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Luftfahrtbranche Krise um Boeing 737 Max könnte Zulassung neuer Jets erschweren

Die Abstürze der Boeing 737 Max haben gravierende Folgen für die Branche: Wahrscheinlich reicht es künftig nicht mehr aus, wenn nur eine nationale Behörde ein Flugzeug zulässt.
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Krise um Boeing 737 Max könnte Zulassung neuer Jets erschweren Quelle: Reuters
737 Max

Der US-Flugzeughersteller erwartet deutliche Veränderungen bei der Zertifizierung neuer Jets.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDie beiden Abstürze von fast fabrikneuen Boeing 737 Max mit fast 350 Toten könnten die Luftfahrt-Industrie nachhaltig verändern. Die Branche geht davon aus, dass das künftig besonders für die Zulassung von Flugzeugen weltweit der Fall sein wird.

„Ich bin überzeugt, dass etwas Substantielles geschehen wird“, sagte David Calhoun, Senior Managing Director der Blackstone Group und Mitglied im Verwaltungsrat von Boeing, der britischen Zeitung „Financial Times“. Niemand werde sich nun mehr wegducken können. Es werde ein breites Spektrum an Verbesserungen geben, die sich über einen langen Zeitraum hinweg ziehen würden, prognostizierte Calhoun.

Es ist die recht diplomatische Umschreibung einer Entwicklung, auf die die gesamte Luftfahrtbranche mit Sorge schaut. „Sicherheit muss oberstes Ziel sein, das steht fest“, sagt ein Airline-Manager: „Aber die Gefahr besteht, dass die Zertifizierung nun zwischen den einzelnen nationalen Behörden zerrieben wird. Damit wäre niemandem geholfen.“

Auslöser der aktuellen Debatte um die Zulassungsverfahren sind Berichte über zu lasche Prüfungen durch die US-Luftfahrtaufsicht FAA bei der Zertifizierung der umstrittenen 737 Max. Wichtige Teile der Prüfung sollen an Boeing-Ingenieure zurückgegeben worden sein, wird berichtet.

Mittlerweile ermitteln die Behörden in den USA in der Sache. Boeing verweist bisher darauf, alle Vorschriften bei der Zulassung der Max eingehalten zu haben. Schon recht früh zeichnete sich ab, dass durch die Abstürze der Max bisher gängige Verfahren in der Luftfahrt ausgehebelt werden.

Airbus wollte sich zu dem Thema auf Anfrage nicht äußern und verwies auf die Aufsichtsbehörden wie die FAA. „Sicherheit ist die Priorität Nummer eins in der Luftfahrt. Und darauf ist unsere Industrie ausgerichtet.“

So verhängte die europäische Luftfahrt-Aufsicht EASA deutlich vor der FAA ein Flugverbot für den Flugzeugtyp. In der Branche wurde das als ein erster Hinweis darauf interpretiert, dass die Europäer den US-Kollegen nicht mehr uneingeschränkt vertrauen.

Bis dato war es üblich, dass die nationalen Aufseher den Vorgaben der Behörden jenes Landes weitgehend folgten, in dem der Hersteller seinen Sitz hat. Alleine wegen der Größe von Boeing spielte die FAA deshalb traditionell eine starke Rolle bei den Zertifizierungen.

Doch bei der Wiederzulassung der 737 Max nach Software-Updates und anderen Nachbesserungen will sich die EASA nicht mehr allein auf die US-Kollegen verlassen. Die FAA hat zwar ein „737 MAX Joint Authority Technical Review“ (JATR) einberufen. In dem Gremien beraten zehn Behörden bis Ende Juli über Nachbesserungen – darunter auch die EASA. Das Ziel: den Jet weltweit zeitgleich wieder in den Betrieb zu bringen.

Doch die EASA hat kürzlich noch einmal deutlich gemacht, dass eine zwingende Voraussetzung für die Rückkehr der Max der erfolgreiche Abschluss einer „unabhängigen EASA-Konstruktionsprüfung“ sei. Sprich: Das letzte Wort behält man sich vor.

Rechtlich ist das ohne Änderungen von Vorschriften oder Gesetzen möglich. So sind für die Zertifizierung von Flugzeugen schon immer Ausnahmen festgelegt, in denen die Vorgaben aus den USA Grenzen haben. In diesen Fällen müssen Teile des Jets separat autorisiert werden. Einer von vier Punkten lautet: „Sensible Themen, die üblicherweise in Verbindung mit einem Unfall oder einem Vorfall bei einem Produkt mit einem vergleichbaren Design stehen.“

Gleichzeitig ist der Druck auf die EASA groß, nicht nur im speziellen Fall der 737 Max Eigenständigkeit zu zeigen, sondern auch grundsätzlich. So hatte der Europaabgeordnete Markus Ferber (CSU) vor einigen Wochen vehement mehr Unabhängigkeit bei den Zulassungsverfahren gefordert: „Europa braucht eine eigenständig arbeitende Flugsicherheitsbehörde, die nicht einfach durchwinkt, was in Amerika zugelassen wurde“, sagte er.

Auch in anderen Ländern wollen die Aufseher eigene Prüfungen vornehmen – so etwa in China und in Kanada. Damit zeichnet sich ab: Einfacher wird es für die Hersteller wie Boeing und Airbus künftig nicht, ihre neuen Flugzeugmuster durch die „Vollabnahme“ zu bringen.

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