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Luftfahrt Wertvolle Daten – Flugzeughersteller Airbus sorgt für Ärger in der Wartungsbranche

Im Wettlauf um die Datenhoheit in der Luftfahrt prescht der Konzern mit einer Idee zur Kapitalisierung der Informationen vor und versetzt die Branche in Unruhe.
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Airbus: Flugzeughersteller sorgt für Ärger in der Wartungsbranche Quelle: dapd
Wartung eines Triebwerks an einem Airbus A380

Airbus will die wertvollen Wartungsdaten zu Geld machen.

(Foto: dapd)

Paris, Frankfurt Wirklich offiziell ist die Informationen offensichtlich noch nicht, aber in der Branche macht sie bereits die Runde: Airbus will künftig von den Flugzeug-Wartungsfirmen Geld für den Zugang zu den notwendigen Daten verlangen.

Wie das Fachportal „MRO Network“ berichtet, sollen die Wartungsspezialisten künftig einen bestimmten Prozentsatz des Betrages, den sie selbst den Airlines für die Wartung der Jets in Rechnung stellen, an den europäischen Flugzeugbauer als Daten-Gebühr abführen.

Bei Airbus bestätigte man lediglich, dass wesentliche Daten bislang gratis überlassen worden seien, während andere sie für ihr Business nutzten. Das geistige Eigentum stelle aber einen Wert dar, dessen Nutzung honoriert werden müsse. Künftig müssten Royalties bezahlt werden.

Zu den Details der geplanten Gebühr will sich das Unternehmen nicht äußern. Laut MRO Network wurden Wartungs-Firmen aber bereits konkrete Zahlen genannt. Danach soll das Entgelt noch im laufenden Jahr in einer Höhe von 0,5 Prozent des Rechnungsbetrages erstmal eingeführt werden.

Die Höhe der Gebühr soll dann sukzessive steigen – von einem Prozent im Jahr 2020, auf 1,5 Prozent im Jahr 2021 und 2022 dann auf einen noch nicht festgelegten Satz. Wegen der kurzfristigen Einführung sollen die Wartungsfirmen die Option bekommen, im laufenden Jahr noch keine Gebühren entrichten zu müssen, dafür müssen sie dann aber im kommenden Jahr mit 1,25 Prozent einsteigen.

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In der Wartungsbranche, den sogenannten MRO-Spezialisten (Maintenance, Repair, Operations), sorgt die Ankündigung für Unruhe. „Wir kennen das Thema und haben dazu eine sehr klare Meinung“, heißt es bei Lufthansa Technik: „Steigende Kosten für die Airlines ohne zusätzliche Wertschöpfung sind natürlich völlig inakzeptabel.“ Die Wartungsfirmen stecken hier in einem Dilemma. Sie müssten versuchen, die Gebühr an ihre Kunden weiterzureichen, ohne dass diese dafür etwas geliefert bekommen.

Vor allem zwei Dinge stoßen den Wartungs-Spezialisten übel auf. Zum einen soll die Gebühr nach den bisher bekannten Plänen wohl anteilig auf den gesamten Rechnungsbetrag erhoben werden. Das bedeutet: Auch die Kosten für Ersatzteile und die Arbeit vor Ort, also die Wertschöpfung der MRO-Betriebe, wird von Airbus mit einem Entgelt belegt.

Jährliche Gebühr für den Datenzugang

„Es kann doch nicht sein, dass wir Airbus für unsere eigene Arbeit bezahlen“, bringt ein Manager einer Wartungsfirma die Bedenken auf den Punkt. Auch würde Airbus etwa beim Verkauf von Ersatzteilen doppelt kassieren – über den Preis für das Teil und über die Daten-Gebühr. Zum anderen verweisen die Betriebe darauf, dass sie bereits eine jährliche Gebühr an Airbus für den grundsätzlichen Zugang zur Datenwelt des Unternehmens entrichten.

Trotz der Bedenken und ungeachtet der Kritik will Airbus aber Ernst machen mit seinem Plan. Wer als Wartungsunternehmen der Gebühr nicht bis Ende Oktober zustimme, verliere den Zugang zur Daten-Plattform von Airbus, berichtet MRO Network. „Ein Datum gibt es nicht“, heißt es dagegen bei Airbus.

Der Gebührenplan von Airbus ist ein neuer Höhepunkt im Wettstreit um die Datenhoheit in der Luftfahrt. Airbus und Boeing aber auch Wartungsfirmen wie Lufthansa Technik wollen eine führende Rolle bei der Auswertung und der Nutzung der Daten spielen. Airbus schickt dazu seine Plattform Skywise ins Rennen. Bis Jahresende sollen dort 10.000 Flugzeuge von 100 Gesellschaften erfassen werden, hat das Unternehmen als Ziel vorgegeben.

Lufthansa Technik setzt auf seinen Aviation Data Hub, will aber auch andere Partner mit ins Boot holen. Die entsprechende Analyse-Software, die auf den Namen Aviatar hört und unabhängig vom Daten-Pool vermarktet wird, nutzen bereits mehrere Airlines, darunter etwa die ungarische Wizz Air.

Es geht um ein lukratives Geschäft. Boeing-Experten taxieren die Kosten aller Airlines weltweit für den gesamten Flugbetrieb auf rund 800 Milliarden Dollar jährlich. Zehn Prozent davon entfallen auf die Anschaffung von Jets, fast genau so viel auf deren Wartung.

Würden die Flugzeughersteller also künftig zwei Prozent der Wartungskosten als Datengebühr bekommen, wären das rechnerisch rund 1,6 Milliarden Euro an Zusatzeinnahmen, ohne dass die Hersteller dafür mehr leisten müssten. Vor allem aber: Dieses Geld kommt regelmäßig und planbar.

Gleichzeitig braucht die Luftfahrt diese Daten. Flugzeuge erfassen im Betrieb Millionen von Daten über Zustand und Funktion aller Komponenten, von den Höhenmessern bis zu den Motoren. Sie mit der richtigen Analyse auszuwerten, ist elementar für eine effizientere Wartung, geringeren Verbrauch und einen bestenfalls ausfallsicheren Flugbetrieb. Bei dem Airbus-Vorhaben geht es zunächst um die Wartungsdaten, nicht die Betriebsdaten, die per se den Airlines gehören.

Warnung vor Datenmonopol in der Luftfahrt

Angesichts dieser großen Bedeutung der Daten versteht der eine oder andere Manager in MRO-Unternehmen sogar, dass Airbus daraus mehr Kapital schlagen will. Einer Erhöhung der grundsätzlichen Zugangsgebühr stehen viele deshalb offen gegenüber.

Probleme haben sie allerdings damit, für die neue Gebühr gegenüber Airbus die Kunden-Rechnungen offenlegen zu müssen. „Damit würden wir komplett die Hosen herunterlassen, das geht einfach nicht“, sagt der Manager eines Wartungs-Betriebs.

Zudem wächst in der Luftfahrtbranche und nicht zuletzt bei den Airlines die Sorge, von nur noch wenigen Lieferanten und deren Daten-Plattform abhängig zu werden – analog zu Google etwa beim Thema Internetsuche. Schon heute ist der Flugzeugmarkt mit den beiden Giganten Airbus und Boeing ein Duopol. Eine Dominanz der beiden auch beim Zugang zu Daten würde dieses Duopol weiter stärken, fürchten Airline-Manager.

Auch Johannes Bußmann, der Chef von Lufthansa Technik, hatte gegenüber dem Handelsblatt vor einigen Monaten vor einem „Datenmonopol“ in der Luftfahrt gewarnt. Airbus versucht wiederum seit Monaten, diese Sorge zu zerstreuen: „Wir haben nicht den Ehrgeiz, das Google der Luftfahrt zu werden oder ein Monopol zu errichten“, hatte Marc Fontaine, das für den digitalen Wandel zuständige Vorstandsmitglied, gegenüber dem Handelsblatt versichert.

Das Thema ist so relevant, dass es mittlerweile sogar in der Politik angekommen ist, wie der gerade von der Kommission Wettbewerbsrecht 4.0 vorgelegte Bericht „Ein neuer Wettbewerbsrahmen für die Digitalwirtschaft“ zeigt. Dort wird die „wettbewerbsrechtliche Pflicht zur Gewährung von Datenzugang“ anhand von zwei Beispielen dargelegt: der Automobilindustrie und der Luftfahrt und hier explizit beim Thema Wartung.

In schönstem Beamtendeutsch heißt es dazu auf Seite 38: „Diese Gesichtspunkte legen in Sektoren mit verfestigten Marktpositionen, in denen eine verbreitete Verweigerung des Datenzugangs zu strukturellen Wettbewerbsproblemen führt, eine von der Verfolgung von Einzelfällen unabhängige regulatorische Ausgestaltung eines Datenzugangs nahe – etwa im Rahmen einer Verordnung.“ Anders ausgedrückt: Wird der Datenzugang von Unternehmen verweigert, droht die Regulierung.

Mehr: Flugsicherung und Sicherheitskontrollen – Airlines befürchten neue Engpässe in der Infrastruktur

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