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Luftfahrtkrise Stellenabbau bei der Lufthansa geht schnell voran – außer in Deutschland

29.000 Stellen will die Lufthansa bis zum Jahresende streichen. Vor allem im Ausland wird das Sparprogamm schnell umgesetzt. Doch ein Streit mit Condor belastet.
06.12.2020 Update: 06.12.2020 - 13:50 Uhr Kommentieren
Lufthansa CEO-Spohr hatte bereits angekündigt, dass sich die Fluggesellschaft dauerhaft verkleinern werde. Quelle: dpa
Lufthansa-Flugzeuge in Frankfurt

Lufthansa CEO-Spohr hatte bereits angekündigt, dass sich die Fluggesellschaft dauerhaft verkleinern werde.

(Foto: dpa)

Frankfurt Nur knapp über 100.000 Mitarbeiter soll Lufthansa am Ende der aktuellen Krise noch haben. So hat es Konzernchef Carsten Spohr mehrfach angekündigt. Das ist für die Fluggesellschaft ein großer Einschnitt. Ende des vergangenen Jahres beschäftigte die Lufthansa immerhin noch rund 138.000 Mitarbeiter.

Doch wie es aussieht, kommt das Unternehmen bei der geplanten Personalreduzierung gut voran. Ende des Jahres könnte die Mannschaft um gut 29.000 Stellen geschrumpft sein, berichtet die „Bild am Sonntag“. Die Zahlen werden im Unternehmensumfeld bestätigt.

Damit hat die Restrukturierung im vierten Quartal an Tempo gewonnen. Ende September hatten gut 14.000 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Doch bei den Zahlen gibt es eine Auffälligkeit: Die meisten Jobs wurden bisher im Ausland abgebaut. Dort werden es Ende des Jahres wohl 20.000 Stellen sein, die verloren gehen. Im Inland, also dort, wo der Konzern die meisten Mitarbeiter beschäftigt, geht es langsamer voran.

Das zeigt sich zum Beispiel beim Blick auf die einzelnen Airlines. Während bei der Kernmarke Lufthansa bis Ende September rund 850 Mitarbeiter und damit rund zwei Prozent der Belegschaft betroffen waren, sind es bei der österreichischen AUA zum Beispiel sechs Prozent der Mitarbeiter, bei Brussels Airlines sogar 14 Prozent.

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    In Deutschland reduzierte einzig der Billigableger Eurowings seine Mitarbeiter um zwölf Prozent deutlich. Hierzulande haben sich die Gewerkschaften für das Kabinenpersonal und die Bodenmitarbeiter stattdessen mit dem Unternehmen auf Sparprogramme geeinigt, die einen Stellenbau vorerst begrenzen.

    Bisher keine Einigung mit der Pilotengewerkschaft VC

    Mit der Pilotenvertretung VC steht eine solche Einigung noch aus. Diese hat dem Management zwar ein Sparpaket über 450 Millionen Euro für die kommenden Monate angeboten. Doch die Gespräche laufen noch. Die Konzernspitze hat ausgerechnet, dass von den 5000 Piloten der Kernmarke Lufthansa rund 1100 zu viel an Bord sind.

    Die Fortschritte beim Sparkurs sorgen bei Lufthansa wieder für mehr Zuversicht. Die wird zudem genährt durch erste Erfolge am Kapitalmarkt. Mit einer Wandelanleihe sowie einer Anleihe, deren Bonität auf Ramschniveau liegt, konnte der Konzern in den zurückliegenden Wochen rund 1,6 Milliarden Euro einnehmen.

    Das schafft Spielraum. So wurden von der Staatshilfe aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Brüssel in Höhe von neun Milliarden Euro bisher nur drei Milliarden Euro in Anspruch genommen.

    Mit der Zuversicht kehrt auch die Aggressivität zurück, mit der die „Hansa“ ihre eigene Marktposition traditionell zu verteidigen weiß. Das bekommt zum Beispiel Condor zu spüren. So hat Lufthansa das sogenannte Special Prorate Agreement mit dem Ferienflieger zum Juni 2021 gekündigt. Es erlaubt Condor bisher, Zubringerflüge der Lufthansa über die eigenen Vertriebskanäle zu vermarkten und so eine durchgehende Urlaubsreise anzubieten.

    Das bestätigen beide Seiten. Ein Lufthansa-Sprecher verweist darauf, dass Condor weiterhin Sitze bei Lufthansa buchen könnte – über das sogenannte Interlining. Das Problem für Condor ist dabei allerdings, dass bei diesem Verfahren Lufthansa die Preise vorgibt. Bisher konnte Condor dagegen gewisse Kapazitäten im Paket erwerben und diese dann zu eigenen Konditionen zusammen mit den eigenen Langstreckenflügen zu den Urlaubszielen anbieten.

    Grafik

    Condor arbeitet nach eigenen Aussagen an einer Lösung. „Die Vereinbarung läuft bis Ende Mai uneingeschränkt weiter, die Zubringeroption für die nächsten sechs Monate für unsere Gäste ist also gesichert. Die Optionen für die Zeit danach prüfen wir“, sagte eine Sprecherin.

    Dennoch wittert man bei der Airline, die nach der Pleite des einstigen Mutterkonzerns Thomas Cook aktuell selbst mit Staatshilfe über 550 Millionen Euro weiterfliegt, eine klare Absicht hinter der Kündigung. „Wir halten es für nicht vertretbar, dass Lufthansa neun Milliarden Steuergelder verwendet, um zu versuchen, ein Unternehmen, das ebenfalls staatlich gerettet wurde, aus dem Markt zu drängen“, sagte die Sprecherin.

    Arbeitsplätze sichere man am besten mit tragfähigen Vereinbarungen mit den Gewerkschaften und den weiteren Sozialpartnern, „aber nicht mit touristischem Wachstum, für das untarifiert Mitarbeiter eingestellt werden, die zuvor gekündigt wurden“.

    Lufthansa, Condor und Tuifly kämpfen um deutsche Urlauber

    Diese Aussage zielt auf das Projekt „Ocean“, mit dem die Lufthansa gerade eine eigene Plattform für touristische Flüge aufbaut. Der Plan wurde schon vor dem Ausbruch der Pandemie beschlossen. Durch die Coronakrise hat er aber an Bedeutung gewonnen, denn die Privatreisenden werden früher wieder in die Jets zurückkehren als die für die Lufthansa bisher so wichtigen Geschäftskunden.

    Künftig werden mit Lufthansa, Condor und Tuifly beziehungsweise Tui drei Unternehmen um die gleichen Kunden kämpfen. Alle drei haben auch Hilfen vom deutschen Staat erhalten. Herausforderer Lufthansa hat wegen der Größe des Konzerns viel Marktmacht, um sich hier durchzusetzen.

    In Branchenkreisen wird nicht ausgeschlossen, dass Condor nun wegen der Kündigung von Lufthansa die Wettbewerbshüter einschalten wird. Eine Sprecherin wollte sich dazu nicht äußern.

    Mehr: Lufthansa-Buchungen boomen über Weihnachten – „Sehnsucht ist groß“

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