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Luftverkehr Neue Konkurrenz für die angeschlagene Ufo: IGL will Kabinenpersonal vertreten

Die einst als Dachorganisation gegründete IGL will sich selbst für das Kabinenpersonal einsetzen. Der Vorstoß ist als Kampfansage an die geschwächte Ufo zu verstehen.
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IGL will das Kabinenpersonal tarif- und berufspolitisch vertreten. Quelle: dpa
Flugbegleiterin der Lufthansa

IGL will das Kabinenpersonal tarif- und berufspolitisch vertreten.

(Foto: dpa)

Frankfurt Es ist ein Frontalangriff auf die krisengebeutelte und massiv geschwächte Flugbegleitergewerkschaft Ufo. Die IGL – einst als Dachgewerkschaft für alle Arbeitnehmervertretungen in der Luftfahrt gegründet – will künftig selbst direkt Flugbegleiter tarif- und berufspolitisch vertreten.

Dazu hat die IGL nach eigenen Angaben nun eine eigene Abteilung gegründet. „Der Aufbau des Bereiches ‚Cabin Union [email protected]‘ ist angesichts der aktuellen gewerkschaftlichen Situation dringend notwendig“, wird Markus Bierl, Purser der Deutschen Lufthansa, in der Mitteilung der IGL zitiert.

Die Handlungsfähigkeit der Kabine müsse vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen für die eigene Berufsgruppe wiederhergestellt werden, erklärte Bierl weiter, ohne die Ufo namentlich zu erwähnen. Doch es ist klar, dass der Lufthansa-Purser mit seinen Aussagen auf die bereits geschwächte Ufo abzielt.

Die Ufo– bisher die zentrale und größte Vertretung des Kabinenpersonals – hat sich durch Misswirtschaft und Führungsstreitigkeiten in eine existenzbedrohende Krise manövriert. Lufthansa bezweifelt mittlerweile, dass die Ufo derzeit noch ein rechtlich belastbares Mandat für die Vertretung der Flugbegleiter besitzt. Sie will deshalb den Status der Ufo gerichtlich prüfen lassen und verweigert seit einiger Zeit Verhandlungen mit der Ufo.

„Wichtig ist, dass die Kabine verlässlich vertreten wird. Viele sind enttäuscht von den Vorgängen der letzten Monate und Wochen. Das kriegen wir alle mit, die wir unser Geld ja mit der Arbeit in der Kabine verdienen“, sagte Bierl dem Handelsblatt. Man habe die Stimmung in der Kabine sondiert.

Viele seien vom Vorstoß der IGL begeistert, aber natürlich gebe es auch kritische Stimmen – „wie immer“. Im November soll nun die konstituierende Mitgliederversammlung stattfinden. Dann soll auch eine Tarifkommission gewählt werden. Erst danach könnten überhaupt Gespräche, etwa mit der Lufthansa, begonnen werden.

Bei Lufthansa hat man sich bisher nicht konkret dazu geäußert, ob man sich auch Verhandlungen mit der IGL statt mit Ufo vorstellen könne. Man hoffe, dass die Ufo ihre Unruhe bald beseitigt habe und der rechtliche Status geklärt sei, hieß es. Grundsätzlich sei es nicht Sache des Unternehmens, „zu definieren, wer die gewerkschaftliche Vertretung der Kabine ist. Uns ist wichtig, dass die Kabine eine verlässliche, stabile und unabhängige Gewerkschaft hat, über die sie ihre Interessen wahrnehmen kann.“

Mehrere Themen drängen

Die Zeit drängt. Denn es gibt zahlreiche Themen vor allem in der Lufthansa-Gruppe, die für die Flugbegleiter dringend geklärt werden müssten. Unter anderem hat Lufthansa dem Ableger Eurowings eine deutliche Schrumpfung verordnet. Dabei sollen Stellen abgebaut werden, auch soll das fliegende Personal mehr Stunden fliegen.

Zudem sorgt der aktuell noch gültige Tarifvertrag für Unruhe und Frust bei der Kabinenbesatzung von Lufthansa. Denn er räumt dem Konzern die Möglichkeit ein, „Nachforderungen“ durchzusetzen, wenn vereinbarte Sparziele verfehlt wurden. Das ist aktuell der Fall.

Dass ausgerechnet die IGL das Kabinenpersonal selbst vertreten will, ist vor allem deshalb pikant, weil die Gewerkschaft 2015 einst von Ufo-Funktionären gründet wurde. Die Idee damals: Tarifverträge werden wie bisher durch die einzelnen Spartengewerkschaften verhandelt und geschlossen, die Mitglied in der IGL werden.

Die IGL kümmert sich um Vertretung der in der Luftfahrt Tätigen generell. Zuletzt hatte die IGL aber zunehmend ihre Rolle als anerkannter Tarifpartner hervorgehoben. „Die Gründung des Bereichs Kabine angesichts des großen Interesses der Kolleginnen und Kollegen aus der Kabine ist ein starkes Signal. Durch die Organisation dieser großen Berufsgruppe werden wir die noch stärkere Stimme aller Beschäftigten im Luftverkehr“, erklärte Daniel Wollenberg, stellvertretender Vorsitzender der IGL.

Nicht nur die IGL wirbt um die ehemaligen Ufo-Mitglieder, auch Verdi will das Kabinenpersonal vertreten. So attackierten Funktionäre vor einigen Wochen die Ufo wegen eines Tarifvertrags für die Luftfahrgewerkschaft Walter (LGW).

Die kleine Airline gehörte einst zu Air Berlin, wurde dann an Eurowings verkauft und kürzlich an Zeitfracht weitergereicht. Von einem „Gefälligkeits-Tarifvertrag“ der Ufo war die Rede. Grund für den Verbalangriff: Auch Verdi verhandelt für die Kabinencrews von LGW. Auch bei Eurowings streiten Verdi und Ufo schon länger um die Vertretung der Crews. Verdi-Tarifsekretär Volker Nüsse hat bereits angekündigt, den Umbau bei der Lufthansa-Tochter intensiv begleiten zu wollen.

Ufo muss derweil um den eigenen Status kämpfen und auf die Gerichte hoffen. Vorerst sind Arbeitskampfmaßnahmen kaum möglich. Der Vorstand der Gewerkschaft bereitet dem Vernehmen nach Neuwahlen für den Vorstand vor, um die rechtlichen Fragen endgültig zu klären.

Doch das in der Satzung festgelegte Verfahren dauert. Für die Spartengewerkschaft ist das eine äußerst schwierige Situation.

Mehr: Air Berlin ist lange Geschichte. Doch die umlackierten Flugzeuge der Pleite-Airline sorgen weiter für Überkapazitäten. Die Bundesregierung hat das mit zu verantworten.

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