Medienbericht Schwere Vorwürfe gegen Anton Schlecker

Der Gründer der Drogeriemarktkette Schlecker soll einem Medienbericht zufolge schon 2009 die Pleitegefahr erkannt haben. Der Unternehmer habe damals schon Teile seines Vermögens an die Familie übertragen.
Update: 12.08.2012 - 15:29 Uhr 24 Kommentare
Schlecker-Zentrale in Ehingen: Der Firmengründer soll die drohende Pleite bereits 2009 erahnt haben. Quelle: dpa

Schlecker-Zentrale in Ehingen: Der Firmengründer soll die drohende Pleite bereits 2009 erahnt haben.

(Foto: dpa)

StuttgartDie Staatsanwaltschaft wirft Drogerieunternehmer Anton Schlecker laut einem „Spiegel“-Bericht vor, schon Jahre vor der Insolvenz Teile seines Vermögens in Sicherheit gebracht zu haben. Das berichtet das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf den Durchsuchungsbeschluss gegen Schlecker.

Schon als die Umsätze 2008 und 2009 dramatisch einbrachen, habe der 67-Jährige erkannt, „dass die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens drohte“. Von dieser Zeit an hätten „verdächtige unentgeltliche Vermögensübertragungen auf Familienangehörige“ begonnen, zitierte der „Spiegel“ aus dem Beschluss.

Als Beispiel werde unter anderem die Übertragung des Familienanwesens in Ehingen im Wert von angeblich 20 Millionen Euro genannt. Außerdem habe Schlecker seiner Frau ein nach Ansicht der Stuttgarter Staatsanwaltschaft überhöhtes Gehalt von 60.000 Euro im Monat bezahlt. Dies sei "angesichts der Ertragssituation nicht angemessen" gewesen.

Die Angaben decken sich mit früheren Recherchen des „Handelsblatts“. Demnach haben Grundbuchauszüge und Schenkungsverträge belegt, dass Anton Schlecker am 26.  Juni 2009 mit seiner Frau bei einem Notar in Ulm erschien, um ihr das 13.000-Quadratmeter-Anwesen in einem Ehinger Neubaugebiet zu übertragen. 2009 war bereits das vierte Jahr hintereinander, in dem Schlecker rote Zahlen schrieb. Die Krise wurde immer größer.

Nur vier Monate vor der Insolvenz bekam Sohn Lars die Hälfte eines 11.413 Quadratmeter großen Grundstücks, die andere Hälfte ging bereits zuvor an seine Schwester Meike. Wenige Tage vor der Insolvenz verkaufte Schlecker das Zentrallager Österreich für nur 2,5 Millionen Euro an seine Kinder - deutlich unter Wert

Der Durchsuchungsbeschluss war die Grundlage dafür, dass Ermittler vor einem Monat mehr als 20 Wohnungen und Geschäftsräume unter die Lupe nahmen. Die Staatsanwaltschaft wollte damit Beweise gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte sammeln, gegen die sie wegen des Verdachts der Untreue, der Insolvenzverschleppung und des Bankrotts ermittelt. Bei der Aktion hatten die rund 160 eingesetzten Ermittler umfangreiche Unterlagen und Dateien sichergestellt.

Die Ermittler werfen Schlecker dem Bericht zufolge außerdem vor, die Drogeriemarkt-Kette durch eine Art „Schnellballsystem“ finanziert zu haben. So habe er mit seinen Lieferanten außergewöhnlich lange Zahlungsfristen vereinbart und mit dem Erlös aus bereits verkaufter, aber noch nicht bezahlter Ware sein Unternehmen finanziert. Schlecker habe sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern wollen, berichtete der „Spiegel“. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart war am Sonntag nicht für Nachfragen zu erreichen.

Schlecker hatte im Januar Insolvenz angemeldet, nachdem das Unternehmen schon über Jahre Verluste angehäuft hatte. Allein im Jahr 2011 machte Schlecker laut Insolvenzverwaltung mehr als 200 Millionen Euro Minus. Anfang Juni stimmten die Gläubiger für eine Zerschlagung der Drogeriekette. 25.000 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte Mitte Juni Vorprüfungen aufgenommen, ob die Schlecker-Pleite mit möglichen Straftatbeständen in Verbindung steht. Bei Insolvenzfällen wird routinemäßig die Staatsanwaltschaft informiert, im Fall Schlecker gaben die zunächst zuständigen Ulmer Ermittlungsbehörden die Aufgabe an die Kollegen in Stuttgart weiter, wo die Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Wirtschaftsstrafsachen sitzt.

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24 Kommentare zu "Medienbericht: Schwere Vorwürfe gegen Anton Schlecker"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ist eigentlich der Entführungsfall der Schlecker - Kinder jemals gelöst worden?

  • @Ismet_K.

    "Wie einige hier schon geschrieben haben, hat Anton Schlecker nur das gemacht, was alle von uns getan hätten. Seine und die Zukunft seiner Familie retten. Daran ist nichts verwerfliches"

    Eine herzige Betrachtung. Aber wenn ich den Staatsanwalt richtig verstanden habe, dann geht es hier vielleicht um mehrere ernste Straftatbestaende. Ob unter dieser Sicht dann Mitleid angebracht waere? Wenn sich Schleckers Schuld tatsaechlich bestaetigt, dann hoechstens Mitleid mit den Glaeubigern. Aber bisher gilt ja noch die Unschuldsvermutung - mal sehen.

  • Die Stimmung bzgl. der Schlecker Pleite und den zur Seite geschaffenen Vermögenswerten hält sich fast die Waage.
    Wie einige hier schon geschrieben haben, hat Anton Schlecker nur das gemacht, was alle von uns getan hätten. Seine und die Zukunft seiner Familie retten. Daran ist nichts verwerfliches, man muss auch bedenken das er über Jahrzehnte vielen Tausend Menschen in Lohn und Brot gebracht hat.
    Apropos, die Vorgehensweise begrüße ich nicht, aber in der Stellung dieses zu verurteilen bin ich auch wieder nicht. Daher sollten diejenigen die den Finger gegen Anton Schlecker erheben, erst mal in sich gehen und selbst mal überlegen wie man selbst gehandelt hätte...

  • "Ich denke auch man sollte nicht zu hart mit ihm ins Gericht gehen. Für das, dass die Familie eins Milliarden hatte sind die paar Grundstücke und 20 mio da und dort nicht viel. 60 000€ monatlich auch nicht. "

    Nun, man muss auch die Glaeubigerseite sehen. Dahinter stehen auch (viele) Menschen und manches Leid. Und wenn hier wirklich Gelder aus der (spaeteren) Konkursmasse verlagert wurden, dann waren es nicht zuletzt deren Gelder ;-)

  • Ich denke auch man sollte nicht zu hart mit ihm ins Gericht gehen. Für das, dass die Familie eins Milliarden hatte sind die paar Grundstücke und 20 mio da und dort nicht viel. 60 000€ monatlich auch nicht.

  • Zitat:

    "Staatsanwaltschaft überhöhtes Gehalt von 60.000 Euro im Monat bezahlt. Dies sei "angesichts der Ertragssituation nicht angemessen"

    => Ach - und was ist mit Pleitebanken, deren Vorstände Millionen im Jahr kassieren? Die bekommen Milliarden vom deutschen Steuerzahler, anschließend stocken die Vorstände ihre Millionenbezüge auf.

    Was den Banken recht ist, muss dem Schlecker billig sein!

    Schenkt ihm zig Milliarden auf Steuerzahlers Kosten und stellt die Strafermittlungen ein!

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka, hhtp://die-volkszeitung.de

  • Ich finde es doch schon verwunderlich, wieviel Menschen sich negativ über Schlecker äußern.
    Die Staatsanwaltschaft sollte sich auch nicht zuviel anmassen, die Herrschaften fliegen ja wie Geier auf alles.
    Bei einem Gespräch mit einem Vertreter des Staates blieb mir folgende Aussage im Gedächtnis haften:
    "Wenn es einer trotzdem schafft die Insolvenz abzuwenden wird er gefeiert, schafft er es nicht, wird er die geballte Macht des Staates spüren."
    Viele Unternehmen finanzieren sich durch Zahlungszielverlängerungen, wenn es das nicht mehr gäbe, wäre unser Mittelstand in weiten Teilen nicht mehr vorhanden. Warum wirft man Schlecker das vor? Wissen die Staatsanwälte überhaupt was Wirtschaft bedeutet.
    Ich denke nein.
    Und übrigens, die Unternehmen mit den längsten Zahlungszielen, Verzögerungen und Reklamationen sind Staatsbetriebe und Kommunen, die durch Ihr Verhalten privatwirtschaftliche Unternehmen in die Insolvenz treiben und kurioserweise werden dann diese Unternehmen von der Staatsanwaltschaft verfolgt.
    Gerechtigkeit?
    Nein!


  • Die Frage ist doch ab wann Herr Schlecker wusste oder hätte wissen müssen das er Insolvent ist. 2009 war das Jahr nach der Bankenkrise. Da durfte sich ein Privatunternehmer schon Sorgen machen und an die Zukunft denken, auch ohne die Pleite direkt vor Augen zu haben. Das Gehalt von Frau Schlecker muss nicht automatisch mit der Ertragssituation zu tun haben. Auch in anderen Firmen werden die Gehälter nicht automatisch gekürzt wenn das Unternehmen Verluste macht. Die Frage ist ob das Gehalt von Frau Schlecker als angemessen anzusehen ist. Wenn nicht, müsste das bewiesen werden. Die Übereignungen kurz vor der Insolvenz sind allerdings kritisch zu sehen.Das ein Unternehmen lange Zahlungsfristen mit Lieferanten vereinbart ist nichts neues. So erhöhen auch andere Firmen ihren Cash Flow. Das weiß auch die Staatanwaltschaft.

  • Der Schlecker ist mir zutiefst unsympathisch. Allerdings hätte ich mir auch die Taschen vollgestopft, bevor ich das Unternehmen pleitegehen gelassen hätte. Nur die Gutmenschen hätten sicher selbstlos alles den Armen gegeben!

  • Neid ist genau das Gegenteil von Anerkennung.

    Und den Neid der anderen bekommt man dennach genauso geschenkt,
    wie das nicht durch gesellschaftlich anerkannte Eigenleistung erlangte Vermögen.

    ... all jene, die ihre gesellschaftliche Stellung primär ihren Kapitalerträgen verdanken, wissen schon wieso sie den "Neid" so fürchten ...

    "Neid" ist etwas ganz natürliches, den Ausgleich forcierendes, Gerechtigkeit einforderndes Gutes.

    ... denn des Pudels Kern für die Probleme unserer Zeit liegt in der Ungleichverteilung - die Ungleichverteilung ist die Ursache der Wirtschafts- und Finanzkrise.

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