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Megacitys in Asien Das Geschäft mit dem Stau

Asiens Stadtplaner bekommen die Verkehrsprobleme nicht in den Griff. Doch Unternehmen finden neue Wege, wie Kunden ohne Auto oder Bahn schnell ans Ziel kommen – mit Gondeln oder digital vernetzten Motorrad-Taxis.
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Die App GrabBike will den Verkehr in der thailändischen Hauptstadt vernetzen. Quelle: Imago
Stau in Bangkok

Die App GrabBike will den Verkehr in der thailändischen Hauptstadt vernetzen.

(Foto: Imago)

Bangkok Gelegentliche Todesangst gehört zum Weg ins Büro dazu: Wer in Bangkok mit einem Motorrad-Taxi ins Büro fährt, erlebt regelmäßig Schrecksekunden: Rote Ampeln gelten nur als Empfehlung, die Knie schrammen an Autos vorbei und zur Not wird die Fahrt auf dem Bürgersteig fortgesetzt. Trotzdem nehmen viele Bangkoker das Risiko in Kauf: Die Alternative hieße, im Stau zu stehen – oft stundenlang.

Seit Jahrzehnten rasen die Moped-Taxis durch die Innenstädte Südostasiens. Nun aber ereignet sich eine Revolution der Branche: Sie wird digitalisiert. Wie bei Uber sollen Smartphone-Apps Fahrer und Passagiere schneller zusammenbringen. In dieser Woche hat der asiatische Uber-Konkurrent Grabtaxi sein Projekt Grabbike in Bangkok vorgestellt. „Tausende Motorradfahrer werden bald Personen und Waren durch Bangkok transportieren“, sagt die Thailand-Chefin Juthasree Kuvinichkul. „Und das einfach durch den Stau hindurch.“

Grabtaxi gehört zu den neuen Unternehmen, die von der Niederlage der Verkehrsplaner gegen die Automassen profitieren wollen. Nicht mehr nur klassische Infrastruktur-Unternehmen wollen an Asiens Verkehrsprobleme verdienen. Neben Startups hoffen dank der Staus sogar Liftbauer auf glänzende Geschäfte.

Indonesien, das bevölkerungsreichste Land Südostasien, ist für die Anbieter ein beliebtes Experimentierfeld. Nicht ohne Grund: Die Hauptstadt Jakarta hat laut einer Studie des Motorenöl-Herstellers Castrol im internationalen Vergleich von 78 Metropolen das größte Stauproblem weltweit. Die Durchschnittsgeschwindigkeit von Autos liegt bei 8,3 Kilometern pro Stunde. Pendler verbringen in der Stadt in der Regel mehrere Stunden am Tag im Stau, eine U-Bahn gibt es nicht.

Der indonesische Gründer Nadiem Makarim sah in dem Problem ein Geschäftsmodell. Er war der erste, der Mopedfahrer via App mit Passagieren verband, die sich mithilfe der Roller an den im Verkehr feststeckenden Autos vorbeischlängeln wollen. Sein Programm mit dem Namen Go-Jek wurde bereits fast eine halbe Million Mal heruntergeladen, rund 10.000 Fahrer knattern für die Nutzer durch die Stadt.

Von Kairo bis Delhi verfolge man den Trend interessiert, sagt John Rossand, der Vorstand der ders Pariser Denkfabrik New Cities Foundation. Er rechnet mit vielen Nachahmern in Schwellenländern weltweit. Grabtaxi ist einer der Anbieter, der die Idee aufnahm und sie in der Region in den vergangenen Monaten rasant verbreitet hat. Seinen Service Grabbike gibt es neben Bangkok mittlerweile auch in Ho-Chi-Minh-Stadt, Hanoi und Jakarta.

Österreichische Seilbahnen für Indonesien

Wie in der bolivianischen Hauptstadt könnten bald auch in Asien Gondeln die STraßen entlasten. Quelle: Reuters
Seilbahn in La Paz

Wie in der bolivianischen Hauptstadt könnten bald auch in Asien Gondeln die STraßen entlasten.

(Foto: Reuters)

Eine Geschäftschance in Indonesiens Verkehrskollaps sieht auch der österreichische Seilbahn-Hersteller Doppelmayr. Das am Bodensee ansässige Unternehmen ist bekannt für seine Gondeln, die Skifahrer auf Berggipfel bringen. Nun will die Firma auch in tropischen Megacitys stärker Fuß fassen und dort die Straßen entlasten. In der indonesischen Stadt Bandung, eine Metropolregion mit mehr als sieben Millionen Einwohnern, sollen die Bürger nach dem Willen der Stadtverwaltung bald in Doppelmayr-Gondeln über die Staus hinwegschweben können. Stadtplaner haben grünes Licht für das Projekt gegeben, das in Kürze starten soll. Ein ähnliches System ist bereits in der bolivianischen Stadt La Paz im Einsatz

„Die Seilbahn erschließt eine neue Verkehrsebene, nämlich den ersten Stock“, sagt Marketingleiter Ekkehard Assmann, der für die Vorzüge der Lösung wirbt. Die Gondeln ließen sich auch an Orten installieren, an denen der Platz für herkömmliche Verkehrsinfrastruktur fehlt – nötig seien nur ein paar Stützen sowie eine Anfangs- und Endstation. Zudem seien die Betriebskosten des weitgehend automatisierten Systems sehr gering.

Bandungs Bürgermeister Ridwan Kamil will die Gondelanlage zunächst einsetzen, um zwei Einkaufszentren miteinander zu verbinden. Zur Rushhour brauchen Autofahrer derzeit gut eine halbe Stunde für die Strecke. Passagiere in den geplanten Gondeln sollen den Weg, der in der Luft nur knapp einen Kilometer lang ist, in vier Minuten zurücklegen können. Für die Zukunft schwebt Bürgermeister Kamil ein zehn Kilometer langes Gondelnetz vor.

Einen Haken gibt es jedoch: Große Menschenmassen wie in U-Bahnen lassen sich in den Gondeln nicht transportieren. In Bandung geht man zunächst von knapp 5000 Personen pro Stunde aus. „Eine Seilbahn ist nicht die Lösung aller Verkehrsprobleme“, sagt Assmann. Für bestimmte Anwendungen, etwa als Verbindung zwischen den Stationen von zwei U-Bahn-Linien, mache sie aber durchaus Sinn.

Als Alternative bleiben die flinken Moped-Taxis. Allein in Bangkok sind rund 50.000 Fahrer registriert. Man erkennt die Fahrer an den orangenen Westen, meistens warten sie an zentralen Kreuzungen oder an U-Bahn-Haltestellen. Eine Fahrt mit ihnen ist in der Regel teurer als mit dem Taxi – für die Geschwindigkeit zahlen die Kunden gerne mehr.

Apps wie Go-Jek und Grabbike wollen nun neben der Geschwindigkeit auch noch Komfort bieten. „Kein Passagier soll länger als fünf Minuten warten müssen“, verspricht Grabtaxi-Chefin Juthasree. Der Kunde gibt in die App auch sein gewünschtes Ziel ein und sieht sofort den festgelegten Preis. Das erspart die ansonsten üblichen Verhandlungen mit dem Fahrer. Außerdem gibt es für die Passagiere bei Bedarf ein Regencape und einen Helm – in Städten wie Bangkok fahren Moped-Mitfahrer trotz der hohen Unfallgefahr meist ohne Kopfschutz.

Im Personentransport sieht Grabtaxi-Chefin aber erst den Anfang. Sie will auch Online-Einkäufe selbst während der Hauptverkehrszeit schnell ans Ziel bringen. „Wir wollen auch Dienstleister für kleine Unternehmen im E-Commerce werden“, sagt sie. „Es gibt einen großen Bedarf, dass die Waren in den verstopften Städten schnell und effizient verteilt werden.“

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