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Luftfahrtbranche Boeing verliert Titel des weltgrößten Flugzeugbauers – Auslieferungen um 37 Prozent eingebrochen

Der US-Flugzeugbauer muss seine Erstplatzierung an seinen europäischen Rivalen abgeben. Grund dafür: das weltweite Flugverbot der 737 Max.
Update: 10.07.2019 - 07:08 Uhr Kommentieren
Der US-Flugzeugbauer muss seine Erstplatzierung an seinen europäischen Rivalen abgeben. Quelle: Reuters
Geparkte Boeing 737 Max

Der US-Flugzeugbauer muss seine Erstplatzierung an seinen europäischen Rivalen abgeben.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Der US-Konzern Boeing dürfte wegen des anhaltenden Flugverbots für seinen Bestseller 737 Max den Titel als weltgrößter Flugzeugbauer an den europäischen Rivalen Airbus verlieren. Die Auslieferungen seien im ersten Halbjahr um 37 Prozent auf 239 Maschinen eingebrochen, teilte Boeing am Dienstag mit.

Airbus dagegen meldete die Auslieferung von 389 Flugzeugen, 28 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit dürfte Boeing 2019 erstmals seit acht Jahren wieder hinter den europäischen Konkurrenten zurückfallen. Denn nach wie vor ist nicht absehbar, wann die 737 Max wieder abheben darf. Nach zwei Abstürzen baugleicher Flugzeuge in Indonesien und Äthiopien, bei denen innerhalb weniger Monate insgesamt 346 Menschen starben, wurde Boeings 737-Max-Serie vorerst aus dem Verkehr gezogen. Die Auslieferungen der Serie brachen von 137 auf 24 Stück ein. Bis zur weiteren Klärung der Unfallursachen und zur Behebung von Softwareproblemen ist unklar, wie es weitergeht.

Die US-Luftverkehrsaufsicht FAA hat kürzlich erst einen neuen Fehler in den IT-Systemen entdeckt. Danach kann ein überlasteter Prozessor dazu führen, dass Befehle der Piloten zeitverzögert umgesetzt werden. Gerade in kritischen Situationen kann das sehr gefährlich werden. In dieser Woche hatte zudem die europäische Aufsicht EASA Boeing einen Mangel übermittelt, der noch behoben werden muss. Die Behörde hat einen Fehler im Autopiloten festgestellt, der ebenfalls Befehle der Flugzeugführer behindern kann.

Branchenkenner rechnen damit, dass der Jet frühestens wieder im Oktober starten kann. Es gibt allerdings auch Stimmen, die sagen, dass das erst Anfang des kommenden Jahres der Fall sein wird. Und selbst wenn die Behörden die Max wieder freigegeben haben, kann Boeing nicht sofort alle schon gebauten aber vorläufig geparkten Jets übergeben. Zwar warten etwa in Europa Ryanair, Tuifly und Sunexpress auf die Max. Doch sie können die Flugzeuge nur Stück für Stück einflotten. Zudem müssen die Piloten entsprechend geschult werden. Auch hier ist der erforderliche Aufwand noch nicht absehbar. Von der einen Seite heißt es, eine theoretische Schulung würde ausreichen. Andererseits hatte sich zuletzt angedeutet, dass die Aufsichtsbehörden auf Schulungen in speziellen Max-Simulatoren bestehen werden. Die gibt es aber bisher nur in sehr begrenzter Zahl.

Völlig offen bleibt indes, welche langfristigen Folgen das Max-Desaster für Boeing und die Positionierung im weltweiten Hersteller-Ranking haben wird. Zwar sorgte gerade erst die Stornierung von 50 Max durch die saudi-arabische Billig-Airline Flyadeal für Schlagzeilen. Doch bei genauer Betrachtung handelte es sich dabei nur um eine Absichtserklärung, die nun nicht in eine feste Bestellung umgewandelt wird. Von den Kunden, die die Max fest geordert haben, ist bisher noch keiner abgesprungen. Lediglich die Drohung, das zu tun, haben einige Fluggesellschaften ausgesprochen.

Ein Wechsel zur einzig verfügbaren Alternative, der A320-Familie vom Rivalen Airbus, ist auch nicht so einfach. Die Wartelisten für den beliebten Kurz- und Mittelstreckenjet sind sehr lang. Allerdings könnte es für Boeing zu einem Problem werden, dass sich gerade jetzt die weltweite Wirtschaft abschwächt und die Airlines zunehmend Nachfrageprobleme spüren. Das könnte dazu führen, dass der eine oder andere Kunde die Abnahme seiner Max weiter in die Zukunft schieben will. Angesichts der Fehler, die der US-Flugzeugbauer bei seinem Brot- und Butter-Flugzeug offensichtlich gemacht hat, würde Boeing wohl kaum etwas anderes übrigbleiben, als auf diese Wünsche einzugehen.

Schon 2018 hatte Boeing seine Rolle als weltgrößter Flugzeugbauer nur noch knapp verteidigen können. Der US-Konzern lieferte insgesamt 806 Verkehrsflugzeuge aus. Airbus kam auf 800 Maschinen.

Boeing verfehlte dabei das selbst gesetzte Ziel, 810 bis 815 Flugzeuge an seine Kunden zu übergeben. Während die Amerikaner sich im Vergleich zu 2017 nur um über 40 Maschinen steigerten, legte Airbus um gut 80 Jets zu.

Mehr: Die Ermittlungen um zwei abgestürzte Boeing 737 Max 8 werden nach Zeitungsberichten ausgeweitet: Angeblich steht nun auch der 787-Dreamliner im Fokus.

Mit Agenturmaterial

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