Bayern München - Borussia Mönchengladbach

06.10.2018, Bayern, München: Fußball: Bundesliga, Bayern München - Borussia Mönchengladbach, 7. Spieltag in der Allianz Arena. Christoph Kramer von Borussia Mönchengladbach (l) und Renato Sanches vom FC Bayern München im Zweikampf um den Ball. Foto: Matthias Balk/dpa - WICHTIGER HINWEIS: Gemäß den Vorgaben der DFL Deutsche Fußball Liga bzw. des DFB Deutscher Fußball-Bund ist es untersagt, in dem Stadion und/oder vom Spiel angefertigte Fotoaufnahmen in Form von Sequenzbildern und/oder videoähnlichen Fotostrecken zu verwerten bzw. verwerten zu lassen. +++ dpa-Bildfunk +++

(Foto: dpa)

Matched Betting So bringen clevere Spieler die Sportwettenanbieter in Probleme

Im harten Wettanbietermarkt werben Unternehmen mit komplizierten Bonus-Aktionen um Neukunden. Das wird oft zum Bumerang – für die Wettanbieter .
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DüsseldorfSportwetten sind fast so alt, wie die Geschichte der Menschheit. Der Anreiz einer verlockenden Rendite überwiegt das kühle Risiko eines Einsatzes – so einfach funktioniert das Geschäft. Was aber, wenn sich dieses Risiko eliminieren lässt, es also einen sicheren Gewinn bei Sportwetten gibt? Was viele nicht wissen: Solch eine Möglichkeit gibt es schon lange.

Zuletzt entdeckten jedoch immer mehr Nutzer das Matched Betting. Damit können risikolos Bonusaktionen abgegriffen werden. Bis zu 9000 Euro sind so pro Person drin – gerade unter Studenten gewinnt die Methode derzeit an Beliebtheit.

Der technologische Fortschritt vereinfachte das Verfahren zuletzt massiv, was vor allem kleinere Anbieter von Sportwetten große Sorgen bereitet. Sie sehen teils sogar ihre Existenz bedroht. Das Portal Onlinecasino Deutschland schätzte jüngst den monatlichen Branchen-Schaden durch Matched Betting auf weltweit 20 Millionen Euro. Das Problem ist durch eigens ausgegebene Bonus-Aktionen zwar hausgemacht, im harten Anbietermarkt aber ein notwendiges Kalkül.

Was Spieler freut, beunruhigt Michael Rasmussen vom Buchmacher Marathonbet Group: „Sobald eine neue Firma einen Bonus anbietet, haben sie mittlerweile eine Armee von Spielern mit abgestimmten Wetten am Hals.“

Matched Betting oder auch Bonushunting wirkt auf den ersten Blick verwirrend, doch die Idee ist denkbar einfach: Alles dreht sich um das Abgreifen von Bonusaktionen bei Buchmachern. Bekannte Unternehmen wie Tipico oder Betway setzen zur Kundengewinnung auf Aktionen, bei denen beispielsweise Einzahlungen verdoppelt werden.

Allerdings muss dafür eine bestimmte Anzahl an Wetten mit Mindesteinsätzen getätigt werden. Das Problem daran ist, dass diese notwendigen Wetten nie garantiert eintreffen. Was aber, wenn nun alle möglichen Ergebnisse durch eine Gegenwette abgesichert werden können?

Hier kommt Matched Betting ins Spiel. Über eine Wettbörse, auf der auch Privatleute ihre Wetten anbieten können, wird genau eine solche Wette aufs Gegenereignis möglich. So bedeutet der Verlust auf der einen Seite, einen deckenden Gewinn auf der anderen Seite.

Wenn die Bedingungen des Buchmachers erfüllt sind, kann der Bonus auf das eigene Konto überwiesen werden. Voraussetzung dafür sind also neben einem gewissen Startkapital, Konten bei einem Buchmacher und bei der Wettbörse – die einzige Möglichkeit in Deutschland ist hier Matchbook.

Ein Beispiel für Matched Betting aus dem Fußball: Angenommen, der FC Bayern München spielt gegen den RB Leipzig. Der Kunde wettet 100 Euro bei einem Buchmacher, dass Bayern gewinnt und nimmt Wetten im selben Wert mit derselben Quote gegen Bayern an der Wettbörse an. 

Ausgang A: Bayern gewinnt, und der Buchmacher zahlt dem Kunden den Einsatz von 100 Euro mal der Quote aus. An der Wettbörse muss der Kunde, der dort ja selbst als Buchmacher auftritt, 100 Euro mal die von ihm angebotene Quote auszahlen. Das gilt auch bei einem Unentschieden, denn an der Wettbörse wird immer auf das komplette Gegenereignis vom Buchmacher gesetzt und angeboten.
Ausgang B: Leipzig gewinnt, und der Kunde verliert seinen Einsatz beim Buchmacher. Er gewinnt aber den 100-Euro-Einsatz des eigenen Kunden an der Wettbörse.

Matched Betting ist damit bei richtiger Anwendung vollkommen risikolos und selbst für Sportlaien profitabel. Kein Wunder, dass es bei Wettanbietern ein unpopuläres Thema ist und nur wenige von ihnen Stellung beziehen wollen.

Beispielsweise sagt aber Dominic Sauer vom Buchmacher Tipico: „Bonushunting ist kein Thema, das man in der Branche groß problematisiert, weil die finanziellen Erlösmöglichkeiten für einen Spieler recht limitiert sind.“ Auch Graham Sharpe von William Hill schließt sich seiner Meinung an: „Die Industrie hat kein besonderes Problem mit Matched Betting.“

Beliebt sind solche Kunden natürlich trotzdem nicht. Buchmacher versuchen zunächst, den Spieler von weiteren Bonusaktionen auszuschließen. Wenn mehrere Accounts unter seinem Namen laufen, können diese aufgrund von Verstößen gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) eingefroren werden – über das eigene Geld behält der Inhaber aber die Kontrolle, da es nicht gesetzlich verboten ist.

Es geht aber auch anders: Aktive Spieler berichten von einem Fall beim Anbieter Sky Bet. Dort wurde zur vergangenen Weltmeisterschaft ein Neukundenbonus von 500 Euro angeboten. In mindestens einem Fall wuchs der Kontostand eines Spielers auf mehr als 2.000 Euro an, den Sky Bet schließlich komplett einfror. Grund dafür war „verändertes Wettverhalten“ des Spielers.

Die Willkür dieser Begründung liegt mitunter nahe, Sky Bet verteidigt sein Vorgehen jedoch gegenüber dem Handelsblatt. „Als Unternehmen müssen wir uns vor dieser Art der Ausbeutung schützen. Wir können solche Boni nicht anbieten, wenn wir solche Risiken nicht ausschalten.“ Für den Sky-Bet-Kunden war es in diesem Fall ärgerlich, denn er verlor nicht nur die 500 Euro Einzahlung beim Buchmacher, sondern setzte auch knapp 1.500 Euro bei Matchbook.

Wie eine solche Identifizierung stattfindet, sagt Sky Bet nicht. Nur, dass es sich um eine „kleine Minderheit“ von Spielern handeln würde. Dominic Sauer von Tipico betont jedoch: „Bonushunter hat man relativ schnell auf dem Radar.“ Bei Tipico sei es ebenfalls nur eine überschaubare Anzahl – die echten Werte dürften hingegen spürbar höher liegen.

Unternehmen tauschen sich zwar über verdächtige Accounts aus. Das ist für Spieler aber leicht zu umgehen: Diese raten in ihrer Community dazu, variable Einsätze in bekannten Ligen zu spielen.

Probleme mit der grundsätzlichen Legalität sehen die Buchmacher nicht. Die Glücksspielaufsicht, für die das Land Hessen zuständig ist, hat die Seite der Wettbörsen grundsätzlich ins Auge gefasst. Sie kann jedoch nichts ausrichten: „Wettbörsen im Internet sind in Deutschland nach dem Glücksspielstaatsvertrag nicht erlaubt“, heißt es aus dem Ministerium in Wiesbaden.

Matchbook, einzige Wettbörse in Deutschland, operiere vor Ort dennoch legal. Was zählt, ist der Ort der Zulassung. Da Matchbook seinen Sitz in der Britischen Steueroase Guernsey hat, darf es nach EU-Recht auch in Deutschland operieren. „Sie agieren damit im Graubereich. Das heißt, sie sind in ihrem Herkunftsland legal, aber nicht unbedingt dort, wo der Spieler sitzt. Das einzige, was ihnen passieren könnte, wäre, dass der deutsche Fiskus bei ihnen aufschlägt und Steuern verlangt“, weiß Rechtsanwalt Michael Schmittmann von der Kanzlei Heuking.

Matchbook agiere damit nicht anders als zum Beispiel Tipico, das seine Zulassung in Malta erhielt. Für Spieler sind das gute Nachrichten: „Sie machen sich nicht strafbar, sofern Matchbook an seinem Sitz eine gültige Zulassung hat“, berichtet Schmittmann. Mit dem Brexit im kommenden Jahr wird sich das im Fall Matchbook aber ändern.

Das einzige Restrisiko ergibt sich somit nur noch aus den AGB. Und selbst hier, würde ein Verfahren wohl zugunsten der Spieler ausfallen. Problem ist, dass beispielsweise ein Verfahren gegen das Handeln von Sky Bet, in Malta geführt werden müsste. Kleinbeträge vor dem Zivilgericht dort auszuhandeln wäre jedoch viel zu aufwändig und teuer – das wissen auch die Buchmacher.

Glücksspielrechtler Schmittmann rät, eine Beschwerde bei der Gambling Commission einzureichen. Wenn die Zulassung deswegen unter Druck gerät, würden Wettanbieter häufig zurückrudern.

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