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Luftfahrt Zwei Milliarden Euro Verlust erwartet: Lage der deutschen Flughäfen spitzt sich zu

Die Airports haben bislang nur wenig Hilfe von Gesellschaftern erhalten. Verkehrsminister Scheuer lädt deshalb am 6. November zum Gipfel.
14.10.2020 - 09:16 Uhr Kommentieren
Der Regionalflughafen musste Insolvenz anmelden, weil einige Gesellschafter nicht mehr bereit waren, weiteres Geld zuzuschießen. Quelle: dpa
Flughafen Paderborn-Lippstadt

Der Regionalflughafen musste Insolvenz anmelden, weil einige Gesellschafter nicht mehr bereit waren, weiteres Geld zuzuschießen.

(Foto: dpa)

Berlin, Frankfurt Wer wissen will, wie es derzeit um die deutschen Flughäfen bestellt ist, muss sich nur die aktuellen Passagierzahlen der beiden größten Drehkreuze Frankfurt und München anschauen. Betreiber Fraport meldete am Dienstag für den Flughafen Frankfurt im September ein Minus bei den Fluggastzahlen von 82,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

In Summe sackte die Zahl der Passagiere am größten deutschen Airport in den ersten neun Monaten des Jahres um 70,2 Prozent ab. In München betrug das Minus im gleichen Zeitraum 73 Prozent.

Den Flughäfen fehlen die zentralen Einnahmen aus Gebühren, Gastronomie, Einzelhandel und Parkhäusern, da die Passagiere seit Monaten wegen der Corona-Pandemie fernbleiben. „Viele Flughäfen befinden sich in einer wirtschaftlichen Notsituation“, sagt Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV.

Man gehe davon aus, dass sich die Verluste der deutschen Verkehrsflughäfen in den Jahren 2020 und 2021 auf über zwei Milliarden Euro addieren werden, sagt Beisel: „Es droht der Abbau von einem Viertel der mehr als 180.000 an Flughafenstandorten beschäftigten Mitarbeiter in Deutschland.“

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    Hilfe von den Gesellschaftern – in der Regel sind das Kommunen und Länder, in wenigen Fällen auch der Bund – floss bisher nur spärlich. Das hat mehrere Gründe. Zum einen hat die EU-Kommission klare Rahmenbedingungen für Corona-Hilfen formuliert. Die dürfen nur an Flughäfen fließen, die nachweisen können, dass sie vor Beginn der Pandemie wirtschaftlich überlebensfähig waren. Das ist insbesondere für einige Regionalflughäfen ein Problem.

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    Zum anderen verhallen die Bitten der Länder, der Bund möge doch bitte helfen, bisher ungehört. Der Bund hält direkte Anteile nur an wenigen Flughäfen, so etwa in Berlin und Köln/Bonn. An den anderen Airports sieht man in Berlin die Gesellschafter in der Pflicht. Und daran will man auch nichts ändern. „Wir wollen hart bleiben“, heißt es im Verkehrsressort.

    Dennoch will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nun am 6. November bei einem Gipfeltreffen unter anderem über die Probleme der deutschen Flughäfen sprechen.

    Bei den Flughäfen geht die Liquidität zur Neige

    Ideen, wie den Flughäfen geholfen werden kann, gibt es beim ADV. „Unsere dringende Bitte ist es, dass die öffentliche Hand zumindest die Vorhaltekosten für die Phase des Lockdowns übernimmt. Das sind nach aktuellen Berechnungen für alle Flughäfen in Summe 740 Millionen Euro“, sagt Hauptgeschäftsführer Beisel. Unter Vorhaltekosten versteht man jene Kosten, die anfallen, um die Flughäfen etwa für Notfalleinsätze oder Versorgungsflüge offen zu halten.

    Und noch eine Bitte hat der Verband: „Es gibt im Bundeshaushalt für das Jahr 2020 noch Mittel, die bisher nicht abgerufen wurden. Unser Wunsch ist es, zu prüfen, ob diese Mittel umgewidmet werden und der Luftfahrt zugutekommen können.“

    Die Zeit drängt. Selbst bei einigen größeren Flughäfen werde die Liquidität im kommenden Jahr zur Neige gehen, warnt Beisel. Und wirbt: Wenn Bund und Länder den Flughäfen unter die Arme greifen, sei das gut investiertes Geld. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Flughäfen zeige sich in einer Bruttowertschöpfung von über 27 Milliarden Euro im Jahr. „Die deutschen Flughäfen sind ein stabiler und unverzichtbarer Wirtschaftsmotor und Garant für gleichwertige Lebensverhältnisse in den Regionen.“

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    Für einige Regionalflughäfen dürften die möglicherweise nun doch fließenden Hilfen allerdings zu spät kommen. Der Airport in Paderborn-Lippstadt hat vor Kurzem die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Einige der Gesellschafter waren nicht mehr bereit, weitere Gelder in den Flughafen zu stecken. Mit Bielefeld ist der erste Gesellschafter kürzlich komplett ausgestiegen.

    Mehr: Bund nimmt deutlich weniger Luftverkehrssteuern ein.

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