Media Markt und Saturn Ceconomy versucht den Neustart ohne CEO Haas

Nach miserablen Zahlen trennt sich Ceconomy von Vorstandschef Pieter Haas. Doch ein Nachfolger steht noch nicht bereit – und die Herausforderungen sind groß.
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Saturn und Media-Markt haben in den vergangenen Jahren verzweifelt versucht, an die Onlinekonkurrenz verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Quelle: dpa
Gewinnrückgang bei Ceconomy

Saturn und Media-Markt haben in den vergangenen Jahren verzweifelt versucht, an die Onlinekonkurrenz verlorene Marktanteile zurückzugewinnen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfMit einem harten Schnitt an der Spitze will der Elektronikhändler Ceconomy die Wende erzwingen. Nach einer außerordentlichen Sitzung entschied der Aufsichtsrat in der Nacht zum Samstag, dass sowohl Vorstandschef Pieter Haas als auch Finanzvorstand Mark Frese das Unternehmen verlassen. Haas legt sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder, Frese bleibt noch, bis ein Nachfolger gefunden ist.

Aufsichtsratschef Jürgen Fitschen war offenbar von wichtigen Investoren gedrängt worden, personelle Konsequenzen zu ziehen. Das Management musste nach zwei Gewinnwarnungen in Folge in dieser Woche eingestehen, dass es auch die reduzierten Jahresziele im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr nicht eingehalten hat. Das hatte die Führung den letzten Kredit gekostet.

„Angesichts der jüngsten Entwicklungen besteht zwischen allen Beteiligten Einigkeit, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für eine personelle Neuaufstellung ist“, begründete Fitschen die Maßnahmen. Nur so werde es Ceconomy gelingen, verloren gegangenes Vertrauen am Kapitalmarkt wieder herzustellen.

Die Aktie hat seit Anfang des Jahres Zweidrittel an Wert verloren, der Kurs liegt mittlerweile nur noch bei 4,65 Euro. Nach der Veröffentlichung der schlechten Geschäftszahlen Anfang der Woche war der Kurs um 20 Prozent eingebrochen. Zahlreiche Analysten sprachen von einem „Desaster“ und einer „Vertrauenskrise“.

Das Vorsteuerergebnis (Ebit) wird nur noch bei 400 Millionen Euro liegen. Gerechnet hatte Konzernchef Haas zuvor noch mit 460 bis 490 Millionen Euro. Damit dürfte das Unternehmen unter dem Strich im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich in die Verlustzone geraten sein. Detaillierte Zahlen für das Gesamtjahr will Ceconomy am 19. Dezember veröffentlichen.

Nun hat sich in dieser Woche auch der Chef des Großaktionärs Freenet, Christoph Vilanek, der neun Prozent der Anteile hält, persönlich eingeschaltet und Aufsichtsratschef Fitschen zum Handeln gedrängt. Vilanek nannte die Gewinnwarnung „peinlich“. Er hatte dem Aufsichtsrat, dem er noch nicht angehört, weil Freenet den Anteil erst kürzlich übernommen hat, einen eigenen Aktionsplan für Ceconomy vorgelegt. Teil davon war die Forderung nach personellen Veränderungen.

Vorübergehend soll Frese zusammen mit Personalvorstand Dieter Haag Molkenteller das Unternehmen führen. Der Suchprozess für eine neue Führung ist jedoch schon in die Wege geleitet. Das Tochterunternehmen Media-Saturn-Holding, in dem das operative Geschäft der Handelsketten Saturn und Media Markt gebündelt ist, soll Ferran Reverter Planet führen. Dieses Amt hatte Haas zuvor in Personalunion ausgeübt.

Haas war seit der Abspaltung der Ceconomy von der Metro im Juli 2017 Vorstandschef des Unternehmens. Davor war er Vorstandsmitglied bei der Metro und hatte Führungsaufgaben bei der Media Saturn Holding. Frese war vor der Spaltung Finanzchef der Metro.

Media Markt und Saturn hatten in den vergangenen Jahren verzweifelt versucht, an die Onlinekonkurrenz verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Haas hatte den lange Zeit verschlafenen E-Commerce vorangetrieben, ebenso die Verknüpfung des Webshops mit den Filialen. So holen die Kunden mehr als 40 Prozent ihrer online bestellten Waren in den Märkten ab.

Doch das Geschäft in den stationären Märkten brach schneller weg, als der Onlinehandel zulegte. Die Veränderung des Geschäftsmodells wurde trotz zahlreicher vielversprechender Experimente mit neuen digitalen Services zu langsam in der Breite umgesetzt. Die kritischen Fragen im Aufsichtsrat mehrten sich. Ein Aufseher sprach Anfang der Woche schon davon, es sei für Haas „ein Wettlauf gegen die Zeit“. Den hat er jetzt verloren.

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