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Luftfahrt Wie die Boeing-Krise den Protektionismus anheizt

Zölle auf Flugzeuge, Exportverbote und verzögerte Genehmigungen für Übernahmen – die Luftfahrtbranche rutscht immer tiefer in den Handelsstreit.
17.02.2020 - 12:46 Uhr Kommentieren
Der US-Luftfahrtriese Boeing soll durch Protektionismus beschützt werden – das könnte sich rechnen. Quelle: Reuters
Boeing 737 Max

Der US-Luftfahrtriese Boeing soll durch Protektionismus beschützt werden – das könnte sich rechnen.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Die US-Regierung erwägt offenbar die Lieferung von Triebwerken des US-Herstellers General Electric nach China zu untersagen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg ohne Angaben von Quellen. Eine offizielle Bestätigung gibt es noch nicht.

Ein solcher Schritt würde ins aktuelle Bild passen. Seit Monaten gerät die Luftfahrtindustrie immer tiefer zwischen die Fronten des Handelskrieges von USA, Europa und China. Ein Treiber dieser Entwicklung ist die schwere Krise des US-Flugzeugkonzerns Boeing. Die US-Regierung ist offenbar fest dazu entschlossen, die amerikanische Industrie-Ikone, die zugleich ein wichtiger Lieferant für das heimische Militär ist, soweit wie möglich zu schützen – auch mit Hilfe von Protektionismus.

Erst am vergangenen Wochenende erhöhte die US-Regierung die Importzölle auf große Flugzeuge aus Europa von zehn auf 15 Prozent. Der Schritt kam nicht unerwartet. In der Branche hatte man sogar die Anhebung auf 20 Prozent befürchtet. Die USA dürfen nach einem Urteil der Welthandelsorganisation WTO bis zu 100 Prozent aufschlagen. Hintergrund dieser Entscheidung ist der jahrelange Streit zwischen den USA und Europa um Subventionen für die Entwicklung neuer Flugzeuge.

Doch dieser Streit wird längst von der Boeing-Krise überlagert. Der US-Konzern darf den beliebten Kurz- und Mittelstreckenjet Boeing 737 Max nach zwei Abstürzen seit Monaten nicht mehr ausliefern und ist deshalb tief in die roten Zahlen gerutscht. Zu dieser selbstverschuldeten Situation gesellen sich externe Herausforderungen von Boeing.

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    Etwa der Wettstreit um den Markt unterhalb der 737 Max. Airbus ist hier mit der Übernahme der C-Series von Bombardier vorgeprescht. Der nun als A220 firmierende Jet verkauft sich gut, das setzt Boeing unter Zugzwang. Doch der Gegenangriff der Amerikaner – die Übernahme von 80 Prozent des zivilen Flugzeugbaus der brasilianischen Embraer – hängt in der Luft. Ausgerechnet die EU-Wettbewerbshüter tun sich mit dem 4,2 Milliarden Dollar teuren Deal schwer, während die Kartellbehörden in anderen Ländern die Übernahme mittlerweile freigegeben haben.

    Boeing fühlt sich ungerecht behandelt

    Das führt zu einer Situation, die von einigen in der US-Regierung als unfairer Angriff auf Boeing interpretiert wird. Diese Sichtweise wurde zuletzt zusätzlich angeheizt. Denn zum einen hat Airbus vor wenigen Tagen das A220-Programm komplett von Bombardier übernommen, zusammen mit der Provinz Quebec in Kanada, wo der Jet gefertigt wird. Zum anderen hat die EU-Kommission noch einmal Informationen zum geplanten Boeing-Embraer-Deal angefordert, dessen Prüfung sich nun wohl bis Mai ziehen könnte.

    Nicht nur die US-Regierung wittert dahinter Absicht, um Airbus mehr Zeit zu geben, den A220-Verkauf weiter anzukurbeln. Auch Embraer-Chef John Slattery beklagte kürzlich auf der Singapore Air Show Wettbewerbsnachteile durch die Verzögerungen. Die Kunden, also die Airlines, bräuchten für ihre Investitionsentscheidungen Klarheit. Sie wollten wissen, „wer ihre Geschäftspartner sein werden“. Die EU-Kommission weist dagegen Vorwürfe, ihre intensive Prüfung des Embraer-Deals sei politisch motiviert, vehement zurück.

    Der Streit könnte sich weiter zuspitzen. Im Frühsommer will die WTO über mögliche Strafzölle entscheiden, die die EU auf Flugzeuge aus amerikanischer Fertigung erheben kann. Denn auch auf US-Seite hat es nach Ansicht der EU unerlaubte Subventionen für Boeing gegeben. Dass die WTO der EU entsprechende Aufschläge erlaubt, gilt als recht sicher. Die Frage ist, ob die Europäer sie dann auch beschließen.

    Denn das würde den Streit weiter anheizen – zum Schaden der Luftfahrtindustrie auf beiden Seiten des Atlantik. Die Hersteller haben nur begrenzte Möglichkeiten, gegenzusteuern. Airbus etwa hat zwar ein Werk in den USA. Doch in Mobile werden nur kleinere Jets der Muster A220 und A320 produziert. Die Langstreckenflugzeuge A330 und A350 werden in Europa gebaut. Bestellt ein US-Kunde so ein Flugzeug, wird es deutlich teurer. Dabei schwächelt der Markt für Langstrecken-Flugzeuge schon heute.

    Comac könnte der lachende Dritte sein

    Boeing wiederum hilft ein ausufernder Zoll-Wettstreit auch nicht. Der US-Konzern fertigt komplett in den Staaten. Und auch das Boeing-Langstreckenflugzeug Dreamliner läuft derzeit schlechter als geplant. Im Kurz- und Mittelstreckenmarkt wiederum hat die 737 ihren Zenit überschritten und braucht einen Nachfolger. Würde die eh schon schwer angeschlagene Max auch noch mit Zöllen belegt, dürften Neubestellungen endgültig ausbleiben.

    Auch der Sinn der jüngsten Idee der US-Regierung, Triebwerkslieferungen nach China zu untersagen, ist vor diesem Hintergrund fragwürdig. Zwar würde ein solcher Schritt vor allem den geplanten Jet C919 treffen, der mit Motoren des Typs Leap von General Electric abheben soll. Mit dem geplanten Passagierflugzeug des Herstellers Comac will China das Duopol von Boeing und Airbus knacken. Und tatsächlich könnten Fluggesellschaften – solange die Max ein Sorgenkind bleibt und ein Nachfolger nicht in Sicht ist – auf die Idee kommen, stattdessen Jets bei Comac zu ordern.

    Doch ob es wirklich dazu kommt, ist offen. Erstens leidet das C919-Programm unter erheblichen Verzögerungen. Die mehrfach und zuletzt auf das kommende Jahr verschobene Markteinführung wackelt seit einigen Monaten erneut. Möglicherweise wird der Jet im kommenden Jahr überhaupt erst zertifiziert werden können.

    Zweitens scheuen Fluggesellschaften die Bestellung eines völlig neuen Flugzeugs von einem bis dato unbekannten Hersteller. Es fehlt nicht nur an Daten, etwa was die Betriebskosten angeht. Auch wissen die Airline-Manager nicht, in wie weit der Hersteller eine weltweit verfügbare Wartung garantieren kann.

    Am Ende könnte ein Lieferverbot nach China das Gegenteil bewirken. China könnte seinerseits Gegenmaßnahmen ergreifen. Das wäre für Boeing nicht gut. Chinesische Airlines sind wichtige Abnehmer für die 737 Max.

    Mehr: Der Verlust von Airbus fiel 2019 doppelt so hoch aus wie beim Konkurrenten Boeing. Dennoch geht es dem Konzern blendend – zumindest bei den Zivilflugzeugen.

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