Marktbereinigung Deutschland hat zu viele Baumärkte

Die Baumarktbranche hat schwere Zeiten hinter sich – doch das Jammertal ist noch lange nicht zu Ende. Viele Beobachter gehen davon aus, dass in Deutschland die Marktbereinigung noch nicht abgeschlossen ist.
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In Deutschland gibt es sechs Baumarktketten – zu viele, wie mancher Beobachter anmerkt. Quelle: dpa

In Deutschland gibt es sechs Baumarktketten – zu viele, wie mancher Beobachter anmerkt.

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Der Einzelhandelskonzern Tengelmann (Obi, KiK) rechnet auch nach der Praktiker-Pleite mit einer weiteren Marktbereinigung bei Deutschlands Baumärkten. „In den USA gibt es zwei große Ketten, ebenso in Frankreich, in Großbritannien eine. In Deutschland gibt es selbst jetzt noch sechs Unternehmen. Das sind zu viele“, sagte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub der Tageszeitung „Die Welt“ (Montag). Die Konsolidierung des Marktes sei deshalb mit der Praktiker-Pleite nicht abgeschlossen.

Für Obi selbst sieht Haub allerdings in Deutschland durchaus noch Wachstumschancen. „Obis Deutschlandkarte hat noch weiße Flecken, auch nach der Übernahme von rund 20 Praktiker-Märkten in diesem Jahr“, meinte er. Deutlich expandieren will Obi in Russland. Derzeit sei die Kette dort mit 22 Märkten vertreten. „Es können insgesamt fünfzig oder auch hundert werden“, sagte Haub. Allein für 2014 seien drei bis vier Neueröffnungen geplant.

Insgesamt sieht der Unternehmer die Wachstumschancen des Handels in Deutschland eher als bescheiden an. „Strukturelles Wachstum durch steigende Bevölkerungszahlen oder ungedeckten Bedarf gibt es hier wohl nicht mehr“, meinte er. Die Zeiten seien vorbei, in denen das Geschäftsvolumen jährlich automatisch um zwei, drei oder vier Prozent zugenommen habe.

Die größten Baumarktketten Deutschlands
platz 10 eurobaustoff
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Platz 10 - Eurobaustoff (I&M Bauzentren)

Die Baustoffhändler ist das Ergebnis einer Fusion von Interpares-Mobau und Interbaustoff im Jahr 2003. Inzwischen ist die Verkaufsfläche auf 525000 Quadratmeter angewachsen. 2012 kam das Unternehmen auf einen Umsatz von 960 Millionen Euro, das sind gut 4 Prozent mehr als 2011.

emv-profi
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Platz 9 - EMV-Profi (BBM)

Der Zusammenschluss von 320 Baumärkten, darunter die BBM-Gruppe, bewirtschaftet in Deutschland 527 000 Quadratmeter Verkaufsfläche. So setzte das Unternehmen im vergangenen Jahr 774 Millionen Euro um und bewegt sich damit ungefähr auf Vorjahresniveau.

Hellweg
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Platz 8 - Hellweg

Ende 2011 trennte sich die Baywa-Gruppe von ihrer Baumarktsparte und verkaufte an den Konkurrenten Hellweg. Im vergangenen Jahr wuchs bei Hellweg sowohl die Verkaufsfläche - um 5 Prozent auf 647000 Quadratmeter - wie auch der Umsatz: 680 Millionen Euro bedeuten ein Plus von knapp 5 Prozent.

globus
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Platz 7 - Globus

Groß geworden ist das saarländische Unternehmen im Lebensmittelgeschäft. Heute ist Globus - Slogan: „Wer baut, braucht Globus“ - auch beim Verkauf von Blumenerde und Bohrmaschinen unter den Top Ten: Globus betreibt 80 Märkte mit 654500 Quadratmetern Verkaufsfläche. 2012 setzten die Baumärkte 1,38 Milliarden Euro um.

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Platz 6 - Hornbach

Auf 980000 Quadratmetern verkauft Hornbach in Deutschland Bau- und Gartenbedarf. Das reicht für Platz 6 unter den größten Baumarkt-Ketten. Hornbach („Es gibt immer was zu tun“) setzte im vergangenen Jahr 3,2 Milliarden Euro um, knapp 1 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

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Platz 5 - Bauhaus

Gegründet wurde die Kette in Mannheim, mittlerweile wird sie aus Zug in der Schweiz gesteuert. Bei der Verkaufsfläche knackt Bauhaus die Millionen-Grenze: 1,3 Millionen Quadratmeter insgesamt. 2012 wurde ein Umsatz von 5 Milliarden Euro verbucht, mit einem Plus von 5,3 Prozent liegt das Unternehmen beim Umsatzwachstum ganz vorne.

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Platz 4 - Zeus (Hagebaumarkt)

Die bekannteste Marke der Zeus sind die Hagebaumärkte („Hier hilft man sich“). 2 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche betrieb die Zeus im vergangenen Jahr. Das reicht für Platz 4 und die Holzmedaille im Baumarkt-Ranking. Auch Werkers Welt und Floraland gehören zur Zeus, die 2012 2,7 Milliarden Euro umsetzte.

Haub zeigte sich überzeugt, dass ein großer Teil des Marktes künftig von Cross-Channel-Anbietern geprägt sein werde, also von Unternehmen, die den Verkauf in Geschäften vor Ort mit Online-Angeboten kombinieren. Im reinen Online-Geschäft werde es auf Dauer nur wenige große Anbieter geben. In Marktnischen bleibe aber auch Platz für Spezialisten.

Haub, dessen Firma inzwischen neben den stationären Geschäften auch mehrere Online-Shops betreibt und an mehr als 40 Start-ups beteiligt ist, sieht keine Alternative zu einem offensiven Umgang mit dem Online-Handel. „Es wäre trügerisch zu glauben, wir könnten das traditionelle Geschäft schützen, indem wir keine Online-Shops öffnen. Der Kunde, der online kaufen will, klickt dann eben woanders.“

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  • dpa
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