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Metro Die unendliche Geschichte des Real-Verkaufs kommt doch noch zum Abschluss

Rund neun Monate später als geplant verkauft Metro die defizitäre SB-Warenhaustochter an Investoren. Für viele Mitarbeiter dürfte das aber keine gute Nachricht sein.
18.02.2020 - 23:09 Uhr Kommentieren
Real: Metro trifft kommerzielle Einigung für den Verkauf Quelle: dpa
Filiale von Real

Nach dem Verkauf wird die SB-Warenhauskette weitgehend zerschlagen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Handelskonzern Metro hat nach monatelangem Tauziehen endlich den Verkauf seiner angeschlagenen Supermarktkette Real unter Dach und Fach gebracht. Der Finanzinvestor SCP habe sich mit der Metro AG auf eine 100-prozentige Übernahme von Real geeinigt, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung beider Unternehmen vom Dienstagabend in Düsseldorf. Demnach soll ein Großteil der Real-Standorte „langfristig weiterbetrieben werden, entweder unter der Marke Real oder durch andere Einzelhändler“.

Der Vertrag steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung des Aufsichtsgremiums der russischen Sistema PJSFC, die die Finanzierung der Übernahme sicherstellt. Sistema teilte ebenfalls am Dienstag in Moskau mit, dass man dafür bis zu 263 Millionen Euro zur Verfügung stelle. Metro erwartet der eigenen Mitteilung zufolge einen Netto-Mittelzufluss in Höhe von 0,3 Milliarden Euro.

Damit finden die rund acht Jahre dauernden Versuche von Metro, sich von Real zu trennen, doch noch einen erfolgreichen Abschluss. Schon 2012, als Metro das Auslandsgeschäft von Real an den französischen Handelskonzern Auchan verkauft hatte, gab es auch das Angebot, die deutschen Standorte ebenfalls zu übernehmen. Doch da dieses Geschäft in einem so desolaten Zustand war, hätte Metro Unternehmenskreisen zufolge damals noch rund 700 Millionen Euro drauflegen müssen, um es loszuwerden.

Seitdem hat das Real-Management viel erreicht – auch wenn das Geschäft weiterhin defizitär blieb. Ein Teil der Filialen wurden nach dem neuen Markthallen-Konzept modernisiert. Flaggschiffe sind heute die Markthallen in Krefeld, Braunschweig, Bahlingen und Aschaffenburg. Zwei dutzend weitere Filialen wurden zumindest teilweise mit Modulen dieses Konzepts aufgerüstet.

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    Der neu aufgebaute Onlinemarktplatz real.de war wohl einer der überraschendsten Erfolge der jüngsten Zeit. Der Umsatz dort wurde innerhalb von fünf Jahren auf über 600 Millionen Euro verzehnfacht.

    Ein wichtiger Schritt, um das Unternehmen in Richtung Gewinnzone zu bringen, ging zu Lasten der Mitarbeiter. Real kündigte die Tarifpartnerschaft mit Verdi und stellte tausende neue Mitarbeiter nach einem niedriger entlohnten Tarif mit der Kleingewerkschaft DHV ein.

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    Das drückte die Personalkosten so weit, dass ein Verkauf des Unternehmens letztlich wohl überhaupt erst möglich war. Verdi-Vorständin Stefanie Nutzenberger schimpfte deshalb, mit dieser Maßnahme sei „die Braut auf Kosten der Beschäftigten für den Käufer aufgehübscht“ worden.

    Fakt ist, dass es auf diese Weise immerhin gelang, einen positiven Kaufpreis zu erzielen. Doch die 300 Millionen Euro, die Metro netto zufließen, sind deutlich weniger, als sich Konzernchef Olaf Koch erhofft hatte. War ursprünglich im Unternehmen mal die Rede davon, dass sich der Kaufpreis am Wert der Immobilien von Real in Höhe von einer knappen Milliarde Euro orientieren könnte, wurde zuletzt immerhin noch ein Nettozufluss von 500 Millionen Euro genannt.

    In zwei Jahren stellt sich die Schicksalsfrage

    Doch es waren nicht zuletzt die sich immer länger hinziehenden Verhandlungen, die den Wert von Real drückten. Denn angesichts der Unsicherheit über die Zukunft der Kette waren immer weniger Lieferanten bereit, Real noch gute Konditionen zu bieten. So sanken Ergebnis und Umsatz weiter. Das operative Geschäft wurde wieder zum Klotz am Bein.

    Nun müssen die Käufer rasch eine Zukunftslösung finden. An die 30 unprofitable Standorte sollen geschlossen werden, knapp 200 Märkte an Konkurrenten weitergereicht werden. Für den Onlinemarktplatz real.de soll mittelfristig ein Käufer gesucht werden. Ein Kern von rund 50 Läden soll unter der Marke Real erhalten bleiben – zusammen mit dem Fleischwerk.

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    Doch auch für diesen Kern dürfte sich in zwei Jahren die Schicksalsfrage stellen. Denn nur für diesen Zeitraum haben die Investoren einen Weiterbetrieb vertraglich zugesichert. Und aus Verhandlungskreisen heißt es, dass die Käufer bereits geplant haben, nach dieser Schamfrist auch die letzten 50 Märkte weiterzuverkaufen.

    Verlierer werden viele Real-Mitarbeiter sein. Werner Klockhaus, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Metro, hatte schon vor einem Wegfall von 10.000 Stellen gewarnt. Koch hatte das als zu hoch zurückgewiesen. Doch eine hohe vierstellige Zahl von Mitarbeitern dürfte es auf jeden Fall treffen. Immerhin hat Real Ende des Jahres schon mal eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen, die im Kündigungsfall Abfindungen von maximal zwölf bis 14 Monatsgehältern vorsieht.

    Mit Agenturmaterial

    Mehr: Lesen Sie hier, warum Warenhäuser mit Großfläche kaum mehr Chancen haben.

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