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Luftfahrtkonzern Keine Tabus mehr: Bei der Lufthansa kommt alles auf den Prüfstand

CEO Carsten Spohr will die Airline stärker auf den internationalen Kapitalmarkt ausrichten. Neben der Lufthansa Technik prüft er auch die Cargo-Sparte.
23.01.2020 - 15:51 Uhr Kommentieren
Der Konzern erwägt einen Börsengang von Lufthansa Technik. Quelle: Lufthansa / Jan Brandes
Lufthansa-Maschine

Der Konzern erwägt einen Börsengang von Lufthansa Technik.

(Foto: Lufthansa / Jan Brandes)

Frankfurt Carsten Spohr macht sich gerade bei der Lufthansa keine Freunde. Der Vorstandschef will die Airline massiv umbauen. Das komme im von Konsenskultur geprägten Unternehmen bei vielen nicht gut an, berichten Konzernkenner.

Denn die Überlegungen von Spohr reichen weit. Bekannt sind die Pläne, dem Konzern eine Holdingstruktur zu verpassen. Dadurch soll der Wert der Einzelteile transparenter werden, vor allem für die Investoren. Doch die Holding ist nur der organisatorische Rahmen. Um den echten Wert der Gruppe offenzulegen, sind weitere Maßnahmen notwendig. Dabei – das wird langsam klar – gibt es für Spohr keine Denkverbote.

So gibt es im Konzern Überlegungen, die Lufthansa Technik an die Börse zu bringen. Ein Sprecher wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Unternehmenskenner halten aber einen Teilbörsengang der für die Flugzeugwartung zuständigen Tochter für das wahrscheinlichste Szenario. Dabei könne Lufthansa die Mehrheit behalten, würde aber von der Bewertung des Ablegers profitieren.

Doch nicht nur für die Technik werden Optionen geprüft. Auch bei der Frachttochter Lufthansa Cargo gibt es nach Informationen des Handelsblatts grundsätzliche Überlegungen, ob und wie man sie anders positionieren könnte. Die diskutierten Modelle reichen von einem „weiter wie bisher“ bis hin zur Integration in die Passagiersparte – dann ohne eigene Frachterflotte.

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    Letzteres sei ein eher unwahrscheinliches Szenario, heißt es in Branchenkreisen. Lufthansa werde auch künftig eigene Cargo-Jets betreiben. Aber dazu brauche man keine eigene Tochtergesellschaft. Die Lufthansa wollte sich auch zu diesem Thema nicht äußern.

    Langwieriger Umbau

    Beide Themen befinden sich in einem frühen Stadium. Es ist offen, was am Ende umgesetzt wird. „Das wird ein mehrjähriger Prozess“, vermutet Branchenanalyst Daniel Röska von Bernstein Research. Doch die Planspiele zeigen: Spohr hat erkannt, dass der Konzern nicht mehr wie bisher weitermachen kann. Das ist die eindeutige Botschaft der Investoren.

    Die Lufthansa erreicht derzeit einen Börsenwert von 6,9 Milliarden Euro. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, bezogen auf die im laufenden Jahr erwarteten Erträge, liegt bei mageren 4,6. Der britisch-spanische Rivale IAG, der bereits als Holding agiert, kommt auf 6,5. Der Triebwerksspezialist MTU Aero Engines hat sogar ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 25.

    Mit gut 15 Milliarden Euro ist das deutlich kleinere Unternehmen gut doppelt so viel wert wie die gesamte Lufthansa-Gruppe. Allein das zeigt das Potenzial eines Teilbörsengangs von Lufthansa Technik für den Konzern.

    Grafik

    „Der Druck von Investoren ist gewachsen, nachdem erste Holding-Ideen publik wurden“, heißt es in Führungskreisen von Lufthansa. Das wisse Carsten Spohr, und das spüre auch Karl-Ludwig Kley. Der Aufsichtsratschef von Lufthansa suche regelmäßig den direkten Kontakt mit den Investoren und unterstütze Spohr bei seinen Überlegungen.

    Das Ziel der beiden: Lufthansa soll im internationalen Kapitalmarkt attraktiver werden. Nur so kann die Unternehmensgruppe weiter im globalen Airline-Geschäft mitmischen.

    Bislang wollen der globale Anspruch der Lufthansa und die Aktionärsstruktur nicht so recht zusammenpassen. Kaum große internationale Fonds sind engagiert.

    Ausnahme ist Blackrock, der jüngsten Angaben zufolge 3,15 Prozent der Anteile halten. Weitere Aktionäre sind Lansdowne Partners International aus Großbritannien und Amundi aus Frankreich. Amerikanische Vermögensverwalter wie zum Beispiel die Capital Research and Management Company, die bei IAG fast elf Prozent der Anteile halten, sucht man vergebens.

    Das liegt an der bisherigen Struktur der Lufthansa. Im Gegensatz zu den Tochter-Airlines ist die Lufthansa-Kernmarke keine eigene Gesellschaft. Die Folge: Die Verkehrsrechte hängen im Konzern. Sie wiederum gibt es nur, wenn mindestens 50 Prozent der Anteilseigner aus Europa kommen. Das ist ein Hindernis, wenn es darum geht, internationale Anleger zu gewinnen.

    Deshalb hat Lufthansa angekündigt, die Kernmarke Lufthansa aus dem Konzern herauslösen und in eine Stiftung überführen zu wollen. Dort würden dann auch die Verkehrsrechte liegen.
    „Geld haben die großen Investoren wie die US-Pensionsfonds genug. Wir müssen sie nur anlocken“, sagt eine Führungskraft des Konzerns. Dazu reicht die Holding allein nicht, ein Teilbörsengang von Lufthansa Technik dagegen schon eher. Das zeigt das Beispiel des Industrieriesen Siemens, der eine solche Abspaltung schon bei mehreren Geschäftsbereichen durchgeführt hat.

    Der Börsenwert von Lufthansa Technik könnte auf den Aktienkurs der Lufthansa einzahlen, ohne dass der Konzern den Zugriff auf den Ableger verliert. Das ist wichtig. Die Gruppe ist ein großer Kunde von Lufthansa Technik.

    Zwar wurde die Wartung der Lufthansa-Jets während der Standzeiten am Flughafen, die sogenannte Line Maintenance, bereits in die Lufthansa Passage integriert. Diesen Teil der Flugzeugpflege steuert die Lufthansa also selbst und braucht die Technik hier nicht mehr. Die kommt aber weiterhin bei den großen Wartungen der Jets zum Einsatz.

    Hinzu kommt: Lufthansa Technik ist ein Impulsgeber, was Innovationen in der Luftfahrt angeht. Lufthansa würde bei einem Teilbörsengang Zugriff auf dieses Potenzial behalten. Angesichts der Klimadebatte und unter dem wachsenden Druck, das Fliegen neu zu erfinden, wäre das sinnvoll.

    Schlankere Strukturen

    Eine weitgehend unabhängige und den Anteilseignern verpflichtete Technik könnte zudem selbst freier agieren. Die Lufthansa ihrerseits könnte sich auf das Kerngeschäft mit dem Fliegen konzentrieren. Das ist schon länger die Strategie von Spohr. Deshalb trennt sich das Unternehmen gerade von der Cateringtochter LSG Sky Chefs.

    Bei Lufthansa Cargo geht es dagegen eher um schlankere Strukturen – für Investoren ebenfalls wichtig. Schon häufiger wurde intern diskutiert, ob der Frachtableger einen eigenen Vorstand und Aufsichtsrat benötigt. „Vielleicht reicht es auch, dieses Geschäft über eine Abteilungsstruktur zu führen“, sagt ein Lufthansa-Manager.

    Bei aller Skepsis und Unsicherheit, die Spohrs Ideen intern auslösen: Der Umbau bedeutet auch für den Lufthansa-Chef selbst eine gewaltige Umstellung. Der frühere Pilot identifiziert sich bekanntermaßen sehr stark mit der Kernmarke. Geht es zum Beispiel darum, eine Flugzeugbestellung für die Premiumsparte zu verkünden, macht das der 53-Jährige gern selbst.

    In einer Holdingstruktur müsste Spohr das künftig anderen überlassen. „Leicht fällt ihm dieser Rollenwechsel sicher nicht“, sagt ein Wegbegleiter.

    Mehr: Verwalter und Management wollen schnell Klarheit über die Zukunft von Condor für Reisende und Veranstalter. Schon am Wochenende könnte eine Vorentscheidung fallen.

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