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Lufthansa, Easyjet & British Airways Brexit-Votum wirbelt Luftfahrt durcheinander

Lufthansa-Chef Carsten Spohr spürt eine zunehmende Unsicherheit im Reisegeschäft. Mittelfristig aber könnte sein Konzern sogar vom Brexit profitieren. Für die britische Konkurrenz dürfte es weitaus schwieriger werden.
7 Kommentare
Die Zahl der Fluggäste ging im ersten Halbjahr 2016 zurück. Quelle: dpa
Eine Boeing 747-8 der Lufthansa

Die Zahl der Fluggäste ging im ersten Halbjahr 2016 zurück.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Bei der Lufthansa bleiben zunehmend die Sitze leer. Im ersten Halbjahr 2016 reisten 1,1 Prozent weniger Fluggäste mit der Kranich-Airline, obwohl diese ihre angebotenen Sitzplatzkilometer um 1,7 Prozent ausbaute. Konzernweit – also zusammen mit den Linientöchtern Swiss und AUA sowie dem neuen Billigflieger Eurowings – schaffte Europas größte Fluggesellschaft zwar einen Passagierzuwachs von 0,7 Prozent, baute dafür aber das Angebot um 4,2 Prozent aus. Insbesondere das innereuropäische Fluggeschäft schwächelte.

Dass es sich dabei schon um erste Auswirkungen des Brexit-Referendums handelt, wies Lufthansa-Chef Carsten Spohr schon in der vergangenen Woche vorsichtshalber zurück. Dafür sei es noch zu früh. Die Zahl der langfristigen Buchungen sei in letzter Zeit allerdings deutlich zurückgegangen, räumte er ein. „Die Unsicherheit ist größer geworden.“

Und dazu führen längst nicht nur die Terroranschläge in Brüssel oder Istanbul, die im ersten Halbjahr 2016 den Flugverkehr zeitweilig lähmten. Auch vom geplanten Großbritannien-Austritt aus der EU erwartet Spohr einen volkswirtschaftlichen Dämpfer. „Weniger Wachstum führt zu weniger Reisen“, sagte er.

Ebenso wie der Lufthansa-Chef, so zeigte sich auch die Börse in den Tagen nach der Abstimmung geschockt – und strafte Aktien von Reisegesellschaften und Flugunternehmen ab. Kein Wunder. Immerhin gaben britische Touristen im vergangenen Jahr 39 Milliarden Pfund für Auslandsreisen aus. Ob dies angesichts des stark gesunkenen Pfunds nach 2016 so bleibt, ist mehr als ungewiss.

Europas größte Airline könnte am Ende trotzdem auf der Gewinnerseite stehen. Denn der Schaden, den ein britischer EU-Austritt auslösen würde, ist für den Dax-Konzern eher übersichtlich. Nur fünf Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftet Lufthansa im Verkehr mit der Insel.

Behält der Weltairline-Verband IATA recht, schrumpft dieser kleine Anteil durch den Großbritannien-Austritt gerade einmal um drei bis fünf Prozent. Um diese Quote werde sich die Zahl der Flugreisenden von der Insel verringern, wenn es bei der aktuellen Pfund-Abwertung bleibt, glaubt der Verband. Gegenüber dem Euro war die britische Währung zuletzt um rund sieben Prozent gefallen, was Auslandsreisen für Briten deutlich verteuert.

Sorgen dürfte sich Lufthansa dann schon eher um den Kerosinpreis machen. Denn in Folge der Brexit-Entscheidung ist auch der Euro gegenüber dem Dollar unter Druck geraten. Spritrechnungen, die üblicherweise in der US-Währung zu zahlen sind, werden damit teurer.

Doch die Vorteile für Lufthansa, die sich aus dem Austrittsvotum ergeben, überwiegen voraussichtlich deutlich. Denn Wettbewerber von der Insel wie British Airlines oder Easyjet könnten über eine längere Übergangszeit hinweg ausfallen – und damit den Preisdruck verringern.

Was der Brexit für den Luftverkehr bedeutet
Was bedeutet der Brexit für die einzelnen Beteiligten?
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Britische Touristen spüren schon in diesem Sommer die Folgen des vorerst nur angekündigten EU-Austritts: Mit ihrem abgewerteten Pfund erhalten sie in Europas Feriengebieten weniger fürs Geld – und die Flugreisen werden wegen des ungünstigen Verhältnisses zur Ölwährung Dollar auch gleich teurer. Die längerfristigen Folgen eines Brexit für die Luftfahrtbranche und damit auch für Passagiere in ganz Europa sind hingegen noch schwer absehbar. Billigfliegern dürfte der Preiskampf künftig schwerer fallen.

(Foto: AFP)
Die Branche
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Großbritannien steht nach Einschätzung des Weltairline-Verbandes IATA vor einem wirtschaftlichen Abschwung, der zusammen mit der Pfund-Abwertung die Zahl der Fluggäste von der und auf die Insel jährlich um 3 bis 5 Prozent schmälern wird. Im Vergleich zum US-Dollar werten Pfund und Euro in der Folge des Brexit eher ab, was zu höheren Belastungen durch die Kerosinrechnung führt.

(Foto: Reuters)
Die Passagiere
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Die wirtschaftlichen Probleme in Großbritannien verringern grundsätzlich den Spielraum der großen Billigflieger für weitere Kampfpreise. Ihr Wachstumskurs wie auch der wettbewerbsbedingte Preisverfall bei den Tickets dürften daher gebremst werden. Doch auch das ist nicht sicher: Ryanair und Co. müssen bei einer schwächeren Nachfrage auf der Insel notgedrungen Flugzeuge auf den Kontinent verlegen, was auch an abgelegenen Zielen für mehr Konkurrenz und sinkende Preise sorgen würde. Die Lufthansa würde mit ihrem Billigableger Eurowings gegenhalten. Deutschland ist aktuell der wichtigste Expansionsmarkt, hat Ryanair-Chef Michael O'Leary betont. 2017 sei es sehr unwahrscheinlich, dass auch nur eines der 50 neuen Flugzeuge in Großbritannien stationiert werde, sagte der Airline-Chef dem „Wall Street Journal“. „Wir werden all unser Wachstum in die Europäische Union umleiten.“

(Foto: AP)
Die Juristen
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Auch im Luftverkehr müssen die rechtlichen Beziehungen neu geordnet werden. Experten stellen in Frage, ob das innerhalb von zwei Jahren erreichbar ist. Das Vereinigte Königreich ist bislang Vollmitglied im weitgehend liberalisierten und vereinheitlichten Luftverkehrsmarkt Europa. Ob britische Gesellschaften auch nach einem Brexit überall in Europa starten und landen dürfen, ist zumindest fraglich. Weltweit üblicher sind Abkommen auf Gegenseitigkeit, die zwischen den EU-Staaten und Großbritannien neu ausgehandelt werden müssten. Die EU hat zudem mit Drittstaaten Luftverkehrsabkommen geschlossen, die für die Briten nicht mehr gelten würden und ebenfalls neu ausgehandelt werden müssten. Ökonomisch wichtig ist hier insbesondere der „Open-Skies“-Vertrag mit den USA.

(Foto: Reuters)
Die Billigflieger
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Kräftige Kursabschläge und die Easyjet-Gewinnwarnung machen klar: Zu den großen Verlierern des Brexit gehören von der ersten Minute an die beiden großen Billigflieger Ryanair und Easyjet, die nach Zahlen des Airline-Verbandes IATA 36 beziehungsweise 49 Prozent ihrer Kapazitäten im Großbritannien-Verkehr einsetzen. Ihre sehr preissensiblen Privatkunden dürften künftig weniger Geld für Flugtickets übrig haben als bislang. Der Chef des weltgrößten Reisekonzerns Tui, Fritz Joussen, bezweifelt jedoch, dass sich die Briten ihre „sehr ausgeprägte Reiselust“ so schnell nehmen lassen.

(Foto: dpa)
Die Billigflieger
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Die Billigflieger haben bislang wie niemand sonst vom einheitlichen europäischen Luftverkehrsmarkt profitiert, in dem sie ohne Einschränkungen in der EU Direktverbindungen etwa von Deutschland nach Spanien angeboten haben. Das wird sich für die irische Ryanair nicht ändern, die britische Easyjet könnte hingegen massive Probleme wegen fehlender Luftverkehrsrechte bekommen. Easyjet müsste sich in Berlin, Brüssel oder Amsterdam möglicherweise auf Flüge von und nach Großbritannien beschränken, statt wie bislang von vielen Städten auf dem Kontinent aus zu Zielen in ganz Europa zu starten. Easyjet-Chefin Carolyn McCall prüft laut Berichten daher die Einrichtung eigener Flugbetriebe (AOC) in anderen EU-Staaten außerhalb Großbritanniens.

(Foto: Reuters)
Die Flughäfen
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Bei einem Ausscheiden Großbritanniens drohen nicht nur britischen Airports einschneidende Veränderungen. Während in Deutschland die Drehkreuze Frankfurt und München auf leicht positive Verlagerungseffekte aus London hoffen dürfen, sind beispielsweise Hamburg, Köln oder Berlin auf Ryanair und Easyjet als Kundschaft angewiesen. Der Hauptgeschäftsführer des deutschen Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel, forderte die britischen Airlines im Gespräch mit dem Branchenportal airliners.de bereits auf, „möglichst schnell eine Lösung zu finden“, sofern sie Flughäfen in Deutschland anfliegen.

(Foto: dpa)

Grund hierfür ist der freie europäische Binnenmarkt in der Luftfahrt, die European Common Aviation Area, den Großbritannien voraussichtlich verlassen wird. Er erlaubt sämtlichen Airlines der EU-Staaten, in jedem Mitgliedsland Flugverbindungen aufzunehmen.

Von der Liberalisierung haben in den vergangenen Jahren besonders Billigflieger profitiert. Denn auch außerhalb ihres Heimatlandes ist es ihnen seither erlaubt, innerhalb der EU Direktverbindungen zu bedienen. Was Experten als „Kabotage“ bezeichnen, hat für Reisende unmittelbare Vorteile: So darf die irische Ryanair von Berlin nach Mallorca fliegen, die ungarische Wizz Air von Barcelona nach Danzig.

Für die irische Ryanair wird sich das nicht ändern, wohl aber für den britischen Wettbewerber Easyjet. Er müsste sich nach einem Brexit von Standorten wie Berlin, Brüssel oder Amsterdam möglicherweise auf Flüge von und nach Großbritannien beschränken. Starts von München nach Mailand aber wären für die Briten dann Tabu.

Was ein Brexit für die britische Luftfahrt bedeutet
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7 Kommentare zu "Lufthansa, Easyjet & British Airways: Brexit-Votum wirbelt Luftfahrt durcheinander"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • carlos,

    ist ja gut jetzt.

    Lass doch mal die anderen ran!

  • Peter Spiegel12.07.2016, 08:46 Uhr
    "...Spohr sürt eine zunehmende Unsicherheit...."

    Liebes HBO,
    diese Unsicherheit spüre ich auch.

    Hier gibt es jeden Tag nur sehr wenige Artikel die man noch kommentieren darf.

    ...........................


    Zum Beispiel über den Ttip darf man nichts mehr schreiben ?

    Haben wir 500 MILLIONEN EUROPÄER schon den Amerikanischen Zensur über uns ?



  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Vielleicht wollen die BANKER aus ITALIEN als erstes EUROPA verlassen ?


  • EUROPA und EU stagniert bei alles !!!

    WER SOLL DA NOCH FLIEGEN ?- Flüchtlinge ???

    JA...aus der EU würden viele fliehen wollen wenn diese es nur könnten !!!

  • "...Spohr sürt eine zunehmende Unsicherheit...."

    Liebes HBO,
    diese Unsicherheit spüre ich auch.

    Hier gibt es jeden Tag nur sehr wenige Artikel die man noch kommentieren darf.
    Man weiss auch noch nie, wann diese erscheinen.
    Deshalb bin ich gezwungen, täglich alle 20 Minuten nach solchen offenen Kommentarfunktionen zu suchen!
    Wenn ich dann eine solche gefunden habe, freue ich mich und kommentiere!

    Können Sie sich aber vorstellen was es für einen Frust bedeutet, wenn man dann kommentiert hat, Zeit opfert, nicht nur durch das minütliche Suchen, um dann später festzustellen, dass alle Kommentare gelöscht wurden !!!!!!

    Das ist doch sehr unbefriedigend und sehr frustrierend.