Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Marktführer Buchhandel bangt um Rettung des Großhändlers KNV

Die Branche zittert um den Marktführer Koch, Neff & Volckmar. Der Buchlogistiker ist Scharnier zwischen Verlagen und Handel – und sucht Investoren.
Kommentieren
Das Unternehmen wurde 1847 gegründet – im Jahr 2019 kämpft der Buchgroßhandel gegen die Insolvenz. Quelle: dpa
Buchgroßhändler KNV

Das Unternehmen wurde 1847 gegründet – im Jahr 2019 kämpft der Buchgroßhandel gegen die Insolvenz.

(Foto: dpa)

WienDer Antrag auf Insolvenz des Stuttgarter Buchlogistikers Koch, Neff & Volckmar (KNV) hat die Branche ins Herz getroffen. „KNV ist systemrelevant“, sagt Verlagsexperte Matthias Koeffler vom Branchenmedium „Langendorf‘s Dienst. Schließlich stehe das Unternehmen für rund die Hälfte des Umsatzes im deutschen Buchgroßhandel.

„Wir glauben an eine Rettung, aber natürlich sind wir nervös“, sagte Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und Eigentümer der Buchhandelskette Osiander. KNV ist schließlich die Schnittstelle zwischen den Verlagen und dem Buchhandel. Die Rettung des Familienunternehmens in fünfter Generation läuft unterdessen auf Hochtouren.

„Wir suchen einen Investor oder Investoren, die die KNV-Unternehmen weiterführen“, sagte der vom Amtsgericht Stuttgart bestellte Insolvenzverwalter Tobias Wahl, Partner der Kanzlei Anchor Rechtsanwälte, dem Handelsblatt. „Die Investorensuche sowie die Gespräche und Verhandlungen mit potenziellen Investoren werden einen großen Teil der Arbeit einnehmen. Hier befinden wir uns noch ganz am Anfang.“

Erste Anfragen von Investoren seien bereits eingegangen, berichtet Wahl. „Wir spüren eine große Solidarität – bei Mitarbeitern, Verlagen und Buchhandlungen – und das macht uns sehr viel Mut“, sagte der Mannheimer Insolvenzverwalter. Brancheninsider hoffen, dass die großen Medienhäuser der Branche wie Bertelsmann oder Bonnier dem angeschlagenen Familienunternehmen KNV aus der Patsche helfen.

„Ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere Marktteilnehmer aus der Buchbranche Interesse hat“, sagt auch Riethmüller. Die großen Verlage haben ein unmittelbares Interesse daran, dass die Buchlogistik für kleiner und mittlere Buchhandlungen reibungslos läuft. Sonst wären sie noch stärker mit Branchengiganten Amazon ausgeliefert.

Der 1829 in Leipzig gegründete Buchgroßhändler stellte mit sieben Tochtergesellschaften Ende der vergangenen Woche den Antrag auf Insolvenz. KNV beschäftigt rund 1 800 Mitarbeiter, davon 1000 am Standort in Erfurt. Der thüringische Standort wurde im Herbst 2014 nicht zuletzt wegen seiner zentralen Lage in Betrieb genommen. Doch dabei gab es viele Probleme. „Der Umzug hat von Anfang an nicht funktioniert“, bilanziert Börsenverein-Chef Riethmüller.

KNV besitzt eine systemische Bedeutung für den Buchmarkt. Insgesamt beliefert das im Stuttgarter Stadtteil Vaihingen ansässige Unternehmen 5600 Buchhandlungen in Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz. „Ein Verschwinden von KNV wurde zu Versorgungsengpässen im Buchhandel führen“, sagt der Hamburger Buchexperte Boris Langendorf.

Doch danach sieht es nicht. Die Buchauslieferung ist sichergestellt. „Unsere derzeit wichtigste Botschaft für die Branche lautet: Es geht weiter“, sagte Insolvenzverwalter Wahl dem Handelsblatt. Er gilt als erfahren. Wahl war beispielsweise bereits am Insolvenzverfahren des Küchenherstellers Alno beteiligt.

Das Familienunternehmen KNV ist der Marktführer im deutschsprachigen Raum. Die Geschäftsführer rund um den geschäftsführenden Gesellschafter Oliver Voerster hätten „über Monate mit aller Kraft dafür gekämpft“, um mit einem Investor das Unternehmen zu stabilisieren. Doch am Ende seien die Gespräche gescheitert. Durch die Insolvenzantragstellung haben die Gesellschafter mittlerweile keinen Einfluss mehr auf die operative Tätigkeit. Das Firmenkonglomerat steuert Insolvenzverwalter Wahl.

Traditionell macht das Familienunternehmen schon immer zu Erlösen und Erträgen keine Angaben. Doch die Lage war schon länger kritisch – nicht zuletzt auf Grund von Verbindlichkeiten, berichten Brancheninsider. „Es gab bereits seit Jahren Spekulationen, wie lang das Unternehmen überhaupt durchhält“, sagt Marktexperte Matthias Koeffler. Die F. Volckmar GmbH & Co. KG musste bei Erlösen von 546 Millionen Euro im Jahr 2016 einen Konzernfehlbetrag von 17,9 Millionen Euro verkraften.

Die KNV Logistik GmbH in Erfurt erwirtschaftete im gleichen Jahr bei einem Umsatz von 69,7 Millionen Euro einen Verlust von 5,3 Millionen Euro. KNV bietet Logistik-Dienstleistungen. Sie reichen von der Lagerung über Fakturierung bis zum elektronischen Vertrieb die gesamte Palette der Buchbranche. Für viele Verlage ist KNV nicht nur Großhändler, sondern auch ihr erweitertes Lager.

Zu vielen Verlagen bestehen Geschäftsbeziehungen, die sogar älter als ein Jahrhundert sein können wie im Fall von Bonnier. Der Vorsteher des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, versucht die Buchhändler zu beruhigen. „Der Sortimentsbuchhandel hat keine ausstehende Forderung.“ Bei den Verlagen sieht es aber laut Riethmüller anders aus.

Verlage haben demnach offene Rechnungen, die KNV noch nicht bezahlt hast. „Mittlere Verlage haben schnell sechsstelligen Außenstände“, so Riehtmüller. „Kleinere Verlag, die nicht so finanzstark sind, können unter Druck kommen“, fürchtet der Branchenvertreter. Denn sie könnten sich im Extremfall keinen Zahlungsausfall von KNV leisten.

Die gute Nachricht: Frischware wird im Gegensatz zur Altware wieder von KNV bezahlt. Am Freitag verschickte der Börsenverein einen Leitfaden an seine Mitglieder, um auf die wichtigsten Fragen zur insolventen KNV-Gruppe Antworten zu liefern. Insolvenzverwalter Wahl steht vor einer Mammutaufgabe. Denn das Geschäft ist komplex und auf sieben unterschiedliche, aber gegenseitig abhängige Unternehmen verteilt.

„Für die Buchbranche und die Verlage ist KNV als Buchlogistiker mit seinen Gesellschaften unverzichtbar“, sagt er. Denn die KNV-Gesellschaften erbrächten mit Ihren Geschäftsfeldern wie etwa der Verlagsauslieferung oder dem Barsortiment, aber auch mit anderen Dienstleistungen wie etwa IT- und E-Commerce-Lösungen wichtige Aufgaben.

Die Keimzelle des heutigen Unternehmens war die Gründung des Kommissionsgeschäfts F. Volckmar im Jahr 1829. Bereits 1847 wurde der Buchgroßhandel durch Carl Voerster gegründet.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Marktführer - Buchhandel bangt um Rettung des Großhändlers KNV

0 Kommentare zu "Marktführer: Buchhandel bangt um Rettung des Großhändlers KNV"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.