Media Markt Saturn Nach erneuter Gewinnwarnung – Ceconomy erwägt den Umbau des Managements

Der Aufsichtsrat will nach zwei Gewinnwarnungen durchgreifen. Der Vorstand könnte umgebaut werden. Besonders großer Druck lastet auf Finanzchef Mark Frese.
Kommentieren
Für den Vorstand von Ceconomy wird die Luft dünn. Der Aufsichtsrat plant nach der zweiten Gewinnwarnung innerhalb weniger Wochen einen Umbau des Managements. Quelle: dapd
Media Markt Saturn

Für den Vorstand von Ceconomy wird die Luft dünn. Der Aufsichtsrat plant nach der zweiten Gewinnwarnung innerhalb weniger Wochen einen Umbau des Managements.

(Foto: dapd)

Der Aufsichtsrat von Ceconomy erwägt Veränderungen im Top-Management, wie Personen, die mit der Lage des Unternehmens vertraut sind, berichten. Am Freitag wolle der Rat tagen, um nach der der Gewinnwarnung in dieser Woche einen möglichen Umbau zu besprechen, sagten die Personen und baten darum, nicht namentlich genannt zu werden, da die Informationen vertraulich sind.

Bereits im September hatte das Unternehmen die Erwartungen nach unten korrigiert. Drei Wochen später senkte Ceconomy den Ausblick abermals – ein Erklärung blieb das Unternehmen seinen Investoren schuldig.

Nachdem die aufeinander folgenden Warnungen den Wert des Unternehmens innerhalb von zwei Monaten um etwa eine Milliarde Euro gedrückt haben, gebe es Druck auf Finanzvorstand Mark Frese, sagte eine Personen. Es sei noch keine Entscheidung getroffen worden und das Gremium unter der Leitung von Jürgen Fitschen, ehemalige Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, könnte beschließen, an der bisherigen Unternehmensspitze festzuhalten, hieß es weiter.

Eigentlich hatte das Unternehmen erst am 25. Oktober vorläufige Umsatzzahlen für das vierte Quartal bekannt geben wollen. Doch die Abweichung von den Erwartungen ist so deutlich, dass die Haus-Juristen dringend zu einer sofortige Veröffentlichung der Jahreszahlen geraten hatten.

So wird das Vorsteuerergebnis (Ebit) nur noch bei 400 Millionen Euro liegen. Gerechnet hatte Konzernchef Pieter Haas zuvor noch mit 460 bis 490 Millionen Euro. Damit dürfte das Unternehmen unter dem Strich im laufenden Geschäftsjahr deutlich in die Verlustzone geraten. Detaillierte Zahlen für das Gesamtjahr will Ceconomy am 19. Dezember veröffentlichen.

Viele Anleger wollten so lange nicht mehr warten und verkauften ihre Aktien angesichts der Hiobsbotschaften sofort. Mehr als 20 Prozent stürzte der Aktienkurs nach Börsenstart am Dienstag ab. Zeitweise fiel der Wert unter die Marke von 4,50 Euro. Damit hat das Unternehmen seit Jahresbeginn Zwei Drittel seiner Marktkapitalisierung verloren.

„Die Gewinnwarnung von Ceconomy ist peinlich. Sie zeigt, dass das Reporting nicht wirklich stabil ist“, sagt Christoph Vilanek, der CEO der Mobilfunkgesellschaft Freenet in einem Interview mit Bloomberg. Sein Unternehmen zahlte im Juni 277 Millionen Euro, um Ceconomys drittgrößter Aktionär zu werden. „Für den Ceconomy-Vorstand wird es nach dieser Performance sehr schwer, das Vertrauen zurückzugewinnen“, sagte Vilanek und fügte hinzu: „Ich fürchte, dass es ohne personelle Konsequenzen nicht gehen wird.“

Vilanek, der noch nicht im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt, sagte, dass er dem Aufsichtsratsvorsitzenden Fitschen einen Aktionsplan vorgelegt habe, der Forderungen nach Verbesserungen beim Geschäftsmodell und bei der Governance beinhalte.

Ceconomy-Sprecherin Andrea Köpfer lehnte eine Stellungnahme ab, und das Unternehmen wollte Frese keine Stellungnahme ermöglichen.

Die Probleme von Ceconomy liegen über zehn Jahre in der Vergangenheit. Media Saturn hatte den Internethandel vernachlässigt. „Online ist ein zusätzlicher Vertriebskanal, aber in unseren Märkten bekommt der Kunde viel mehr: Beratung, Möglichkeiten des Ausprobierens, sofortige Warenverfügbarkeit, breite Auswahl und Service“, beschwichtigte der damalige Konzernchef Roland Weise 2007 im Handelsblatt-Interview.

Und fügte hinzu: „Die Volumina im Onlinehandel werden erheblich überschätzt.“ Eine katastrophale Fehleinschätzung, unter der Media Saturn bis heute leidet. Vor allem das amerikanische Internetkaufhaus Amazon trägt ganz erheblich zum Niedergang bei.

Mittlerweile zeigt sich, dass eine hohe Zahl an Filialen nicht automatisch wirtschaftlichen Erfolg bringt. Nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer großen Verkaufsfläche rutschten die Elektronikketten in die Krise.

Ganz brutal sah man das schon bei der Pleite von Schlecker. Die Drogeriekette hatte zeitweise fast im Tagesrhythmus neue Läden eröffnet. Dahinter stand der Irrglaube, dass stetig steigender Umsatz sinkende Kosten bringt und das Geschäft so zwangsläufig profitabel bleibt. Die Wachstumswut überdeckte aber die strukturellen Schwächen und Managementfehler.

Das rasante Wachstum des Onlinehandels hat aus solch spektakulären Einzelfällen ein Massenphänomen gemacht. Gerade im Modebereich haben sich viele Händler, von Tom Tailor über Boss bis Gerry Weber mit der Filialexpansion verhoben. Wenn immer weniger Kunden in die Geschäfte kommen, wird Ladenfläche vom Kapital zum Ballast. Das gilt verschärft für kostenintensive Warenhäuser und Verbrauchermärkte.

Dass mittlerweile selbst Onliner wie Zalando und Amazon auch Geschäfte eröffnen, ist kein Beleg für eine Renaissance des stationären Handels, sondern illustriert nur den Bedeutungswandel des Ladenlokals. Es ist nicht mehr in erster Linie Abverkaufsfläche, sondern ein Showroom, in dem Kunden die Produkte anfassen und erleben können.

Das ist auch die einzige Perspektive für Media Markt und Saturn. Sie müssen Herstellern eine attraktive Bühne für ihre neuen Produkte bieten, vielleicht sogar gegen eine Miete für die Fläche. Wenn das gepaart wird mit guter, unabhängiger Beratung und Service, werden die Kunden wieder in die Geschäfte kommen. Denn nur dort bekommen sie die Produkte erklärt, können sie ausprobieren und erhalten Hilfe beim Anschluss der Geräte.

Mit Material von Bloomberg

Startseite

0 Kommentare zu "Media Markt Saturn: Nach erneuter Gewinnwarnung – Ceconomy erwägt den Umbau des Managements"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%