Lufthansa-Chef Franz „Der Streik ist unverhältnismäßig“

Der scheidende Lufthansa-Chef Christoph Franz kritisiert den Verhandlungsstil der streikenden Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. Auch einige Argumente der Piloten kann Franz nicht nachvollziehen.
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Lufthansa-Chef Christoph Franz: Das Streikrecht benötigt aus seiner Sicht Reformen. Quelle: dpa

Lufthansa-Chef Christoph Franz: Das Streikrecht benötigt aus seiner Sicht Reformen.

(Foto: dpa)

FrankfurtKein Verständnis zeigt Christoph Franz, der scheidende Vorstandschef der Lufthansa, für die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). In Tarifverhandlungen seit es doch sehr wichtig, dass beide Seiten ihre Vorstellungen auf den Tisch legen und man dann darüber spricht, wie man einen für beide Seiten akzeptablen Kompromiss findet. „Dazu ist es leider nicht gekommen und deswegen finde ich den Streik unverhältnismäßig“, kritisiert er gegenüber dem Handelsblatt (Freitagsausgabe) den Verhandlungsstil der VC.

Auch das Argument der Piloten, wonach sie verzichten sollten, nur damit die Lufthansa-Aktionäre üppig bedient werden, ließ er nicht gelten. „Darf sich Sie daran erinnern, dass unseren Aktionäre im vergangenen Jahr gar keine Dividende bekommen haben“, stellte er klar. Als Fluggesellschaft stehe die Lufthansa im Wettbewerb mit anderen Unternehmen, die zum Teil viel größere Margen erzielen. Das hängt natürlich an der Branche. „Hier verdient niemand 25 Prozent wie viele Unternehmen der Softwarebranche etwa“, so Franz.

Szenen eines Streiks
Lufthansa Pilotenstreik - Frankfurt am Main
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Am Boden statt in der Luft: Zahlreiche Flugzeuge der Lufthansa bleiben in diesen Tagen stehen, hier am Drehkreuz in Frankfurt. Als Reaktion auf den Streik der 5.400 Piloten hat die Lufthansa 3.800 Verbindungen gestrichen.

huGO-BildID: 36224933 An unstaffed Lufthansa check-in counter is pictured in Berlin, Germany, Wednesday, April 2, 2014. Germany's biggest airlin
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Nichts los: Nicht nur am Flughafen in Berlin sind die Lufthansa-Schalter verwaist. Weil die Piloten bis einschließlich Freitag streiken, streicht das Unternehmen rund 3.800 Flüge. Auch Stewardessen und Flughafenpersonal arbeiten nicht.

Lufthansa Pilotenstreik
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Normalerweise werden an den Check-In-Schaltern lange Menschenschlangen und zahlreiche Koffer abgefertigt. Der Streik sorgt für entspannte Arbeit.

Lufthansa Pilotenstreik - Frankfurt
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Das Gesicht des Streiks: Jörg Handwerg ist Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit. Die Gewerkschaft fordert mehr Gehalt und die Wiedereinführung der Übergangsrenten. 99,1 Prozent der Mitglieder stimmten für den Streik.

Lufthansa Pilotenstreik
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425.000 Passagiere sind von den Flugausfällen betroffen. Für die Flüge gibt es keinen Ersatz, sie wurden gestrichen, wie hier am Flughafen in Hannover.

huGO-BildID: 36224861 Passengers stand in a terminal at the Frankfurt airport as Lufthansa pilots went on a three-day strike in Frankfurt, Germany, W
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Viele Passagiere haben sich auf den Streik eingestellt. Einige erreicht die schlechte Nachricht jedoch zu spät – wie diese Reisende, die am Mittwoch in Frankfurt strandeten. Besonders internationale Gäste sind betroffen, weil sie die Informationen nicht erreicht haben.

Lufthansa Pilotenstreik - Frankfurt
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Der Flughafen Frankfurt hat vorsichtshalber Schlafmöglichkeiten aufgebaut. Viele der Feldbetten dürften aber leer bleiben.

Zugleich sprach er sich zwar für das Streikrecht als Grundrecht aus, forderte aber auch eine Reform: „Es sollte aus unserer Sicht auch bei einem Streik eine Pflicht auf Mindestaufrechterhaltung der kritischen Verkehrsinfrastruktur geben, zu der ja auch die Bahn oder die Flugsicherung zählen“.

Explizit entschuldigte er sich bei den 425.000 Fluggästen, die in den drei Streiktagen betroffen sind, für die Ausfälle. „Gerade unsere Kunden von außerhalb Europas haben grundsätzlich wenig Verständnis für Streiks, speziell für wiederkehrende Streiks“, so Franz. Ihnen bleibe eher in Erinnerung, dass sie sich auf die Lufthansa nicht verlassen können, während andere Drehscheiben niemals von Streiks betroffen sind.

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11 Kommentare zu "Lufthansa-Chef Franz: „Der Streik ist unverhältnismäßig“"

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  • Anstatt zu (ver-)urteilen, was verhältnismässig oder rechtens ist, könnte man auch fragen, warum eigentlich die Streikparteien keine Mediation in Anspruch nehmen. Wahrscheinlich ist der Leidensdruck bei den Beteiligten noch zu wenig hoch, bzw. es sind noch genügend (finanzielle) Mittel vorhanden, um sich zu bekämpfen... Beispiele erfolgreicher und erst noch kostengünstiger Mediationen zu diesem Thema gibt es bereits!

  • Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.

    Die LH hat ja Alternativen:

    A- Die Streiker rauswerfen.

    B- Ausflaggen. Funktioniert bei Schiffen ja auch prima.

    C- Wenn sich der Bund querstellt, ihm den Koffer vor die Tür stellen.

  • Wenn Herr Franz ernsthaft der Auffassung ist, der Arbeitskampf sei unverhältnismäßig - und damit nach unserem Streikrecht unzulässig - muss er sich fragen lassen, warum er dann nicht mal den Versuch unternommen hat, den Streik per einstweiliger Verfügung zu stoppen und die Unzulässigkeit gerichtlich feststellen zulassen. Die von ihm bedauerten Passagiere hätten es ihm sicher gedankt ... Im Übrigen wurde zwei Jahre(!) lang nach einem akzeptablen Kompromiss gesucht.
    Die eingeforderte "Mindestaufrechterhaltung der kritischen Verkehrsinfrastruktur" ist ja wohl mehr als gegeben. Die Lufthansa ist nicht die einzige Airline und das Flugzeug nicht das einzige Verkehrsmittel, ebenso wenig die Bahn.
    Alles heiße Luft!

  • Die Lufthansa soll mal gerichtlich klären lassen wann und ob solche Streiks wie jetzt unverhältnismäßig sind.

  • „Der Streik ist unverhältnismäßig“
    ____________________________

    Streiks werden stets als "unverhältnismäßig" dargestellt.
    Jedenfalls fahre ich mit MA keinen Ponyhof und meine Leute werden vernünftig bezahlt.
    Und daher fliege ich auch nicht mehr LH: junger Freund von der Arbeiterfront.
    Mich von LH auch noch zum Angestellten machen zu lassen als voll zahlender Fluggast: mit Verlaub: unter aller Sau, Monsieur.

  • @warodaju
    "..Diese Gehaltsklasse hat jede Menge Verantwortung für das Leben von sehr vielen Menschen zu tragen,.."
    Wenn es danach geht, wie viel müssten dann Küchenhilfen und Köche in Großküchen bzw. das Sicherheitspersonal an Flughäfen verdienen?! :-)
    Verantwortung und Sicherheit sind immer die Killerargumente. Rechtfertigen aber keine Gier!

  • @warodaju
    "..Diese Gehaltsklasse hat jede Menge Verantwortung für das Leben von sehr vielen Menschen zu tragen,.."
    Wenn es danach geht, wie viel müssten dann Küchenhilfen und Köche in Großküchen bzw das Sicherheitspersonal an Flughäfen verdienen?! :-)
    Verantwortung und Sicherheit sind immer die Killerargumente. Rechtfertigen aber keine Gier!

  • Herrn Franz fehlt jede moralische Authorität hier über Verhältnismäßigkeiten zu urteilen, nachdem er ja für den fast dreifachen Millionenbetrag pro Jahr die Lufthansa in Mitten des von ihm gestarteten Sparprogramms verläßt. Wenn er für sich dem Ruf des Geldes folgt - Zitat 'Ich finde es einfach legitim, dass man den Arbeitsplatz wechselt, wenn ein attraktives Angebot vorliegt' (Manager-Magazin Dez.2013) - egal zu welcher Unzeit, so kommen seine Aussagen eher eine humoristische Note denn eines sinnvollem Statments in einem Wirtschaftsmagazin gleich.

  • Jeder Streik ist unverhältnismäßig und primitiv, denn er trifft in erster Linie immer dritte die wehrlos dagegen sind und dient nur dem Selbsterhalt der Gewerkschaft und deren Bonzen, denn das sind die alleinigen Nutznießer und Gewinner.
    Denn das Geld muß ja irgendwo herkommen und das sind dann zwangsläufig höhere Preise, Gebühren und andere Abgaben, nach einigen Monaten ist die Kaufkraft dann die gleiche wie vorher, nur der wirtschaftliche Schaden der angerichtet wurde bleib für alle erhalten.

  • Diese Gehaltsklasse hat jede Menge Verantwortung für das Leben von sehr vielen Menschen zu tragen, anders wie viele sogenannte hochbezahlte -Bürohengste- die vom Sessel aus falsche Entscheidungen treffen welche die Unternehmen - auch DAX Konzerne - Millionen und Milliarden an Werten vernichtet haben.

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