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Messewirtschaft Messe Frankfurt schreibt Millionenverlust

Corona hat das Geschäft der Messe Frankfurt auf den Kopf gestellt. Das Management hält trotzdem an der Strategie fest und glaubt weiter an volle Hallen.
09.12.2020 - 16:11 Uhr Kommentieren
Die wohl bekannteste Veranstaltung in Frankfurt hat die Messegesellschaft in der Stadt schon vor der Pandemie an München verloren. Quelle: Reuters
Automesse IAA in Frankfurt

Die wohl bekannteste Veranstaltung in Frankfurt hat die Messegesellschaft in der Stadt schon vor der Pandemie an München verloren.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Es fiel Wolfgang Marzin erkennbar schwer, diese Zahlen zu nennen. Zuletzt eilte der Chef der Messe Frankfurt von Erfolg zu Erfolg. 738 Millionen Euro Umsatz waren es 2019, ein Rekordwert. Dazu gab es einen Nachsteuergewinn von 47 Millionen Euro. Doch Corona hat auch in Frankfurt alles auf den Kopf gestellt. „Wir gehen aktuell von einem Umsatz in Höhe von 250 Millionen Euro aus. Und wir müssen Ihnen das wohl sagen: von einem deutlichen dreistelligen Millionenverlust“, so Marzin.

Massenveranstaltungen finden auf dem großen Gelände nahe der Innenstadt von Frankfurt seit Monaten nicht mehr statt. Stattdessen wurde dort gerade ein neues Covid-Testzentrum errichtet. Frühestens im zweiten Quartal des kommenden Jahres sollen wieder Messen mit Besuchern vor Ort stattfinden.

Die Folgen von Corona lassen sich gut am Beispiel der großen Konsumgütermesse Ambiente ablesen. Sie war im März dieses Jahres eine der letzten Veranstaltungen, bevor der Lockdown das Messegeschäft zum Erliegen gebracht hat. 4600 Aussteller aus 93 Ländern waren dabei, es kamen über 100.000 Fachbesucher.

Die nächste Ambiente wird ganz anders aussehen. Sie wird mit der Christmasworld und der Paperworld zusammengelegt, wandert damit auf einen Termin im April – auch in der Hoffnung, dass die Situation dann etwas besser sein wird. Dennoch steht schon jetzt fest, dass auch die fusionierte Veranstaltung nur klein ausfallen wird.

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    Weil viele internationale Reisebeschränkungen wohl auch noch im kommenden Frühjahr gelten werden, fehlen viele internationale Gäste. Und die, die reisen dürften, tun es vielleicht nicht, weil die Firmen-Policy das nicht zulässt.

    Es wird weiter in das Gelände investiert

    Das Team um Messechef Marzin plant deshalb mit einer hybriden Veranstaltung, einer physischen Messe, die digital begleitet wird. „Die Messe war und ist immer wichtig für das ökonomische Wohlbefinden der Stadt gewesen“, sagte Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt, die Gesellschafterin der Messe ist: „Ich kann es nur begrüßen, dass Messen neu gedacht werden, dass Hybridveranstaltungen gemacht werden.“

    Das Problem: Digitale Veranstaltungen lasten das große und teure Gelände nicht aus. Dennoch will Marzin an der grundsätzlichen Strategie nicht rütteln. „Die Wirtschaft wird wieder in Schwung kommen, die Menschen werden sich wieder zusammenfinden wollen und die Messe wird hier Mehrwert stiften können“, ist der Messechef überzeugt.

    Neue Messen akquirieren, schlanker werden und weiter in das Gelände und in digitale Produkte investieren, derart beschrieb der Messechef den Plan für die nächsten Jahre. So will man in Frankfurt an den Investitionen in den Neubau von Halle fünf festhalten. Das sei ein Generationenvertrag, eine Investition in die Zukunft. „Der Druck ist nicht zu leugnen, es wird eine digitale Verlängerung der Messen erwartet. Aber es gibt überhaupt keine Veranlassung zu glauben, dass Messegelände nicht mehr gebraucht werden“, sagte Marzin.

    Die Hoffnung der Messe-Spitze nährt sich nicht zuletzt aus den Erfahrungen in Asien, vor allem aus denen in China. Dort würden alle Messen wieder stattfinden, so Marzin, mit einer Auslastung von 70 bis 80 Prozent. 137 Messen plant das Unternehmen wieder für das kommende Jahr, davon elf als digitale Ersatzformate.

    Gehaltsverzicht der Mitarbeiter vereinbart

    Doch erst einmal ist Kostensparen angesagt. Von den rund 1000 Mitarbeitern in Frankfurt waren zwischenzeitlich rund 800 in Kurzarbeit. Gleichzeitig wurde mit den Arbeitnehmervertretern ein Gehaltsverzicht in Höhe von sieben Prozent vereinbart, im Gegenzug für den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2023. Allerdings werden Stellen bis dahin nicht wiederbesetzt, die Mitarbeiterzahl wird also sinken.

    Trotz seiner Zuversicht rechnet Marzin erst für 2024 wieder mit einem Veranstaltungsniveau wie vor Beginn der Pandemie. Bis dahin gelte es, die schwierige Situation zu überbrücken. Bei der Liquidität fühle man sich sicher. „Aber wir werden noch mal Fremdkapital aufnehmen“, sagte Marzin.

    Und Feldmann, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft ist, fügte hinzu: „Die Kreditlinien, die wir haben, werden für Investitionen und Akquisitionen genutzt. Es ist nicht so, dass wir gutes Geld schlechtem hinterherwerfen. Wir kommen gut aus dieser Krise und vielleicht sogar doppelt gestärkt heraus.“

    Mehr: Aussteller leiden wirtschaftlich unter den Messeabsagen

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