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Mega-Pleite Schlecker-Insolvenz war schon 2010 ein Thema

Heute entscheidet der Schlecker-Insolvenzverwalter über die Zukunft von 14.000 Mitarbeitern. Die Chancen stehen schlecht. Ex-Führungskräfte berichten im Handelsblatt, der Konzern habe wie ein Schneeballsystem gearbeitet.
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Schlecker ist nicht nur die Geschichte eines beispiellosen Erfolges, sondern ebenso eines beispiellosen Scheiterns. Quelle: dpa

Schlecker ist nicht nur die Geschichte eines beispiellosen Erfolges, sondern ebenso eines beispiellosen Scheiterns.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie insolvente Drogeriemarktkette Schlecker arbeitete nach Recherchen des Handelsblattes bereits seit Jahren defizitär. Wie mehrere ehemalige Direktoren des Unternehmens dem Handelsblatt (Freitagausgabe) bestätigten, schrieben schon 2008 rund 4.000 der 10.000 deutschen Filialen von Schlecker Verluste. Den Angaben zufolge liefen allein zwischen 2005 und 2011 rund 650 Millionen Euro Minus auf.

2010 scheiterten Gespräche zwischen Schlecker und verschiedenen Banken über eine Finanzspritze von 300 bis 400 Millionen Euro. Danach wollte der damalige Finanzvorstand einen Insolvenzberater ins Unternehmen holen. Schlecker lehnte ab, der Vorstand ging.

Die Direktoren von Schlecker machen die extreme Expansionsstrategie des Firmengründers für den Zusammenbruch verantwortlich. „Wenn wir ehrlich sind, dann funktionierten wir ab Mitte der 90er Jahre wie ein Schneeballsystem. Es ging nur weiter, weil wir es ständig erweiterten“, sagte ein Altdirektor dem Handelsblatt. „Das ist die eigentliche unternehmerische Leistung von Schlecker, dass er die Pleite so lange hinausgezögert hat.“

Schlecker-Konkurrent Dirk Roßmann sagte dem Handelsblatt, auch ihm sei die Expansionsstrategie merkwürdig vorgekommen. „Ich habe nie verstanden, warum Schlecker in Orten mit 3.000 Einwohnern noch einen zweiten Laden eröffnet hat. Das kann sich meiner Erfahrung nach nicht rechnen“, sagte  Roßmann.

Die Direktoren von Schlecker erklärten, dass Schlecker vor allem wuchs, um seine Einkaufsmacht zu erhöhen und seine Lieferanten in immer größerem Stil als Bank zu nutzen. Schlecker handelte die längsten Zahlungsfristen der Branche aus — teilweise 90 Tage und mehr. Bevor Schlecker die Rechnung für die Seifen, Shampoos und Deo Roller zur Überweisung freigab, hatten die Kunden sie längst bezahlt. In der Zwischenzeit konnte Schlecker mit Geld agieren, das er eigentlich gar nicht hatte.

Heute will der Insolvenzverwalter von Schlecker, Arndt Geiwitz, verkünden, ob er einen Investor gefunden hat und wie es mit der Drogeriekette weitergeht. Betroffen sind 14.000 Arbeitsplätze in Deutschland.

Sechs Wochen langen recherchierten die Handelsblatt-Redakteure Fabian Gartmann und Sönke Iwersen an der größten Pleite Deutschlands. Erstmals ist es dabei gelungen, die engsten Vertrauten von Anton Schlecker zu befragen, die sogenannten S-Klasse-Direktoren. Ihre Aussagen zeichnen ein dramatisches Bild über den Firmengründer. Die Geschichte über Aufstieg und Fall von Schlecker lesen Sie am 1. Juni im Handelsblatt.

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6 Kommentare zu "Mega-Pleite: Schlecker-Insolvenz war schon 2010 ein Thema"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hallo! Ich habe das Unternehmen Mittte der neunziger Jahre verlassen. Ich habe damals u.a. schon die Worte "Schneeballsystem" und "Finanzierung auf Kosten der Industrie" in einer Hausarbeit (BWL Studium) benützt. Das Wort "cash-flow" wurde bei Schlecker oft gebraucht und in einer etwas verfremdeten Art auch angewendet. Eine wirtschaftliche Tragfähigkeit hatten viele Verkaufstellen nicht. Auch nicht bei der notorischen Unterbesetzung, den vielen Überstunden die manch ein(e) Kollege-in geleistet hat,den - zumindest - damals geringen Löhnen, den niedrigen Mietkosten, der kostengünstigen Regalausstattung, dem geringen Wareneinsatz pro Markt, u.s.w..

  • nur chefs die belogen werden wollen, um ruhig zu schlafen,können von ihren mitarbeitern hinters licht geführt werden.

    im übrigen hätte alfons sich eben selbst mehr ums controlling kümmern können,fremdrechnungen,einzahlungen und auszahlungen kann man nicht unterdrücken und fälschen

    die pleite hat sich einen nichtskönner und feigling gegriffen,der sich als pumpgenie verstand.

    seinen warenkreditgebern und seinen sonstigen gläubigern soll die pleite eine mahnung sein in zukunft genauer hinzukucken und nicht dem schein nach zu handeln und auf ihn reinzufallen.

  • Gerade die (Alt-)Direktoren brauchen sich jetzt aus dem Fenster lehnen, viele Besetzungen waren oder sind ein lächerlicher Witz und Mitschuld an der Situation! Ja-Sager mit markigen Sprüchen, die AS täuschten um keine Breitseite abzukriegen und den Kahn mit schwachsinnigen Ideen wie XL/Meniar vollends versenkten.

    Aber AS hatte die Führungsmannschaft die er verdiente, schließlich hat er alle Kritiker umgehend entfernt... Wenn ich nur an den lächerlichen Affentanz der VST-Touren denke mit Ware auffüllen/umräumen und Filiale herrichten... wie viele reale und unpräparierte Filialen er in den letzten Jahren wohl wirklich gesehen hat? Dieses Unternehmen musste früher oder später scheitern.

  • Wer kontrolliert denn einen eingetragenen Kaufmann? Die nächste Person wäre ja ein Prokurist. Aber einen Aufsichtsrat gibts doch garnicht.

  • Das ist klares Insiderwissen, genau so war es.
    Hr.Schlecker wurde von seinen eigenen Aufsichtspersonen belogen und betrogen.
    Wir wussten, dass dieses Kartenhaus aus Lügen irgendwann einstürzt.
    Eine Mitarbeiterin

  • Dass diese Direktoren namentlich nicht genannt werden, ist schon klar. Doch was ist mit den Direktoren, die vor jeder Ladenvisite durch Anton Schlecker veranlassten, dass Ware entweder versteckt wurde, oder von Laden zu Laden transportiert wurden. Auch auf Ratschläge von "unten" wollten sie nicht hören unter Hinweis auf die Hierarchie.

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