Luxusmarkt Kündigungswelle – Kofferhersteller Rimowa schockt die Händler

Händler, die Luxuskoffer von Rimowa verkaufen wollen, müssen künftig mindestens 550 Koffer im Jahr absetzen. Das nährt die Ängste im Fachhandel.
Update: 19.04.2018 - 16:52 Uhr 7 Kommentare
Rimowa legt viel Wert darauf, das die Koffer in einem ansprechenden Umfeld verkauft werden. Quelle: dpa
Koffer für den Laufsteg

Rimowa legt viel Wert darauf, das die Koffer in einem ansprechenden Umfeld verkauft werden.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDas Rätselraten hat ein Ende: Der Kölner Kofferhersteller Rimowa hat jetzt seine Händler über seine neue Vertriebsstrategie informiert. Das Unternehmen, das von der Luxusgruppe LVMH gekauft wurde, legt die Messlatte sehr hoch. So müssen Händler, die künftig weiterhin Rimowa verkaufen wollen, mindestens einen Netto-Umsatz von 200.000 Euro erreichen.

Das entspricht einem Verkaufswert von gut 400.000 Euro oder mehr als 550 Koffern. Grundlage sind „die Umsätze der vergangenen drei Jahre“. Das geht aus den Bewerbungs-Unterlagen hervor, die dem Handelsblatt vorliegen.

Das Kölner Unternehmen selbst wollte sich bislang nicht zu den neuen Verträgen äußern. Es hatte Mitte März für Aufregung in der Branche gesorgt, als es allen seinen etwa 500 Händlern in Deutschland zum 30. September dieses Jahres kündigte. „Ferner ist Ihnen die weitere Nutzung unserer Original-Marke...mit Ablauf des 30. September 2018 nicht mehr gestattet“, steht in einem Kündigungsschreiben, das dem Handelsblatt vorliegt.

„Das ist bitter für den Fachhandel“, sagte ein Händler, der nicht genannt werden möchte. Für viele sei das ein Einschnitt, weil manche bis zu 40 Prozent ihres Umsatzes mit Rimowa erzielen. Und die Marke sei nicht leicht durch andere zu ersetzen. Einige Händler beklagen, dass sie die Marke über Jahrzehnte mit aufgebaut haben und nun aussortiert werden.

Jetzt müssen sich die gekündigten Händler bis zum 15. Mai bei Rimowa neu bewerben. Es kommen aber nur solche Händler in Frage, die ein „angemessenes Markenumfeld“ anbieten können. Das heißt, sie dürfen Rimowa nur dann in ihren Läden verkaufen, wenn sie mindestens zwei Referenzmarken wie etwa Boss, Bottega Veneta, Burberry oder Gucci führen.

„Das ist für viele Händler sicherlich die größte Hürde“, sagte Axel Augustin vom BLE Handelsverband Lederwaren. Denn viele bieten neben Rimowa nur wenige Nobelmarken in ihren Läden an. In der Branche gibt es Schätzungen, wonach nur rund 200 der zur Zeit etwa 500 Händler in Deutschland dieses Kriterium erfüllen werden.

Für den Händler gibt es noch ein anderes Problem: Alle, die sich als neuer Vertriebspartner bewerben, wissen bisher nicht, „wie die neue Rimowa-Kollektion und die künftige Preispolitik aussieht“, sagt Siegfried Despineux, Geschäftsführer des Einkaufsverbundes Assima in Neuss. Viele in der Branche gehen davon aus, dass die Preise für die Kultkoffer deutlich steigen werden.

Außerdem müssen sie die Alu-Koffer künftig in einem Shop-in-shop-System präsentieren. Das System müssen sie erwerben und dafür eine Mindestfläche von 20 Quadratmetern in ihrem Laden reservieren. Etwas weniger strikt sind laut den neuen Vertragsbedingungen die Anforderungen an die Lage der Geschäfte. Sie sollen in einem Stadtzentrum, Einkaufszentrum oder einer Geschäftsstraße liegen.

Das ist die Luxus-Welt von LVMH
Milliardär und Luxus-Boss
1 von 15

Seit 1989 ist er Vorstandschefs des Luxusgüterkonzerns LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton: Bernard Arnault. Auf den Chefsessel gelangte der Milliardär, indem er die Mehrheitsanteile an LVMH erwarb und sich kurzerhand selbst als Präsident einsetzte – gegen den Willen der Vuitton- und Hennessy-Familienmitglieder.

Moët & Chandon
2 von 15

Erst zwei Jahre zuvor war der Konzern 1987 durch eine Fusion der Unternehmen Louis Vuitton und Moët Hennessy entstanden. Moët Hennessy wiederum entstand selbst erst 1971 aus einem Zusammenschluss des Champagnerherstellers und Marktführers Moët & Chandon (seit 1743) und ...

Hennessy
3 von 15

... dem ebenfalls französischen Cognac-Brenner Hennessy, gegründet 1765.

Dom Pérignon
4 von 15

Neben weiteren Champagnermarken gehört auch der berühmte Dom Pérignon zu Moët & Chandon. Seine Bekanntheit verdankt die Marke unter anderem durch wiederholte Auftritte in James-Bond-Filmen.

Château d’Yquem
5 von 15

Auch Weine gehören selbstverständlich zum exklusiven LVMH-Portfolio. Das Weingut Château d’Yquem im Bordeaux ist dabei gleichzeitig die älteste Marke des Konzerns, seine Geschichte reicht bis ins Jahr 1593 zurück. Auch der laut Kritikern beste Sauvignon Blanc der Welt, der „Cloudy Bay“ aus Neuseeland, ist mittlerweile ein LVMH-Produkt.

Glenmorangie, Ardbeg und weitere Spirituosen
6 von 15

Rum, Wodka, chinesischer Schnaps: Das LVMH-Spirituosenangebot ist breit aufgestellt. Auf dem Whiskeymarkt sind die Franzosen seit 2004 mit der schottischen Single-Malt Marke Glenmorangie und dem zu Glenmorangie gehörenden Ardbeg vertreten.

Louis Vuitton
7 von 15

Flagschiff im Modegeschäft ist selbst verständlich Louis Vuitton – es wird geschätzt, dass die 1854 in Frankreich gegründete Marke etwa 25 Prozent des LVMH-Umsatzes ausmacht. Weitere Marken im Modegeschäft sind beispielsweise Givenchy, Céline oder auch Edun – die Modemarke des irischen Musik-Superstars Bono. 2016 kaufte LVMH...

Der französische Luxuskonzern hatte sich 2016 an dem Kölner Familienunternehmen mit 80 Prozent beteiligt. Für Aufsehen sorgte, dass der Sohn des LVMH-Gründers Bernard Arnault, Alexandre Arnault, neben Dieter Morszeck in die Geschäftsleitung einrückte. Der Konzern will Rimowa durch die Vertriebskündigung der Händler an sein hohes Vertriebs- und Markenniveau seiner übrigen Luxusmarken anpassen.

Alexandre Arnault hatte am Mittwoch auf einer Luxuskonferenz angedeutet, was er mit Rimowa vor hat. Bisher sei die Marke vor allem „für den nicht erfreulichen Teil einer Reise“ bekannt, wie dem Transport von Zuhause zum Hotel. Die Marke müsse in Zukunft zusätzlich andere, erfreuliche Accessoires rund um das Thema Reise anbieten, sagte Arnault.

Händler könnten sich gegen den neuen selektiven Vertrieb juristisch wehren. „Es macht aber keinen Sinn dies zu tun, wenn ein Markenhersteller nicht mit ihnen zusammenarbeiten will“, sagt Despineux von Assima. "Dann macht er ihnen hinterher das Leben schwer."

Startseite

Mehr zu: Luxusmarkt - Kündigungswelle – Kofferhersteller Rimowa schockt die Händler

7 Kommentare zu "Luxusmarkt: Kündigungswelle – Kofferhersteller Rimowa schockt die Händler"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Luxusware verkauft sich nicht zuletzt wegen der immer wahnwitziger werdenden Geltungsbedürftigkeit der Leute. Rimowa muss jedoch aufpassen den Bogen hier nicht zu überspannen. Die Idee ist von unendlicher Profitgier getrieben. Mehr, mehr, mehr... Das Problem: So lange Kunden diese Einstellung unterstützen, weil sie eben am Flughafen mit diesem Produkt prahlen müssen, wird sich nichts ändern. Aber: Arroganz war auf Dauer nie gut.

  • Ich halte so ein Geschäftsgebahren immer für fragwürdig. Da wollen Händler meine Produkte verkaufen und ich kündige ihnen, weil ich in meiner unendlichen Arroganz meine, dass meine schönen Koffer viel zu schade für sie sind.

    Verstehe da einer die Menschen. Das Management aus den letzten Jahrhundert hätte jedenfalls nicht so gehandelt.

  • Na dann viel Spaß. Kosten/Nutzen ohnehin schon bisher grenzwertig. Koffer sind Mittel zum Zweck und Rimowa für Robustheit und Langlebigkeit bekannt. Wenn das nun als geiler Event verkauft werden soll, dass man sich einen Rimowa gönnt, wird das die Zielgruppe sehr ändern und Delsey, Samsonite, etc. freuen sich bestimmt schon sehr auf die vielen neuen Business-Kunden. Ob Rimowa jedoch von ein paar "Was-kostet-die-Welt"-Typen leben kann, wird die Zukunft zeigen.

  • Ich lauf doch nicht für Rimowa auf dem Airport als Werbeträger. Ich könnte mir 10 davon leisten; ich bin doch nicht blöd.

  • Das wird ein Problem werden. Ich denke der Firmenerbe hat wirklich überhaupt nicht verstanden, wer und warum jemand Rimowa kauft. Au weia.

  • Na, wenn das mal nicht nach hinten losgeht. Die Rimovakoffer sind nicht schlecht aber es sind halt nur nützliche stabile, haltbare und langlebige Koffer - zumindest bisher. Sie sind gerade kein Modeartikel.
    Hier scheint ein junger Erben-Milliardär mal erste Erfahrungen im Management und Marketing zu sammeln. Hoffentlich überlebt die Firma Rimova das.

  • Wer kauft überhaupt noch diese überteuerten Produkte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%