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Luftfahrtkrise Singapore Airlines plant Flüge ins Nirgendwo, Thai startet Restaurantkette mit Flugzeug-Atmosphäre

Auch in Asien fallen die meisten Flüge aus. Rundflüge und Restaurants mit Bord-Essen sollen Vielfliegern auf Entzug und gelangweilten Stewards helfen.
15.09.2020 - 11:13 Uhr Kommentieren
Gäste bekommen Flugzeugessen serviert in einer Atmosphäre, die an Flugreisen erinnern soll. Quelle: AFP
Thai-Airways-Restaurant

Gäste bekommen Flugzeugessen serviert in einer Atmosphäre, die an Flugreisen erinnern soll.

(Foto: AFP)

Bangkok Die Reise dauert mehrere Stunden, und am Ende steigen die Passagiere genau dort wieder aus dem Flugzeug, wo sie eingestiegen sind: Normalerweise passiert so etwas nur, wenn ein Flug außerplanmäßig abgebrochen werden muss. Singapurs staatliche Fluglinie Singapore Airlines möchte aus diesem ungewöhnlichen Erlebnis nun aber ein Geschäftsmodell machen.

Ab Ende Oktober will der wegen der Coronakrise angeschlagene Luftfahrtkonzern lokalen Medien zufolge sogenannte „Flüge ins Nirgendwo“ anbieten: Die Bewohner des Stadtstaats sollen dann Flüge buchen können, die am selben Flughafen landen, von dem sie auch gestartet sind.

Das Konzept soll der Airline, die in Umfragen regelmäßig zu einer der besten der Welt gewählt wurde, dabei helfen, zumindest ein wenig Bewegung in ihre großteils stillstehende Flotte zu bringen. Singapore Airlines ist wegen besonders strenger Reisebeschränkungen wie mehrere Luftfahrtgesellschaften im Asien-Pazifik-Raum überdurchschnittlich stark von den Folgen der Pandemie betroffen. Dass die nationale Fluglinie des südostasiatischen Stadtstaates über kein Geschäft mit Inlandsflügen verfügt, verschärft die schwierige Lage zusätzlich.

Als Zielgruppe für die „Flüge ins Nirgendwo“ hat der Konzern nun offenbar reisefreudige Bewohner der Metropole vor Augen, die das Fliegen vermissen, aber die Strapazen einer Auslandsreise derzeit nicht auf sich nehmen wollen.

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    Singapurs Regierung führte im März strenge Einreisebeschränkungen ein. Staatsbürger und Menschen mit dauerhafter Aufenthaltserlaubnis dürfen zwar Singapur verlassen und auch wieder einreisen. Sie müssen sich nach ihrer Ankunft in der Regel aber für zwei Wochen auf eigene Kosten in einem Hotelzimmer isolieren, das sie von der Regierung zugewiesen bekommen.

    Flüge sollen rund drei Stunden dauern

    Diesen Aufwand nimmt für Vergnügungsreisen kaum jemand auf sich. Für Singapore Airlines hat das einen drastischen Nachfragerückgang zur Folge: Die Zahl der Flugkilometer, die zahlende Passagiere im Juli zurücklegten, lag 99 Prozent unter dem Wert des Vorjahrs.

    Die Bewohner des Stadtstaats sollen Flüge buchen können, die am gleichen Flughafen landen, von dem sie auch gestartet sind. Quelle: Edgar Su
    Heckflosse eines Singapore-Airlines-Jets am Changi Airport

    Die Bewohner des Stadtstaats sollen Flüge buchen können, die am gleichen Flughafen landen, von dem sie auch gestartet sind.

    (Foto: Edgar Su)

    Seine Kapazität schraubte der Konzern auf sieben Prozent des Vor-Covid-19-Niveaus zurück. Zwischen April und Juni – das Quartal mit den bisher strengsten Corona-Beschränkungen in Singapur – machte die Airline einen Rekordverlust von umgerechnet rund 700 Millionen Euro.

    Die geplanten Flugangebote, die Singapurs Changi-Flughafen sowohl als Start als auch als Ziel vorsehen, sollen zumindest eine kleine alternative Einnahmequelle erschließen und dem Personal die Möglichkeit geben, Dienstzeiten wieder zu erhöhen.

    Laut einem Bericht der staatsnahen Zeitung „Straits Times“ werden die Flüge rund drei Stunden dauern. Genaue Details des Angebots würden noch erarbeitet. Es sei möglich, dass die Flüge in Kombination mit Einkaufs- und Hotelgutscheinen verkauft würden – als zusätzliche Anreize, einen Urlaub in der Heimat zu buchen.

    Singapore Airlines ist nicht die einzige Fluggesellschaft, die inmitten der Corona-Krise Rundflugangebote auf den Flugplan hebt: Eva Air aus Taiwan veranstaltete im August einen „Flug ins Nirgendwo“ – von und nach Taipeh – mit mehr als 300 Passagieren an Bord. Ein Economy-Ticket für den Drei-Stunden-Flug war für umgerechnet rund 250 Dollar zu haben.

    Die japanische Fluglinie ANA veranstaltete im August einen anderthalbstündigen Rundflug über Tokio mit einem Airbus A380, der zuvor seit März stillgestanden hatte. Wegen der hohen Nachfrage will das Unternehmen den Sonderflug in diesem Monat wiederholen.

    Thai Airways startet Restaurantkette

    Die australische Airline Qantas will in diesem Jahr erneut eine Reihe von Zwölf-Stunden-Flügen über die Antarktis anbieten, die erstmals mit einer Boeing 787 durchgeführt werden und in der Business-Class knapp 5000 Dollar kosten – inklusive CO2-Ausgleichszahlung.

    Die „Flüge ins Nirgendwo“ sind nicht die einzigen neuen Konzepte, die Asiens Fluglinien gerade ausprobieren: Die chinesische Airline China Southern verkaufte zuletzt für rund 500 Dollar ein All-you-can-fly-Ticket, das bis Januar 2021 gilt. Ein ähnliches Angebot vertrieb auch die angeschlagene Billigfluglinie Air Asia in Malaysia und Thailand.

    Thailands größte Fluglinie Thai Airways, die angesichts des Kollapses der lokalen Tourismusbranche ums Überleben kämpft, versucht unterdessen, mit einer neuen Restaurantkette den Kontakt zu ihren Kunden zu halten. Gäste bekommen darin Flugzeugessen serviert in einer Atmosphäre, die an Flugreisen erinnern soll: Sie nehmen auf eng aneinandergereihten Flugzeugsitzen Platz und bekommen die Gerichte auf Plastiktabletts gereicht. Die Kellner tragen die Uniform der Thai-Airways-Kabinencrew.

    Atmosphäre wie im Flugzeug. Quelle: AFP
    Restaurant-Tisch von Thai Airways

    Atmosphäre wie im Flugzeug.

    (Foto: AFP)

    Die erste Filiale wurde Anfang September in der Bangkoker Zentrale des Unternehmens eröffnet. Weitere Niederlassungen sind in Planung. „Auch wenn wir nicht fliegen können, sollen die Menschen unser Essen genießen können“, sagte Airline-Chef Chansin Treenuchagron.

    Thai Airways leidet unter einem Schuldenberg von rund elf Milliarden Dollar. Ein Insolvenzgericht in Bangkok genehmigte am Montag einen Restrukturierungsplan für die Fluglinie. Auch Singapore Airlines steht vor tiefen Einschnitten. Vergangene Woche kündigte das Unternehmen an, seine Belegschaft um 20 Prozent zu verkleinern. Damit gehen 4300 Jobs verloren. „Das ist die härteste Entscheidung, die ich je treffen musste“, sagte Vorstandschef Goh Choon Phong.

    Mehr: Thailand droht eine heftige Wirtschaftskrise.

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