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Märklin, Schuco, Bobby-Car Die Deutschen spielen, der Rest der Welt spart – So kommt Simba-Dickie durch die Coronakrise

Die Eigentümer der Simba-Dickie-Gruppe erleben hierzulande einen Auftragsboom. In vielen anderen Ländern aber stockt der Verkauf von Spielwaren
26.11.2020 - 13:02 Uhr Kommentieren
Die Rutschautos von Bobby-Car sind seit 2004 Teil der Fürther Simba-Dickie-Gruppe, des größten deutschen Spielwarenproduzenten. Quelle: dpa
Bobby-Car

Die Rutschautos von Bobby-Car sind seit 2004 Teil der Fürther Simba-Dickie-Gruppe, des größten deutschen Spielwarenproduzenten.

(Foto: dpa)

München Das Lager wurde dieses Jahr für 15 Millionen Euro ausgebaut, erst im September haben sie neue Leute eingestellt, doch es reicht einfach nicht: Michael und Florian Sieber kämpfen ausgerechnet im wichtigen Weihnachtsgeschäft mit Lieferschwierigkeiten. Die Eigentümer der Simba-Dickie-Gruppe können momentan aus ihrem Logistikzentrum im thüringischen Sonneberg gar nicht so viel versenden, wie die Händler bestellen. Die Auftragsflut übersteigt die Kapazität.

Für die Unternehmer, Vater und Sohn, ist das mehr als ärgerlich. Denn Deutschland ist einer der wenigen Märkte weltweit, in denen das Geschäft dieses Jahr so richtig brummt. Hier könnten sie die Rückgänge aus dem Ausland zumindest ein wenig ausgleichen.

„In Deutschland ist die Nachfrage schon das ganze Jahr hoch“, sagt Michael Sieber, 64. Allerdings steht die Bundesrepublik nur für ein Viertel des Umsatzes, der zuletzt rund 700 Millionen Euro betrug. In wichtigen Ländern wie Russland, in der Türkei oder auch in Indien dagegen sei spürbar, dass die Konsumenten wegen der Coronakrise viel weniger Geld in der Tasche hätten. Dort werde auch an den Kindern gespart.

Zu Simba-Dickie gehören bekannte Namen wie der Bobby-Car-Hersteller Big, die Modellautolabels Schuco und Majorette oder der Spieleverlag Noris. Alles in allem vereint die Familienfirma 20 Marken unter einem Dach. Zuletzt kam diesen Herbst Exit dazu, ein niederländischer Hersteller von Outdoor-Spielzeug.

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    Michael Sieber hat den Konzern mit seinem Vater Fritz im Jahr 1982 gegründet. 2018 holte er Sohn Florian als Co-Chef an Bord. Zudem besitzen die beiden seit 2013 den Modellbahnhersteller Märklin, den sie als eigenständiges Unternehmen führen.

    In den vergangenen fast vier Jahrzehnten hat Michael Sieber den größten deutschen Spielzeugkonzern geschaffen. Er hat sich dabei nie um die Konventionen der Industrie geschert. Während alle anderen noch zu horrenden Kosten in Deutschland fertigten, begann er in den 80er-Jahren mit dem Spielwarenimport aus Asien.

    In Deutschland läuft das Geschäft der Spielwarenproduzenten glänzend. In Schwellenländern dagegen fehlt den Konsumenten wegen der Coronakrise das Geld für Spielzeug.
    Florian und Michael Sieber

    In Deutschland läuft das Geschäft der Spielwarenproduzenten glänzend. In Schwellenländern dagegen fehlt den Konsumenten wegen der Coronakrise das Geld für Spielzeug.

    Als die Konkurrenten allesamt in China produzierten, kaufte Sieber Werke in Europa. Auch mit der lange Jahre hochdefizitären Marke Märklin wagte er sich an eine Aufgabe, die sich kein Wettbewerber zutraute.

    Dass es in diesen Tagen so hakt in der Auslieferung, liegt an Corona. Normalerweise bestellen die Spielwarenketten die Ware in großem Stil im Frühjahr – und werden den Sommer über direkt aus den Fabriken in Fernost beliefert. Als sich die Pandemie im März und April über die gesamte Welt ausbreitete, da hielten sich die Einkäufer aber mit Aufträgen zurück.

    Jetzt leeren sich die Regale, und die Ladenbesitzer ordern kräftig nach. Das überfordert die Logistik: „Wir kommen nicht hinterher“, sagt Florian Sieber, 35. Der einzige Trost: „Das geht auch anderen so.“

    Spieleboom in Deutschland

    In der Tat, die Deutschen kaufen Spielzeug wie wild. „Coronazeit ist Familienzeit“, sagte diese Woche Steffen Kahnt, Geschäftsführer des Verbands des Spielwaren-Einzelhandels. Der Manager geht davon aus, dass die Konsumenten hierzulande dieses Jahr 3,7 Milliarden Euro für Spielwaren ausgeben, acht Prozent mehr als im Vorjahr.

    Das hat seinen Grund: In einer Umfrage des Verbands der Spielwarenindustrie gab gut ein Drittel der Befragten an, dass ihnen Spielzeug geholfen habe, besser durch die Krise zu kommen.

    Den Sommer über verdienten die Siebers gutes Geld mit Kinderhäuschen und Plastikrutschen für den Garten und auch mit ferngesteuerten Autos. Schließlich ist so manche Urlaubsreise dieses Jahr wegen Corona ausgefallen. In diesen Tagen, da die Freizeitbeschäftigungen stark eingeschränkt sind, haben Konzernmarken wie Schipper Hochkonjunktur, ein Spezialist für „Malen nach Zahlen“. Gefragt sind zudem die Spiele der Verlage Noris und Zoch.

    Mut macht den Franken auch das Geschäft in den USA. Vor zwei Jahren haben sie die amerikanische Jada Group übernommen, einen Hersteller von Modellautos. Zuvor waren sie in den Supermarktketten der USA kaum vertreten. Nun haben sie Zugang zu Walmart und Target – und dort laufe es gut, so Florian Sieber.

    Lieferprobleme bei Märklin

    Geduld mitbringen müssen in diesen Tagen indes auch die Kunden von Märklin. Modellbahnen sind in der Pandemie gefragt. „Die Auftragslage ist extrem positiv“, freut sich Florian Sieber.

    Allerdings: „Wir können die Neuheiten nicht in der Größenordnung liefern, wie wir das geplant hatten.“ Auch bei Märklin ist es das Coronavirus, das dem Familienunternehmen einen Strich durch die Rechnung macht.

    20 Spielzeugmarken gehören zu Simba-Dickie, das traditionsreiche Modellautolabel Schuco ist eine davon. Quelle: dpa
    Schuco

    20 Spielzeugmarken gehören zu Simba-Dickie, das traditionsreiche Modellautolabel Schuco ist eine davon.

    (Foto: dpa)

    Wegen der Pandemie stand die Fabrik im ungarischen Györ im Frühjahr zwei Monate lang still. Dadurch wurde auch die Fertigung am Stammsitz des schwäbischen Mittelständlers in Göppingen lahmgelegt. Märklin konnte den Rückstand bis jetzt nicht aufholen. „Das ist ein herber Rückschlag für uns“, so Michael Sieber. Zuletzt habe zudem eine hoher Krankenstand die Produktion beeinträchtigt.

    Gleichwohl, die wahren Fans seien treu, hofft Sieber: „Die Märklin-Kunden sind bereit, auf die Neuheiten zu warten.“ Die Sammler würden auch Anfang nächsten Jahres noch einkaufen.

    Märklin erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von gut 112 Millionen Euro. Das war deutlich weniger, als Vater und Sohn noch zu Jahresanfang geplant hatten. Im März und April seien wegen Corona aber viel weniger Lokomotiven und Waggons über die Ladentheken gegangen als erhofft. Daher habe die Firma ihr Ziel von 117 Millionen Euro Umsatz verfehlt.

    Modelleisenbahnen sind gefragt. Märklin allerdings kämpft mit Lieferschwierigkeiten, weil die Fabriken im Frühjahr wegen Corona schließen mussten. Quelle: dpa
    Modelleisenbahn

    Modelleisenbahnen sind gefragt. Märklin allerdings kämpft mit Lieferschwierigkeiten, weil die Fabriken im Frühjahr wegen Corona schließen mussten.

    (Foto: dpa)

    Das Virus sorgte auch dafür, dass das neue Märklin-Museum in Göppingen bis heute nicht offen ist. Wegen Corona verzögerten sich die Bauarbeiten am „Märklineum“. Am 1. November wollten die Siebers die Erlebniswelt eigentlich den Fans zugänglich machen. Die seit Anfang November geltenden Ausgangsbeschränkungen verhinderten dies. Ein neuer Termin steht noch nicht fest. 15 Millionen Euro haben die beiden Unternehmer eigenen Angaben zufolge für das Museum ausgegeben.

    Gemeinsam haben sie die angeschlagene Modelleisenbahnmarke vor sieben Jahren übernommen. Jahrelang sanierten die Franken den verlustreichen Hersteller, während die Umsätze stagnierten. Märklin verschwand immer mehr aus den Kinderzimmern.

    Das hat sich inzwischen geändert, die vergangenen beiden Jahre stiegen die Erlöse. Das Interesse an den Miniaturzügen sei momentan riesig, so Florian Sieber. „Unser Service steht unter Strom, denn extrem viele Neueinsteiger rufen an und wollen wissen, wie sie mit dem Hobby beginnen können.“

    Zu Jahresbeginn hatten die Siebers noch mit einem kräftigen Umsatzwachstum bei Simba-Dickie kalkuliert. „Wenn wir Glück haben, kommen wir jetzt mit plus/minus null heraus“, meint Michael Sieber.

    Mehr: So retten digitale Weltreisen einen Spielwarenhändler

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