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Maximilian Bittner Ein deutscher Start-up-Legionär will Pariser Modeplattform internationalisieren

Maximilian Bittner führt die Pariser Luxusmode-Plattform Vestiaire Collective nach Asien und in die USA. Der Manager ist international zu Hause.
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„Ich will das Angebot ausweiten, etwas demokratisieren, auch Marken zulassen, die im oberen Niveau der Massenmode liegen wie Mango.“, so Bittner. Quelle: Bloomberg
Lazada Group CEO Maximilian Bittner

„Ich will das Angebot ausweiten, etwas demokratisieren, auch Marken zulassen, die im oberen Niveau der Massenmode liegen wie Mango.“, so Bittner.

(Foto: Bloomberg)

ParisSo stellt man sich einen Rugbyspieler vor, groß, breit gebaut. Rugbyspieler war Maximilian Bittner mal, aber bekannter wurde der 40-Jährige als Gründer des südostasiatischen Onlineversands Lazada – einer der Amazon-Epigonen, die Rocket Internet in aller Herren Länder aus dem Boden stampfte.

Bittner war einer der erfolgreichsten Statthalter des Berliner Start-up-Investors, zwischen 2016 und 2018 übernahm Alibaba den Internetmarktplatz schrittweise für mehrere Milliarden Dollar und wechselte Bittner schließlich als CEO gegen ein Eigengewächs aus.

Seit Anfang des Jahres hat der deutsche Managerlegionär einen neuen Job, als angestellter Chef der französischen Plattform Vestiaire Collective für luxuriöse Secondhandmode. Nun sitzt er in seinem Büro im 15. Pariser Arrondissement im Süden der Stadt. Im Büro sitzen alle im Großraum, die Tür zu Bittners kleinem Konferenzraum steht weit offen.

Max Bittners Arbeitsdress ist ein grauer Pullover von der luxuriösen LVMH-Marke Berluti, den er auf der eigenen Plattform gekauft hat. Die Jeans und Turnschuhe, die er dazu trägt, fügen sich dagegen eher in den Start-up-Dresscode ein, der zu den vielen jungen Mitarbeitern des vor zehn Jahren gegründeten Unternehmens passt.

Chef und Angestellter zugleich

Bei Lazada hatte er 7.000 Angestellte, bei den Franzosen sind es nur 350 weltweit. Von den sechs Gründern sind immer noch welche am Unternehmen beteiligt. Bittner ist ihr Chef, aber auch ihr Angestellter. Wie fühlt sich das an? „Es ging mir nicht darum, was Neues zu gründen, das habe ich schon gemacht“, erklärt Bittner. „Hier kann ich mitgestalten. Und entscheidend ist nicht, wie groß Unternehmen sind, sondern wie groß sie sein können.“

Bittner will Vestiaire Collective noch stärker internationalisieren. In die USA und nach Asien, für das er seit Lazada Experte ist. Außerdem ist er nicht nur Angestellter, sondern auch selbst mit einem Anteil eingestiegen. Wie groß der ist, bleibt sein Geheimnis. Seine Vision: „Mindestens zehn Jahre mitgestalten.“

Vestiaire Collective bietet eine Million Produkte an. Rund 1.000 Marken hat die Plattform derzeit im Angebot, darunter Cartier, Chanel, Dior und Louis Vuitton, rund acht Millionen Kunden in 58 Ländern. Hier setzt Bittner mit seinen ersten Maßnahmen an. „Ich will das Angebot ausweiten, etwas demokratisieren, auch Marken zulassen, die im oberen Niveau der Massenmode liegen wie Mango.“

Es ging mir nicht darum, was Neues zu gründen, das habe ich schon gemacht. Max Bittner, Chef von Vestiaire Collective

Und deshalb wurden auch die Kommissionen angepasst. Sie lagen vorher bei rund 25 Prozent und wurden im Schnitt um zehn Prozent reduziert. Mit 15 Euro Kommission für Verkäufe von 0 bis 150 Euro geht es los, ab 7.500 Euro und mehr Artikelpreis gilt die Obergrenze 1.500 Euro. Auch technisch will er die Plattform vorantreiben, vor allem die Personalisierung des Angebots und das Datenmanagement, um zu wissen, wer sich bestimmte Sachen ansieht.

Gleiche Trends bei Lazada und Vestiaire Collective

Bittner bringt dabei viel von seiner Erfahrung bei dem 2011 gegründeten Lazada ein. „Damals explodierte die Mittelklasse in der Region, das Mobiltelefon verbreitete sich“, erzählt Bittner. International zu arbeiten war nichts Neues für Bittner, er hatte sein Abitur in Schottland gemacht, Geschichte und Volkswirtschaft in London studiert und schließlich einen MBA in Chicago bei der Kellogg School of Management gemacht. Bis heute berate er das Unternehmen.

„Was mich ähnlich wie bei Lazada bei Vestiaire Collective gereizt hat, sind die gleichen Trends. Die Generation Z ist immer mobiler. Das Konsumverhalten der unter 30-Jährigen ist ganz anders als früher. Vor allem eine Einstellung überwiegt: Sie setzen immer mehr auf Nachhaltigkeit.“

Auch deswegen will sich Vestiaire Collective von der Massenmode abheben. Bei Luxus sei die emotionale Verbindung zur Mode besonders groß. Die Kunden, darunter Kim Kardashian und viele Fußballer, schauen nicht auf jeden Euro: Neulich wurde mal eine Uhr für 65.000 Euro verkauft, ein Ring für 60.000. Seine Heimat sei da anders: „Der deutsche Markt unterscheidet sich, er ist wesentlich preissensibler.“

Das kann man über die USA nicht sagen. Dafür hat der selbsterklärte europäische Marktführer dort mit „The RealReal“ einen ausgewachsenen Konkurrenten. Aber eben auch große Pläne: Der Umsatz, der 2017 laut Schätzungen bei 140 Millionen Euro lag, soll nach dem Plan von Bittners Vorgänger, dem Mitgründer Sébastien Fabre, binnen vier Jahren um das Siebenfache wachsen.

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