Mars, Snickers, Milky Way Wie läuft der gigantische Schoko-Rückruf?

Der Schoko-Konzern Mars muss Millionen von Riegeln seiner wichtigsten Marken zurückrufen. Doch wie läuft so eine Riesenaktion eigentlich ab? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Mega-Rückruf.
Update: 24.02.2016 - 17:27 Uhr 38 Kommentare

Hamburgat

In der Fertigung ist mindestens ein Plastikteil in die Schokoriegel geraten. Quelle: AFP
Mars-Riegel in der Fabrik

In der Fertigung ist mindestens ein Plastikteil in die Schokoriegel geraten.

(Foto: AFP)

Großer Wirbel um ein kleines Stück Plastik: Der US-Süßwarengigant Mars will mit einem massenhaften Rückruf Schokoriegel in 55 Ländern aus dem Verkehr ziehen. In einem Produkt sei ein Kunststoffteilchen gefunden worden, erklärte das Unternehmen am Dienstag. Erstickungsgefahr sei nicht auszuschließen. Mars habe sich deshalb zu einem freiwilligen Rückruf entschlossen. Außer Deutschland sind Dutzende Länder weltweit betroffen.

Wie viele Riegel werden zurückgerufen?
Mars nennt die genaue Anzahl nicht. Klar ist aber, dass es sich um viele Millionen Stück handeln muss. Allein für die Niederlande hat der Konzern die Zahl von vier Millionen genannt. Insgesamt sind 55 Länder von dem Rückruf betroffen. Allerdings: In vielen dieser Länder sind nur Flughafen-Shops betroffen, die nicht über die reguläre Logistik beliefert werden.

Warum sind so viele Riegel betroffen?
Mars betreibt im niederländischen Veghel eine der weltgrößten Schokoladenfabriken. Dort werden Riegel für den gesamten europäischen Markt produziert. Das ermöglicht eine kostengünstige Produktion – bringt in diesem Fall jedoch teure Probleme mit sich. In dem Werk sollen mehrere Wochen lang Umbaumaßnahmen durchgeführt worden sein. Mindestens einmal ist dabei ein gut einen halben Zentimeter großes Plastikteilchen in die flüssige Schokolade gefallen. Ungewiss ist, ob sich der Fehler noch einmal wiederholt hat. Daher ruft Mars vorsorglich all jene Produkte zurück, die mit der in dem Zeitraum hergestellten Schokolade übergossen wurden.

Wie gefährlich sind die Mars-Riegel?
Der Kunststoff Polyethylen (PE) selbst ist beim Verschlucken wohl ungefährlich, weil er meist unverdaut den Körper wieder verlässt. Die Gefahr liegt darin, dass sich ein Mensch verschluckt. Vor allem kleine Kinder können dann sogar ersticken.

Sind Fremdkörper in Nahrung ein häufiges Problem?
Für die industriellen Nahrungsmittelproduzenten sind solche Fremdkörper tatsächlich ein wesentliches Problem. Sie setzen daher sehr häufig Metallscanner ein, durch die alle fertigen Produkte laufen. So können etwa Schräubchen, die sich aus Maschinen gelöst haben, aufgespürt werden. Bei Plastik funktioniert das natürlich nicht.

Wie häufig gibt es Lebensmittel-Rückrufe?
Rückrufe bei Lebensmitteln kommen immer wieder vor. Die Molkerei Bergader etwa ruft gerade Käse zurück, der Metallsplitter enthalten könnte. Ungewöhnlich ist bei Mars die Größe des Rückrufs. Meist können betroffene Margen deutlich enger eingegrenzt werden und betreffen nicht so viele unterschiedliche Produktformate und Marken.

Ist es das erste Mal, dass Plastik in Mars-Produkten gefunden wurde?
Eine schleswig-holsteinische Regionalzeitung berichtet über einen ähnlichen Fall aus dem Jahr 2014. Damals soll sich ein Dithmarscher an einem Plastikstück in einem Snickers-Riegel einen Zahn abgebrochen haben. Für Mars ist dieser Bericht brisant, weil der Konzern bislang von lediglich einem Fall gesprochen hat. Zudem soll Mars vor zwei Jahren schlecht reagiert haben: Der Hersteller habe dem betroffenen Kunden ein Paket Schokolade geschickt – obwohl dieser sich den Zahn inzwischen ziehen lassen musste. Damals habe die deutsche Mars-Tochter dem Kunden mitgeteilt, dass der Riegel im Ausland hergestellt worden sei. Daher liege die Verantwortung woanders. Auf dem Zeitungsportal shz.de sind Fotos mit dem angeblichen Fund zu sehen. Es passt zu der Beschreibung einer Kunststoffabdeckung, die laut Mars auch im jüngsten Fall gefunden worden ist. Am Nachmittag teilte der Konzern auf Anfrage mit, der Fall sei damals untersucht worden. Dabei habe die interne Kontrolle ergeben, dass das Teil keinesfalls im Produktionsprozess in den Riegel gelangt sein könne. Auch sei dem Kunden damals angeboten worden, die Zahnarztrechnung zu übernehmen. Dieser sei aber nicht darauf eingegangen. Ein Mars-Manager in den Niederlanden berichtete zudem, dieses Mal sei eine zersplitterte Kunststoffabdeckung von einer Leitung in die Produktion geraten. Das sei zu spät bemerkt worden.

Was geschieht mit den Riegeln?
Es gibt nur eine Möglichkeit: Mars muss die Produkte entsorgen. Schließlich können Schokoriegel nicht wieder repariert, eingeschmolzen oder in ihre Bestandteile zerlegt werden.

Wer zahlt für den Rückruf?
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38 Kommentare zu "Mars, Snickers, Milky Way: Wie läuft der gigantische Schoko-Rückruf?"

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  • Mal bei ebay nachschauen, da gibt´s alles.

  • Mit dem Bild, das gibt Blasen.

  • Habe im Netz gelesen das es jetzt Klopapier gibt, wo Merkel drauf abgebildet ist, 96% fanden das gut 4% weniger, also ist die Frau beliebt, Weiß hier jemand wo ich das Klopapier kaufen kann?.
    Bitte nur Ernstgemeinte Hinweise,
    Vielen Dank

  • Ja prima, da haben wir doch. Wenn ein Theoretiker und ein Praktiker aufeinandertreffen, kann das nichts werden. Bleiben Sie bei ihren Analysen und Ableitungen daraus und ich bleibe bei dem was in der Praxis gemacht wird und schon ist allen geholfen...

  • Der Dax hat ein Mars gefressen und ist erst mal umgefallen, ich fordere Schadensersatz für den Dax, meine Familie, Herrn Ottos Blondinen u.s.w.

  • Ist schon interessant, wie unterschiedlich Nationen reagieren.

    Wenn man VW beim Schummeln erwischt, fühlt sich eine ganze Nation betrogen.

    Wenn ein U.S Unternehmen im vollen Wissen, dass es Tote geben kann, hier den Verbraucher betrügt, interessiert es keinen.

  • hihi, selbstverständlich hast du in allen Punkten recht.

    Mögen Thor, der Allmächtige, auch weiterhin der Hüter deiner unendlichen Weisheit sein.

  • Schäuble hat immer noch nicht den Knall gehört!
    Er steht weiterhin hinter der Grün-Sozialistischen Merkel Willkommenspolitik der offenen Grenzen aber verlangt im gleichen Atemzug, dass der illegale Willkommens-Einwanderungszug massiv eingedämmt werden soll....wie soll das gehen, Hr. Schäuble mit offenen Grenzen und einer Grün-Sozialistischen Willkommenskultur....Sie können entweder nur offene Grenzen habe, dann werden Sie aber Massen an illegaler Einwanderung haben oder Sie schließen die Grenzen und Schützen sich damit vor der Flüt der illegalen Eiwanderung. Eine Reduzierung der illegalen eingeladenen Merkel Einwanderer wird es mit offenen Grenzen nicht zusammengehen...das ist doch einfach zu verstehen...oder sind Sie und Merkel schon so Grün-Sozialistische Verkalkt?!

  • Es gibt Dinge, die sind in Amiland tatsächlich wesentlich besser als hier. Man kann ohne irgendwelche Talente zu besitzen immer noch Millionär werden: man muss nur das Pech - oder genauer das Glück - haben, z.B. einen solchen "lebensgefährlichen" Schokoriegel zu verspeisen. Mit einem guten Anwalt hat man dann für den Rest seines Lebens ausgesorgt...

  • Mit diese psychologischen Diskussionstechnik ermitteln wir bei den Projekten der Wertstrom-Analyse, ob uns ein Werkleiter belügt, oder ob man ihm (fast) blind vertrauen kann.

    Es ist relativ einfach hierbei Dummschwätzer ohne Vertrauenspotenzial von Menschen zu unterscheiden, mit denen man auch bei x-100 Mio. Aufträgen nachhaltig gut zusammen arbeiten kann.

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