Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Messebesuch Die Fibo ist in der Massephase – ich auch

In Köln ist die größte Fitnessmesse der Welt gestartet. Man kann Bodybuilder sehen – und massenhaft Fitness-Food probieren. Wir haben uns durchgegessen.
13.04.2018 - 10:39 Uhr Kommentieren

Gratis Fitnessstudio und Protein-Bier: Das sind die Sport-Trends 2018

Köln „Was macht denn der Tim, der sieht ja aus wie ein Gorilla!“, sagt ein muskelbepackter Typ im Zug zu seiner Freundin. Beide, solariumgebräunte Raucher mit winzigen Turnbeuteln auf schrankbreiten Rücken, stecken die Köpfe ins Handy, um ihren Instagram-Kanal zu checken. Hashtag #Fibo2018.

„Diätgewicht“, kommentiert sie. „Ja, aber der geht doch wieder total auf in den nächsten vier Wochen. Der isst sonst nur Fastfood.“

Sie sind, wie ich auch, unterwegs nach Köln zur weltgrößten Fitnessmesse Fibo, die am Donnerstag wieder ihre Pforten geöffnet hat. Ein Spektakel, das in diesen Tagen seinesgleichen sucht. Hier versammelt sich alles, was im Bereich Fitness, Wellness und Gesundheit Rang und Namen hat. Studiobetreiber, Trainer, angesagte Influencer, Physiotherapeuten, Groß- und Einzelhändler sowie Betreiber von Hotellerie und Erholungsanlagen aus mehr als 100 Nationen sind vertreten.

Während andere Messen wie die Hannover-Messe oder die Cebit gegen den drohenden Bedeutungsverlust kämpfen, legt die Fibo kräftig zu: kamen im Jahr 2014 nur rund 680 Aussteller, sind es in diesem Jahr schon mehr als 1.130 – gegenüber 2017 ein Plus von elf Prozent.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Wäre die Fibo ein Bodybuilder, dann wäre sie wohl in der Massephase. Der Branchen-Umsatz ist in Deutschland 2017 um 3 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro geklettert, europaweit auf 25,6 Milliarden Euro. Bis zum Wochenende werden hier rund 150.000 Besucher erwartet.

    „Die Messe ist für jeden Betreiber ein Muss“, sagt Frank Böhme, Geschäftsführender Gesellschafter von Just Fit & Interfit in Frechen. „Die Fibo ist die wichtigste Messe, wenn es um Informationen und News im Fitnessbereich geht”, sagt auch Christine Späth, Inhaberin eines Fitnessstudios aus Dietzenbach.

    Ein Muss ist offenbar auch der Dresscode. Wohin das Auge schaut, sieht es Sneaker und lässige Sweatpants, mit denen man sonst zu Hause auf der Couch herumlümmelt. Gleich in der ersten der zehn Messehallen – man müsste 22 Fußballfelder ablaufen, um alles von der Fibo zu sehen – geht es lautstark zur Sache.
    Ich spüre den Bass in meiner Magengrube hämmern und sehe ganz viel nackte und braun gesprühte Haut. Richtig, aufgesprüht und trocken geföhnt – dabei kann man sogar live zuschauen und sich von zuckersüßen Kokos-Düften umnebeln lassen.

    Gefragt ist eine robuste Magenschleimhaut

    Speedbronzing und Spray-Tanning nennt sich das und ist nicht mehr nur in der Bodybuilder- und Promi-Szene angesagt. Als Alternative zum ungesunden Sonnenbad ist die knackige Bräune aus der Sprühflasche längst auch im Drogeriemarkt-Regal angekommen. Eine Anwendung, so das Versprechen der Hersteller, entspricht circa drei bis fünf Solariengängen.
    Die meisten Leute sehen aber nicht nur aus wie nach zehn Tagen Urlaub in der Karibik, sie sind auch ziemlich gut trainiert. Also keine Fake-Sickpacks, sondern hartes und intensives Training, das Fettpolster schrumpfen lässt und verdammt hungrig macht.

    Daher liegen auf der Fibo natürlich auch Nahrungsergänzungsmittel im Trend - ein gigantischer Markt, der rasant wächst. Experten von Euromonitor schätzen das Volumen bis 2019 auf rund zwölf Milliarden Euro. Zwei komplette Hallen sind von mehr als 250 Herstellern im Bereich Sports Nutrition, Ernährung und Supplements gebucht.

    Wer hier durch die Gänge schlendert, sollte vor allem eines mitbringen: viel Hunger und eine robuste Magenschleimhaut. Denn an jedem zweiten Stand gibt es die wundersamsten Pülverchen und Riegel zu kosten.

    Wo man alles noch Extra-Portionen Protein reinstecken kann, um es hinterher teuer zu verkaufen – selbst Nuss-Nougatcreme und Rosmarin-Chips können nach dem Training mit gutem Gewissen gegessen werden, um das Muskelwachstum zu befeuern. Sogar einen Protein-Kaffee gibt es, den ich mir für 1,50 Euro kaufe und in einem kleinen Tütchen mit nach Hause nehme.

    Hier eine Dose Erfrischungsgetränk mit BCAA-Aminosäuren, dort ein Schlückchen Taurin, ein Löffel Omega3-Öl aus Dänemark und noch einen Bissen von diesem verrückten Insekten-Protein-Riegel, den das Kölner Start-up Swarm hier präsentiert. Der Andrang ist groß und kein geringerer als Fitness-Professor Ingo Froböse lässt sich vom ZDF dabei filmen, wie er ein kleinen Würfel aus zusammengepresstem Grillenpulver verdrückt.

    Als ich am Stand des veganen Starkochs Attila Hildmann ankomme, ist mir schon etwas flau im Bauch und ich beschließe, nichts mehr zu probieren.

    Na gut, ein Schlückchen noch von diesem Samurai-Getränk, das Hildmann, der gerne den harten Typen markiert und mit seinem Selbstbewusstsein die Gemüter erhitzt, jetzt auf den Markt bringen will. Wer sagt schon nein, wenn er mit Attilas schlammgrüner Innovation anstoßen kann?

    Der Geschmack ist übrigens gar nicht übel. Nicht zu süß, nicht zu öko – lecker. Mit 160mg Koffein aus Bio-Matcha und Guarana könnte der Drink, der im Handel 2,99 Euro kosten soll, eine Alternative sein zu den völlig überzuckerten Energy-Drinks von Monster, Rockstar, Red Bull, und Co.

    Ich muss mich mal kurz irgendwo hinlegen

    Schließlich steht dieser ganze Aufputsch-Kram hoch im Kurs – auch bei Studenten und Top-Managern, die ihr Gehirn auf bessere Leistungen und noch mehr Durchhaltevermögen trimmen wollen.

    Wer keine Softdrinks oder Bio-Matcha aus der Dose mag, kann zu den Koffein-Pillen von Alexander Tisch greifen, die der Österreicher unter dem Namen „Retcoff - Rapid Energy Tabs“ auf den Markt bringen will. Er ist CEO und Co-Founder der RD7 GmbH. Es dauert keine drei Minuten, bis die erste kleine Retcoff sich in meinem Mund auflöst, während mein Magen mit den andren Dingen da unten vermutlich gerade zu einer recht explosiven Mischung mutiert, wenn ich nicht sofort aufhöre mit der ganzen Testerei.

    Wie Sie trotz Job und Stress extrem fit werden
    Fit bleiben trotz Stress
    1 von 24

    Wir alle kennen das: Nicht immer lassen sich Arbeit und Sport leicht unter einen Hut bringen. Damit Sie nicht auch zu denen gehören, die den Sport wegen der Arbeit vernachlässigen, habe wir uns einige Bücher angeschaut, die zeigen, wie Sie auch zu Hause in den eigenen vier Wänden fit bleiben können.

    (Foto: AP)
    Lese-Tipps für Vielbeschäftigte
    2 von 24

    Die meisten Vollbeschäftigten, die im neuen Jahr wieder mehr Sport machen möchten, melden sich direkt im Januar in einem Fitnessstudio an. Hoch motiviert, den Feierabend auf der Couch nicht mit Bier und Chips ausklingen zu lassen. Doch je mehr Stress wir haben und Überstunden auf dem Plan stehen, desto größer wird der innere Schweinehund. Die gute Nachricht für alle Arbeitstiere: es geht auch einfacher.

    (Foto: obs)
    Kältetraining
    3 von 24

    Zugegeben: es klingt ungemütlich. Fit und stärker werden durch Kälte. Aber unser Immunsystem sieht das anders und Wim Hof, der sich regelmäßig Temperaturen unterhalb des Gefrierpunkts aussetzt, war - das behauptet er zumindest in seinem neuen Buch - seit Jahrzehnten nicht mehr krank. In "Nie wieder krank" liefert Hof einen detaillierten 28-Tage-Plan, der dabei helfen soll, sich eine von ihm entwickelt Atem- und Konzentrationstechnik anzueignen, um die Kraft der Kälte optimal zu nutzen. Probieren Sie einfach mal Folgendes aus: Duschen Sie warm, wie Sie es gewöhnt sind. Beginnen Sie dann unter dem warmen Wasser mit Atemübungen. Atmen Sie ein und anschließend langsam aus. Atmen Sie tief ein und schön langsam aus. Machen Sie etwa eine Minute lang so weiter – dabei machen Sie sechs bis zehn Atemzüge. Stellen Sie dann die Dusche auf kalt. Nun werden Sie natürlich anfangen, schneller zu atmen, denn die Kälte wird Ihnen einen Schock versetzen. Der Trick ist, wieder ruhig zu atmen. Kontrollieren Sie Ihre Atmung unter der kalten Dusche. Sobald Sie Ihre Atmung wieder unter Kontrolle haben, wird sich die Kälte anders anfühlen.
    (Foto: Riva)

    Sauerstoff optimieren
    4 von 24

    Wenn Ihnen das Kältetraining zu krass ist, können Sie sich auch in Ruhe mit Atemtechniken beschäftigen und das Buch von Patrick McKeown schnappen. Denn die meisten von uns atmen weder bewusst noch richtig, was die Leistungsfähigkeit vermindern und zu Gesundheitsproblemen führen kann. Wir atmen im Grunde zu viel, vor allem dann, wenn wir gestresst sind und die ganze Zeit seufzen. McKeown nennt das "chronisches Hyperventilieren", also Überatmen. In seinem Buch finden Sie nützliche Selbsttests, allerlei wissenschaftlich belegte Atemübungen und nützliche Trainingspläne, um das Beste aus Ihrer Lunge für mehr Lebensqualität heraus zu holen.
    (Foto: Riva)

    Hirngesundheit
    5 von 24

    Sie sehen schon, der Trend geht weg vom Gewichte stemmen und dicken Muskel-Paketen hin zur smarten Optimierung von Luft und Hirn. Mehr Energie verspricht auch der Silicon-Valley-Investor Dave Asprey (Erfinder des Bulletproof-Kaffees) in seinem neuen Buch "Hirntuning" und bietet spannende Einblicke in unseren Kopf. Zum Beispiel, welche Nahrungsmittel unseren grauen Zellen eher schaden, welche Rolle Licht am Arbeitsplatz, Luft und Kälte für unser Gehirn spielen und wie wir wieder besser schlafen und meditieren können. Wenn Sie Ihrem Gehirn ein Upgrade verpassen wollen, sind Sie mit diesem Buch hier bestens bedient.
    (Foto: Riva)

    Glück beginnt im Darm
    6 von 24

    Wenn wir den Kopf optimieren, liegt es eigentlich auch nah, sich ausführlich mit dem Darm zu beschäftigen, der gerne ja auch als unser zweites Gehirn bezeichnet wird. Er hat einen ganz erheblichen Einfluss auf unser Wohlbefinden, denn Billionen von Bakterien sorgen dafür, dass all unsere Körperfunktionen im Gleichgewicht bleiben. Der Autor Raphael Kellman behandelt seit 20 Jahren Patienten mit psychischen Beschwerden und entwickelte einen neuen Ansatz, um Dysfunktionen erfolgreich zu behandeln. In "Glück beginnt im Darm" erklärt er das gesamtheitliche System aus Gehirn, Darm, Mikrobiom und Schilddrüse, dessen Gleichgewicht für die geistige Gesundheit verantwortlich ist und beschreibt, wie wir uns ernähren müssen, um seelisch gesund und glücklich zu sein.
    (Foto: Riva)

    Gestern hast du morgen gesagt
    7 von 24

    Michél Gleich ist preisgekrönter Personal-Trainer, erfolgreicher Athlet, Extremsportler, Unternehmer, Kolumnist und Ernährungsberater - er hat etliche Jahre lang angehende Führungskräfte und Manager auf die wirtschaftlichen und menschlichen Herausforderungen vorbereitet, bevor er sich ausschließlich seiner Leidenschaft, dem Sport, widmete. Diese Kombination macht sein Buch "Gestern hast du morgen gesagt", das gerade im Becker Joest Volk Verlag erschienen ist, so besonders. Stundenlanges Joggen. Ergometer fahren ohne Ende. Rostige Hanteln. Das können Sie jetzt alles vergessen! Mit den Eigengewichtsübungen von Gleich können Sie unabhängig vom Fitnesslevel jederzeit einsteigen. Ohne Geräte und ohne Hanteln. Und leckere gesunde Rezepte gibt es im Buch noch dazu! Toll gemacht und motiviert auf jeden Fall, sich aus der eigenen Komfortzone heraus zu bewegen.
    (Foto: Becker Joest Volk Verlag)

    Die professionellen Besucher und Influencer, die ich alle gar nicht kenne, weil ich schon zu alt bin, sind natürlich nicht ganz so dumm wie ich: sie haben sich ihr eigenes Essen mitgebracht, das sie aus gigantischen Tupperdosen vor den Hot-Dog-Buden, für die sich kaum einer interessiert, herauskratzen.

    Nennt sich übrigens Meal-Prep und ist noch so ein Trend unter den ganzen Fitness-Enthusiasten. Klingt erstmal ziemlich fancy, kannte aber meine Oma damals schon und meint im Grunde nichts anderes, als das gute alte Vorkochen. Warum tun diese Menschen das?

    Nun, sie wollen sich einfach nicht ihre Figur zerstören (schonmal gar nicht, wenn man via Instagram und Youtube sein Geld damit verdient) und wissen gerne ganz genau, was in ihre Mahlzeiten enthalten und wie viele Kalorien und Nährstoffe sie zu sich nehmen.

    Ich bin überrascht, wie viele Dinge es inzwischen kalorien- und fettfrei gibt, die auf meinem Einkaufszettel seit Jahrzehnten auf dem Index stehen. Ketchup, Sweet-Chili-Cream, BBQ-Dip, Island-Dressing und zig weitere Saucen ohne Sünde werden hier gezeigt. Das muss ich natürlich eben noch kurz probieren und tatsächlich, der Geschmack ist gut. Ich bin baff.

    Was dann passiert, ist eigentlich kaum zu glauben. Ich werde müde. Obwohl ich eigentlich bis oben hin voll bin mit Kraftfutter und und wahnsinnig teurem Energy-Kram. Ging es hier nicht eigentlich um Fitness? Auf dem Weg zu den restlichen Messehallen für EMS-Training, Aquafitness, Functional-Training, Fighting-Fit und Fashion-Catwalk macht mein Handyakku schlapp.

    Zeit, der Fibo 2018 auf Wiedersehen zu sagen. Tschüssi – ich muss mich mal kurz irgendwo hinlegen. Ich glaube mir geht's nicht so gut (diesen Satz habe ich mir vom Titel des neuen Buches von Benjamin von Stuckrad-Barre geklaut, aber er trifft es).

    Für Fachbesucher ist ist die Messe noch bis Sonntag geöffnet. Privatbesucher können das Spektakel am Samstag und am Sonntag bewundern.

    Startseite
    Mehr zu: Messebesuch - Die Fibo ist in der Massephase – ich auch
    0 Kommentare zu "Messebesuch: Die Fibo ist in der Massephase – ich auch"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%