Luxushonorar Escada-Insolvenzverwalter kassiert ab

Eine Pleite, die sich gelohnt hat – jedenfalls für den Insolvenzverwalter. Christian Gerloff will für seine Kurzarbeit beim Modekonzern Escada fünf Millionen Euro. Das Amtsgericht stimmt zu, die Gläubiger sind entsetzt.
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DüsseldorfDer Münchener Anwalt Christian Gerloff verlangt für seine zehnwöchige Arbeit als vorläufiger Insolvenzverwalter des Modekonzerns Escada fünf Millionen Euro. Dies geht aus dem Vergütungsantrag von Gerloff hervor, der dem Handelsblatt (Mittwochausgabe) vorliegt. Der Insolvenzverwalter stellt damit das 18fache des Regelvergütungssatzes in Rechnung. Das Amtsgericht München hat dem Antrag stattgegeben. Gläubiger von Escada dagegen haben sofort Widerspruch eingelegt. Dies bestätigte die Deutsche Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) dem Handelsblatt auf Anfrage.

„Die Beschwerde ist begründet, da das Amtsgericht ohne jegliche Prüfung die völlig überhöhten Vergütungsansprüche des vorläufigen Insolvenzverwalters übernommen hat“, heißt es in einem Schreiben der SdKAnwälte.  Im Ergebnis finde hier „eine kaum verhohlene Selbstbereicherung des Insolvenzverwalters auf Kosten der Gläubiger“ statt.

Das Amtsgericht München wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen. Gerloff sagte dem Handelsblatt, bei dem vorläufigen Insolvenzverfahren handele es sich um einen sehr komplexen Vorgang. Er habe unter extrem hohem Zeitdruck einen Investor finden müssen. Die Vergütung bewege sich im üblichen Rahmen für Verfahren dieser Größe und Komplexität.

Führende Insolvenzspezialisten widersprechen Gerloff. „Man mag hier insgesamt auf einen Betrag von 800.000 bis eine Million Euro kommen, aber auch das ist schon systematische Vergewaltigung des Vergütungssystems, das von den Verwaltern ganz bewusst missverstanden und definiert wird“, sagt Professor Hans Haarmeyer, der Direktor des Deutschen Instituts für angewandtes Insolvenzrecht.

In seiner Begründung für seine Millionenforderung hatte sich Gerloff explizit auf Haarmeyers Standard-Fachkommentar für die Insolvenzvergütung bezogen Der jedoch hält Gerloffs Ansprüche für abwegig. „Was hier geschieht, ist ein Zusammenklauben von Zitaten, ohne auf den Zusammenhang zu achten“, sagt Haarmeyer. Der Gesetzgeber habe sich bei seinem Vergütungssystem für Insolvenzverwalter sehr genau Gedanken gemacht. Gerloff aber stelle mit seinem Antrag das System auf den Kopf.

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10 Kommentare zu "Luxushonorar: Escada-Insolvenzverwalter kassiert ab"

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  • Was sagen eigentlich die ehemaligen Aktionäre dazu? Über 80% der Aktien befanden sich ja in Streubesitz. Escada wurde damals ganz schnell und ohne vorher die Aktionäre zu informieren, in eine Abwicklungs-Gesellschaft umgewandelt die Aktien von einem Tag auf den anderen einfach nicht mehr notiert (nur mehr in Hamburg als Spielgeld für ein paar Zocker).
    Wenn Hr.Dr. Gerloff so Grossartiges geleistet hat und das Unternehmen, sowie Arbeitsplätze retten konnte, wieso waren dann die Aktien von uns (Klein-)Aktionären von einem Tag auf den anderen nichts mehr wert?
    Wo bleibt hier die Börsenaufsicht?

  • chlimme ist, daß nicht nur in diesem Fall, die Rechtspfleger der Insolvenzgerichte, solche Honorarschindereien duchwinken, weil die Rechtspfleger schlicht überfordert sind.

  • Das sind doch Peanuts gegen 43,4 Millionen Euro bei Karstadt.

    http://www.stern.de/wirtschaft/geld/insolvenzverwalter-kassiert-ab-selbstbedienung-bei-karstadt-1620145.html

  • Ja was für ein Glück das wir so ein System haben. Kommt dieser gesetzlich erlaubte Vergütung - Irrsinn eigentlich niemandem suspekt vor. Haben denn alle Leute nur noch das im Kopf was im inneren eines Fußballs ist ??

  • Dieses gesamte System ist an Dekadenz nicht mehr zu übertreffen.......

  • Leider ist der Artikel - wie viele zu diesem Thema - ohne Substanz. Es wird ein Zusammenhang zwischen Vergütung und Zeitablauf hergestellt, den es bei der Vergütung des Insolvenzverwalters nicht gibt und nicht geben sollte. Die Vergütung ist am Aufwand orientiert, der oft für Gläubiger oder Außenstehende nicht ohne weiteres erkennbar ist. Zum Aufwand ist dem Artikel nichts zu entnehmen. Die kurze Zeitdauer, in der offensichtlich ein komplexer Investorenprozeß erfolgreich umgesetzt wurde, spricht eher für einen (sehr) hohen Aufwand.
    Die sich auf Bildzeitungsniveau bewegende Schlagzeile suggeriert darüber hinaus, dass die Vergütung 1:1 in die Tasche des Verwalters fließt - ebenfalls falsch und bereits an anderen Stellen gut nachzulesen.
    Substanz wird - auch das gilt für eine Vielzahl von Artikeln zu diesem Thema - nicht dadurch hergestellt, dass man einem weitgehend selbsternannten Experten zum x-ten Mal eine Plattform bietet. Populismus hat nichts mit Substanz zu tun. Im Branchenblatt INDAT-Report (Ausgabe 4/2010) ist zu einem anderen Vergütungsfall nachzulesen: "Haarmeyer habe, so erklärt es Weizmann, ihm gegenüber eine strafbewährte Unterlassungserklärung abgegeben, in welcher er sich verpflichtete, nicht mehr zu behaupten, dass er - Weizmann - als Mitglied des Gläubigerausschusses bei Bohlen & Doyen eine, wenn man die Regeln der Insolvenzordnung zugrunde legen würde, um das Tausendfache überhöhte Vergütung kassiert habe."
    Es gibt zu diesem Thema auch andere Interviewpartner ...

  • Um die Vergütung zu bewerten muss man nur einen Blick in die Insolvenzordnung werfen und wie geschehen ist alles als rechtens bewertet worden. Ob der Insolvenzverwalter im Sinne des Unternhemens, dessen Angestellten oder im Sinne der Gläubiger handelt oder gehandelt hat wird die Zukunft zeigen. Wieviele Mitarbeiter er beschäftigt hat oder mit der Sache noch beschäftigen wird weiss man nicht bzw. bei dem Salär besteht hier noch jede Menge Potential.

  • Bei meiner Unernehmensinsolvenz hat der Verwalter vom Kontostand in Höhe von 35.000 Euro rund 24.000 Euro kassiert - für einen lächerlichen Aufwand. Die Vergütung wird übrigens nicht veröffentlicht,ich habe davon nur im Rahmen der Akteneinsicht im Zusammenhang mit den gegen mich eingeleiteten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft (eingestellt) wegen diverser Insolvenzstraftaten erfahren. Die gleiche Kanzlei hat übrigens meinen Eigenantrag auf Eröffnung des Inolvenzverfahrens ausformuliert....1600 Euro für vier DIN A 4 - Seiten.

  • Ein schlecht recherchierter Artikel. Handelsblatt sollte sich doch bitte nicht auf BILD-Niveau begeben: wer spricht denn bitte darüber, dass es dem Verwalter gelungen ist, das Unternehmen, die Marke und vor allem die Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten und das innerhalb sehr kurzer Zeit?? Außerdem muss der Verwalter von dieser Vergütung ja auch seine Angestellten und Mitarbeiter, die bei dem Verfahren mitwirken bezahlen... Immer dasselbe - wenn man solche angeblich hohen Vergütungen hört! Will man denn lieber verbeamtete "Abwickler" und "Liquidatoren" haben oder unternehmerisch denkende Sanierer, die auch selber einmal ein Risiko eingehen zum Wohle des Unternehmens? Beamte und Vollkaskomentalitätenvertreter haben wir ja genug..........................

  • Das ist nicht neu: Nur wenige Insolvenzverwalter arbeiten seriös. Jeder RA kann mit Wochenendkursen zum Fachanwalt ausgebildet werden. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse sind dabei eher hinderlich. Grundgedanke dabei ist es, sich mit einem Verfahren dauerhaft zu sanieren...

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