufthansa setzen deshalb viele auf die Kanzlerin. „Das lassen wir nicht mit uns machen“, hatte Merkel am Montag klargestellt.

    Die Alternative wäre wohl nur die Insolvenz, etwa die Sonderform des Schutzschirms mit dem Ziel, das Unternehmen zu restrukturieren und weiterzuführen. Das will aber auch der Aufsichtsrat möglichst vermeiden. „Zur Aufrechterhaltung der Solvenz stuft der Aufsichtsrat Stabilisierungsmaßnahmen des WSF aber weiter als die einzig gangbare Alternative ein“, ließ das Gremium am Mittwochnachmittag mitteilen.

    Mehr: Deutschlands mächtigster Aufsichtsrat steht unter Dauerfeuer.

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    1 Kommentar zu "Luftfahrt: Warum die Rettung der Lufthansa ins Stocken gerät"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • "Die EU-Kommission sieht nicht nur die 300 Millionen Euro schwere direkte Beteiligung des Staates an der Lufthansa als Eigenkapital an, sondern auch die Stille Einlage über 5,7 Milliarden Euro. Damit begründet die Kommission den harten Eingriff" --> Es sind genau die Finanzierungskomponenten, welche die SPD gewünscht und durchgesetzt hat, die zu diesem Problem führen. Reine Darlehen wie bspw. im Fall der Air France würden wohl nicht zu wettbewerblichen Bedenken führen.
      Das Problem ist also die mangelnde Durchsetzungsfähigkeit der CDU in der "GroKo".

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