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Mercado Libre Das Ebay Lateinamerikas überzeugt die Investoren

Die Verkaufsplattform Mercado Libre ist fast so viel wert wie das Vorbild Ebay. Jetzt sorgt ein digitales Bezahlungssystem für das nächste Hoch.
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Die argentinische Verkaufsplattform ist mittlerweile fast so viel wert wie Ebay. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Apps von Mercado Libre

Die argentinische Verkaufsplattform ist mittlerweile fast so viel wert wie Ebay.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Salvador Vor genau 20 Jahren hatte Marcos Galperín seine Gelegenheit für einen Elevator-Pitch – also die einmalige Chance, einen Investor in wenigen Augenblicken von seinem Geschäft zu überzeugen. Damals machte der Sohn aus einem argentinischen Lederimperium gerade in Stanford ein MBA. Sein Professor fragte, ob er nicht John Muse, Gründer des Private-Equity-Fonds Hicks, Muse, Tate & Furst, zum Flughafen fahren wolle.

In der knappen halben Stunde bis zum Airport San Franciscos überzeugte der Argentinier den US-Finanzier von seinem Projekt einer digitalen Verkaufsplattform. Der stieg nicht nur in dessen gerade gegründetes Internetunternehmen Mercado Libre als einer der ersten Investoren ein.

Muse überzeugte 1999 im Internetfieber der Jahrtausendwende auch noch die Elite der US-Hedgefonds und Investmentbanken – von Goldman Sachs bis JP Morgan –, ebenfalls in die E-Commerce-Plattform aus Argentinien zu investieren.

Gerade noch rechtzeitig: Denn nur ein Jahr später stürzte Argentinien in die schwerste Wirtschaftskrise seiner Geschichte. Mit Rezession, Schuldenstopp und schweren Unruhen. Doch Mercado Libre überlebte die Krise nicht nur, sondern das Unternehmen breitete sich in Kürze in ganz Lateinamerika aus. Mit einer Überkreuzbeteiligung von 19,5 Prozent stieg auch das Vorbild Ebay bei Mercado Libre ein – und überließ Lateinamerika dem argentinischen Nachahmer.

Argentiniens Silicon Valley

Inzwischen ist Mercado Libre an der Nasdaq in den USA mit einer Marktkapitalisierung von rund 30 Milliarden Dollar fast so viel wert wie Ebay. In der Nordzone von Buenos Aires hat der 47-jährige Galperín vor einer Woche das neue Hauptquartier des inzwischen wertvollsten argentinischen Konzerns eingeweiht.

Mit dem großzügigen Design, der gläsernen Front und den Wohlfühloasen können sich die 2000 Mitarbeiter von Mercado Libre wie im Silicon Valley fühlen. Und das mitten in Argentinien, wo die Wirtschaft nach einer kurzen Wachstumsphase wieder in Rezession, Hochinflation und hohe Arbeitslosigkeit abgerutscht ist. Auch im sonstigen Lateinamerika sind die Aussichten wieder mal eher schlecht: Brasiliens Wirtschaft stagniert nun schon im dritten Jahr nach einer zweijährigen Rezession. Mexikos Wachstumsprognosen verdüstern sich.

Umso erstaunlicher ist, dass sich der Kurs der Mercado-Libre-Aktie dieses Jahr mehr als verdoppelt hat. 38 Millionen Käufer und elf Millionen Verkäufer tauschen sich regelmäßig auf der Plattform aus, die wie Ebay funktioniert und wegen der bisher noch wenig digitalisierten Märkte in Lateinamerika ein gewaltiges Potenzial hat. Nur drei Prozent des Konsums werden über das Internet abgewickelt. In den USA sind es zehn Prozent.

Doch der entscheidende Schub bei den Kaufempfehlungen und den Einstieg mehrerer Hedgefonds allein in diesem Jahr als Investoren erreichte Mercado Libre wegen seines digitalen Bezahlsystems Mercado Pago. Die Nutzerzahlen des digitalen Zahlsystems per Mobiltelefon und QR-Code wachsen schneller als die Umsätze der Verkaufsplattform.

Wegen der umfassenden Kenntnisse und Informationen über seine Millionen Käufer und Verkäufer ist der Konzern schneller als andere Fintechs in Lateinamerika in der Lage, auch Kreditvermittlungen, Ratenzahlungen und künftig andere Dienstleistungen anzubieten. Mercado Libre wird vermutlich auch bei der Facebook-Kryptowährung Libra dabei sein. Der Konzern bringt die dafür notwendige Potenz mit.

„Mercado Libre hebt sich wegen seiner beträchtlichen Größe und Ressourcen aus der Masse der Konkurrenten unter den alternativen Finanzanbietern heraus“, beobachtet Marvin Fong, Analyst der Investmentbank BTIG. „Ein wilder Westen“ sei das derzeit in Lateinamerika mit 700 Anbietern, die sich gegenseitig und von den etablierten Banken Marktanteile abjagen wollen.

Interesse von der Deutschen Bank

Seit Paypal im März dieses Jahres bei einer Kapitalerhöhung 750 Millionen Dollar in das argentinische Unternehmen investierte, sind immer mehr Investoren überzeugt, dass in Lateinamerika eine dominierende Micropayment-Plattform heranwächst. Zumal das Unternehmen sein E-Finance erst jetzt nach Brasilien und Mexiko, den zwei größten Märkten der Region, ausdehnen will.

Die Deutsche Bank hält das an die Marktplattform gekoppelte Bezahlmodell des argentinischen Unternehmens für attraktiv, weil es vor allem bei kleinen Händlern und Konsumenten ansetzt. Das untere Marktsegment ist riesig in Lateinamerika – im Gegensatz zum härter umkämpften Premiumsegment der – vergleichsweise – kleinen Mittelschicht und Wohlhabenden, auf das sich viele Fintechs konzentrieren.

Wegen der hohen Bewertungen der Aktie hat etwa JP Morgan die Empfehlung für den Kauf erst mal ausgesetzt. Bei fast allen Investmentbanken hat der Kurs mit über 600 Dollar bereits die Kursziele für dieses Jahr erreicht. Ob die Bewertungen realistisch sind, wird sich nächstes Jahr zeigen: JP Morgan rechnet damit, dass Mercado Libre erstmals 2020 einen deutlichen Gewinn erwirtschaften wird. Im ersten Quartal dieses Jahres ist der hauchdünn ausgefallen.

Doch nun muss das Unternehmen in Argentinien und Mexiko massiv in Marketing investieren, um seine Bezahlplattform durchzusetzen – das wird die Ausgaben deutlich erhöhen. Analyst Jeremy Bowmann von Motley Fool, einem Internetforum für Aktieninvestoren, hält das Wachstumspotenzial von Mercado Libre für „wahrscheinlich um ein Vielfaches höher“ als bei Amazon angesichts der langfristigen Chancen im bisher wenig verbreiteten E-Commerce und Zahlungsverkehr Lateinamerikas.

Kein Wunder, dass sich der argentinische Präsident Mauricio Macri bei der Eröffnung des neuen Hauptquartiers an der Seite Galperíns, mit dem er schon lange befreundet ist, sichtlich wohlfühlte. Er stöhnte: „Wenn ich doch jeden Tag so einen angenehmen Termin hätte.“

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