Marihuana als Medizin Cannabis-Importe nach Deutschland legen deutlich zu

Der Bedarf an medizinischem Cannabis in Deutschland wächst. Die zugelassenen Händler wollen darum mehrere Tonnen Marihuana importieren.
Update: 19.03.2018 - 17:25 Uhr Kommentieren
Cannabis-Importe nach Deutschland legen deutlich zu Quelle: dpa
Cannabis auf Rezept

Die Anträge, aus medizinischen Gründe Marihuana zu konsumieren, sind 2017 deutlich gestiegen.

(Foto: dpa)

FrankfurtSeitdem vor rund einem Jahr Cannabis zum medizinischen Einsatz gesetzlich erlaubt wurde, sind die beantragten Importmengen deutlich gestiegen. Allein von September 2017 bis März 2018 wurden in Deutschland Importanträge für eine Menge von mehr als 13.000 Kilogramm Cannabis genehmigt. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Fraktion Die Linke, die dem Handelsblatt exklusiv vorab vorliegt.

Das heißt zwar noch nicht, dass diese Menge auch schon importiert wurde, denn es handelt sich bei den Genehmigungen um die Erlaubnisse zur Einfuhr von Jahreshöchstmengen.

Nach Einschätzung der Linksfraktion belegen die Zahlen einen massiven Anstieg der Nachfrage. Denn in den mehr als sechs Jahren vor der Freigabe von medizinischem Cannabis, von November 2008 bis März 2017, wurde der Import von insgesamt rund 4000 Kilogramm beantragt. Das hatte eine kleine Anfrage der Linksfraktion aus dem vergangenen Jahr ergeben.

Elf Fakten zur Cannabis-Industrie
Grünes Gold
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Viele US-Bundesstaaten haben den Verkauf von Cannabis zu medizinischen Zwecken legalisiert. In den USA ist seit einigen Jahren eine florierende Industrie um die grüne Droge entstanden. Ein Blick in die Statistik eines Marktes, der lange im Dunklen lag.

Steigender Umsatz
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Die Branchenzeitschrift „Marijuana Business Daily“ schätzt dem Umsatz des Einzelhandels mit medizinischem Cannabis in den USA auf 2,45 Milliarden Dollar. Hinzu kommen 1,8 Milliarden Dollar mit nicht-medizinischem Cannabis. Insgesamt werde der Einzelhandelsumsatz mit der Droge auf 11,9 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020 ansteigen, sagen die Experten voraus.

Kein Vergleich zu Zigaretten und Alkohol
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Trotz des rasanten Wachstums ist Cannabis noch weit davon entfernt, die beliebteste Droge der Amerikaner zu werden. Mit Bier werden in den Staaten allein 106 Milliarden Dollar umgesetzt, mit Zigaretten 76,9 Milliarden Dollar.

Rauchen für die Staatskasse
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Auch die US-Steuerkasse profitiert von der Legalisierung. Nach Schätzungen beliefen sich die Steuereinnahmen im vergangenen Jahr auf 745 Millionen Dollar. Im Jahr 2020 wird der Staat sogar rund 2,3 Milliarden Dollar am Cannabishandel verdienen.

Jobmotor Joint
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Landesweit sind ganze 197.500 Arbeitnehmer direkt oder indirekt mit dem Verkauf von Cannabis beschäftigt. Zum Vergleich: Die Zahl der Bäcker in den USA wird auf 185.000 geschätzt.

Eine breit gefächerte Industrie
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Über die Zahl der Cannabis-Unternehmen gibt es unterschiedliche Angaben: „Marijuana Business Daily“ schätzt, dass es in der US-Cannabisindustrie 105 Testlabore, 1100 Produkthersteller, 3500 Anbauer und 4050 Cannabis-Shops gibt. Hinzu kommen rund 18.000 Subfirmen und Dienstleister.

Einfallsreiche Industrie
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Entsprechend kreativ sind die Unternehmen bei der Erfindung von Zusatzprodukten. Diese Snacks etwa sollen das Konsumerlebnis der Droge verstärken.

„Die vorliegenden Zahlen zeigen, wie enorm der Bedarf an medizinischem Cannabis ist“, sagt Niema Movassat von der Fraktion Die Linke. Noch nicht genehmigt sind zwei weitere Anträge zum Import von noch einmal 10.400 Kilogramm Cannabis.

Eine offizielle Statistik, wie viele Patienten Cannabis als Medizin in Deutschland nehmen, gibt es nicht. Vor der gesetzlichen Freigabe von Cannabis als Medizin am 10. März 2017 hatten nur etwas mehr als 1000 Patienten eine Sondergenehmigung der Bundesopiumstelle, Cannabis legal in der Apotheke zu beziehen. Bei Cannabisblüten veranschlagt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) eine Tagesmenge pro Patient von einem Gramm, der Jahresbedarf beläuft sich danach auf 365 Gramm pro Patient.

Nach Recherchen des Handelsblatts wurden bis Ende Februar rund 10.000 Anträge auf Erstattung von Cannabis auf Rezept von den drei größten Krankenkassen AOK, Barmer und Techniker Krankenkasse genehmigt. Etwa 16.000 Anträge sind insgesamt eingegangen.  Bei den drei Kassen sind etwas mehr als die Hälfte aller gesetzlich Krankenversicherten Mitglied. 

Um den künftigen Bedarf an Cannabisblüten zu decken, hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) im Auftrag der Bundesregierung eine Ausschreibung gestartet, damit Cannabis in Deutschland angebaut wird. Das Vergabeverfahren läuft, ab 2019 soll Cannabis zur Verfügung stehen. Die Ausschreibung sieht für 2019 eine Menge von 1000 Kilo Cannabisblüten vor, 2020 sind es 1600 und in den Jahren 2021 und 2022 jeweils 2000 Kilogramm.

Angesichts der Klagen, die gegen die aktuelle Ausschreibung der Bundesregierung zum Anbau von Cannabis in Deutschland laufen, sieht es Niema Movassat von der Linksfraktion als utopisch an, bereits 2019 mit einer Cannabisernte in Deutschland zu rechnen.

„Der Optimismus der Bundesregierung ist unverständlich. Die Versorgungssituation für Patientinnen und Patienten wird sich dadurch erheblich verschärfen. Denn nach einer gewissen ‚Eingewöhnungsphase‘ mit dem neuen Gesetz, werden Verschreibungen - und entsprechend der Bedarf an Cannabis weiter kontinuierlich ansteigen“, so Movassat, der Sprecher für Drogen- und Verfassungspolitik der Linkspartei.

Nach Informationen des Bfarm könnte ein zusätzlicher Bedarf an Cannabis auch 2019 über Importe abgedeckt werden, ebenso könnte eine weitere Ausschreibung gestartet werden. Zahlen des Marktforschungsinstituts IQVia zeigen, dass Cannabisblüten auf Rezept in weniger als einem Drittel der Fälle verordnet werden, mehr als zwei Drittel entfallen auf  Fertigarzneimittel und  Cannabiszubereitungen. 

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