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Luftverkehrswirtschaft Masterplan der Luftfahrt – So soll Fliegen klimaneutral werden

Neue Jets, synthetisches Kerosin, mehr Schienenverkehr: Die Luftfahrt hat sich einen Plan erarbeitet, setzt dabei aber auf Unterstützung aus der Politik.
14.12.2020 - 15:37 Uhr Kommentieren
Den derzeit größten Hebel für Klimaschutz im Luftverkehr sieht die Branche darin, ältere Flugzeuge durch energieeffizientere und emissionsärmere Maschinen auszutauschen. Quelle: dpa
Luftverkehr

Den derzeit größten Hebel für Klimaschutz im Luftverkehr sieht die Branche darin, ältere Flugzeuge durch energieeffizientere und emissionsärmere Maschinen auszutauschen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Mitten in ihrer bislang schwersten Krise hat die deutsche Luftverkehrswirtschaft eine Art „Masterplan“ für den Klimaschutz vorgelegt. „Auch wenn die Erholung langsam gehen wird, die Nachfrage wird wieder steigen. Luftfahrt trägt zur Klimaschädigung bei, wir stellen uns unserer Verantwortung“, sagte Peter Gerber, der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) und im Hauptamt CEO von Lufthansa Cargo, am Montag in Frankfurt.

Für die Luftfahrt ist das Thema Klimaschutz seit jeher eine Herkulesaufgabe. 2,8 Prozent der CO2-Emissionen kommen aus der Luftfahrt. Nimmt man andere klimabelastende Effekte – wie etwa die Erderwärmung – hinzu, beträgt der Anteil der Luftfahrt bis zu fünf Prozent. Doch eine wirkliche Alternative zum fossilen Treibstoff Kerosin gibt es bislang nicht. Gerade beim Fliegen sind Anforderungen an die Sicherheit enorm hoch, neue Technologien brauchen viele Jahre.

Aktuell kommt noch die Pandemie dazu. Es wird kaum geflogen. „An unseren Flughäfen zählen wir aktuell nur noch zehn Prozent der Passagiere des Vorjahres“, so Gerber. Airlines wie Lufthansa mussten mit Milliardenhilfen vor dem Aus gerettet werden. Geld ist also knapp. Dennoch lässt der Druck beim Thema Klimaschutz nicht nach. Er nimmt sogar weiter zu.

So hat die EU-Kommission gerade erst die Klimaziele verschärft und nimmt dabei auch den Luftverkehr ins Visier. Obwohl die europäischen Fluggesellschaften seit 2012 am europäischen Emissionsrechtehandel (ETS) teilnehmen, also zum Teil für ihre Emissionen bezahlen, liegt der Vorschlag einer Kerosinsteuer auf dem Tisch.

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    „Die EU hat das Ziel, bis 2050 die CO2-Neutralität zu erreichen“, sagte Gerber: „Wir nehmen uns dieses Ziel auch vor. Wir können aber noch nicht genau sagen, wann wir was in dem Plan erreichen werden.“ Beim Thema Kerosinsteuer ist für ihn allerdings Schluss mit der Bereitschaft der eigenen Branche, mitzuwirken.

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    „Die Kerosinbesteuerung ist so ziemlich das Verkehrteste, was man in Sachen Klimaschutz machen kann“, sagte Gerber. Nicht nur, dass Verkehr aus Europa verlagert würde und die Emissionen dadurch sogar noch steigen könnten, weil andere Airlines zum Teil andere Standards hätten. Auch Jobs würden in Europa verloren gehen.

    Langfristiges Vertrauen auf Wasserstoffantriebe

    Doch die Debatte über eine Kerosinsteuer ist angestoßen, das weiß man in der Branche. Und versucht darauf mit eigenen Vorschlägen zu antworten. Die sind zwar überwiegend bekannt und auch nicht überraschend. Gleichwohl wird schnell klar, dass das Ziel der Klimaneutralität beim Fliegen ein gewaltiger Kraftakt sein wird, der ohne staatliche Hilfen kaum zu schaffen ist.

    Ein Ansatz ist die Modernisierung der Flotte. „Wenn wir in den vergangenen Jahren nicht die vielen Milliarden in die Flottenmodernisierung investiert hätten, hätten wir heute 44 Prozent mehr Emissionen“, verdeutlichte Ralf Teckentrup, Präsident des Airlineverbands BDF und Chef von Condor, die Wirkung dieses Hebels.

    Allerdings sei diese Modernisierung teuer, man brauche hier Unterstützung. „Da geht es jetzt nicht darum, uns die Flugzeuge zu finanzieren. Aber wir brauchen Förderprogramme“, sagte Teckentrup. Insofern begrüße man die Absicht der Bundesregierung, hier mit Anreizsystemen zu helfen.

    Beim Thema Kraftstoff glauben die Branchenvertreter langfristig an Wasserstoffantriebe. Bis die allerdings technisch einsetzbar sind, wird es dauern. Deshalb soll bis dahin der Wasserstoff in klimaneutralen Verfahren zu synthetischem Kraftstoff verarbeitet werden – das sogenannte PTL (Power to liquid).

    Bisher fehlt es aber an industrieller Fertigung, um PTL in ausreichenden Mengen herzustellen. Der BDL will deshalb zusammen mit den Partnern in Industrie und Politik bis Anfang kommenden Jahres einen detaillierten Plan ausarbeiten, um den Hochlauf der Fertigung zu ermöglichen.

    Auch hier gelte es aber, globale Vorgaben zu machen, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, sagte Teckentrup. „Denn der PTL-Treibstoff ist drei- bis viermal teurer als herkömmliches Kerosin. Eine nationale Beimischungsquote muss vermieden werden, die beste Lösung wäre eine Quote, die für alle verpflichtend ist.“

    Mehr Verkehr auf die Schienen

    Die Branche will beim Thema Klimaschutz außerdem über das eigentliche Fliegen hinausdenken. „Die Reise beginnt ja nicht erst im Flugzeug“, sagte Stefan Schulte, Präsident des Flughafenverbands ADV und Chef des Flughafenbetreibers Fraport. Zum einen wolle man auch an den Flughäfen die Emissionen senken, etwa bei der Gebäudetechnik oder der Energieversorgung.

    Zum anderen soll mehr innerdeutscher Verkehr auf die Schienen verlagert werden. „Wir glauben, dass ein Fünftel der innerdeutschen Passagiere dazu zu bewegen ist, vom Flugzeug auf die Bahn umzusteigen“, sagte Schulte. Doch es gebe hier Grenzen. Rund ein Drittel der Fluggäste reise nicht innerhalb von Deutschland, sondern zu einem Flughafen, um dort auf einen internationalen Flug umzusteigen. „Hier kann eine Verlagerung nicht funktionieren, denn der internationale Passagier hat immer eine Ausweichmöglichkeit zu anderen Drehkreuzen“, so Schulte.

    Gleichzeitig will die Luftfahrt die Politik noch stärker beim Thema Routenführung in die Pflicht nehmen. Seit vielen Jahren schon beklagen sich die Airline-Manager, dass unnötige Umwege geflogen werden und die europäische Flugsicherung zu stark fragmentiert sei. „Wir sehen auf europäischer Ebene Nachholbedarf“, sagte Klaus-Dieter Scheurle, Chef der Deutschen Flugsicherung (DFS).

    Und nannte zwei konkrete Verbesserungspunkte. Die nationalen Flugsicherungen müssten auf der Technologieseite standardisiert werden. „Und wir brauchen eine Flexibilisierung beim Lotseneinsatz, sodass diese nicht immer nur in einem Sektor arbeiten können“, so Scheurle. Bisher müssen die Fluglotsen neben der generellen Ausbildung auch noch speziell für ihren regionalen Sektor geschult werden und können deshalb nicht in einen anderen wechseln.

    Eine optimierte Flugsicherung könnte laut Scheurle die Klimaschädigung noch über einen anderen Effekt reduzieren. Die Kondensstreifen von Flugzeugen stehen im Verdacht, zur Erderwärmung beizutragen. „Würden zum Beispiel eisüberzogene Gebiete gezielt umflogen, würde das die Bildung von Kondensstreifen verringern“, so der DFS-Chef.

    Allerdings würde das wiederum Umwege und Mehrverbrauch an Kerosin bedeuten. Zudem zeigten Studien, dass Kondensstreifen unter bestimmten Bedingungen sogar kühlend auf die Erde wirken können. Für Scheurle bedeutet das alles vor allem eines: „Wir müssen hier mit Hochdruck weiterforschen.“

    Mehr: Wie Wasserstoff das emissionsfreie Fliegen möglich machen soll

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