Metro-Konzern Media Markt zieht in China die Reißleine

Europas führender Elektronikhändler Media-Saturn steht nach einem Test in China am Scheideweg. Der Aufbau eines großen Ladennetzes wäre ein milliardenschwerer Kraftakt. Die Zeichen stehen auf Rückzug.
Update: 08.01.2013 - 17:13 Uhr 1 Kommentar
Lkw mit dem Media-Markt-Logo in Shanghai. Quelle: dapd

Lkw mit dem Media-Markt-Logo in Shanghai.

(Foto: dapd)

DüsseldorfEuropas führende Elektronikketten Media Markt und Saturn stehen nach einem zweijährigen Test vor dem Rückzug aus China. Der Mehrheitseigentümer Metro will gut informierten Kreisen zufolge keine kostspielige Expansion von Media-Saturn mit hohen Anlaufverlusten im hart umkämpften chinesischen Markt starten. Eine Entscheidung werde in der kommenden Woche bekanntgegeben, hieß es in Kreisen.

Zuvor berichtete die „Börsen-Zeitung“ über einen bevorstehenden Rückzug von Media Markt aus China. Ein Metro-Konzernsprecher kommentierte die Berichte nicht. Die Metro-Stammaktie war am Dienstag mit einem Plus von zeitweise 3,51 Prozent auf 23 Euro einer der stärksten Werte im Aktienindex MDax.

Dass der Handelskonzern Metro die Reißleine beim China-Abenteuer seiner Elektronikketten ziehen will, kommt für Beobachter nicht überraschend. Viele lokalen Anbieter machen es der Media-Saturn Holding (MSH) in China schwer. Aber auch das Internet ist eine starke Konkurrenz. Für die China-Expansion von Media-Saturn wurde ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Elektronikhersteller Foxconn gegründet.

2010 eröffnete der erste Laden, seitdem sind sechs Läden im Raum Shanghai dazu gekommen. MSH-Mehrheitseigentümer Metro hat schon mehrere Großbaustellen in Europa zu bewältigen. Außerdem muss der Dax-Absteiger bei seinen Investitionen Prioritäten setzen.

Commerzbank-Analyst Jürgen Elfers erwartet einen Rückzug von Media-Saturn aus China bereits seit Sommer 2012. Der Partner Foxconn könnte die sieben Märkte mit eigenen Aktivitäten zusammenlegen. Es wäre aber auch ein Verkauf an die Konkurrenz denkbar, meint er. Ein höherer zweistelliger Millionenbetrag sei als Rückzugskosten zu erwarten, der wahrscheinlich noch im Geschäftsjahr 2012 verbucht werde.

In den sieben chinesischen Läden von Media Markt sind nach Informationen aus Branchenkreisen etwa 1000 Mitarbeiter tätig. Media Markt hat seinen deutschen Werbespruch „Ich bin doch nicht blöd“ in einige andere Länder übertragen, allerdings nicht nach China.

Ewiger Streit mit dem Gründer
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1 Kommentar zu "Metro-Konzern: Media Markt zieht in China die Reißleine"

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  • Ich war in einem der Media-Märkte in Shanghai. Gleiches Konzept wie bei uns und in vielen anderen Ländern. Habe einen (für mein westliches Portemonnaie) sehr preiswerten Rucksack (chinesische Produktion, Schweizer Marke) gekauft, mit dem ich sehr zufriden bin.

    Aber man muss wissen, dass westliche Waren (auch solche, die unter westlichen Marken in Asien produziert werden) für Chinesen im Wesentlichen teure Prestigeobjekte sind, mit denen man seinen Status unterstreicht. Das Einkaufserlebnis ist eher zweitrangig, wenn man nicht etwas typisch Deutsches als Event anbieten kann (z.B. deutsches Bier, Würste, Käse etc.).

    Bei Geschäften wird wie sonst auch in China üblich erbarmungslos um den besten Preis gefeilscht. Am Ende zählt die solide Art der Präsentation im Fachmarkt viel weniger als der Preis. Chinesische Märkte wirken da eher improvisiert und auf das schnelle Geschäft ausgelegt. Es zählt vielmehr die persönliche und manchmal aufdringliche Ansprache des Kunden, nicht das große Gehabe (z.B. Werbekampagne mit Boxhandschuhen) in riesigen leeren Verkaufshallen.

    Wobei das rote Outfit von Media-Markt schon zu China passt, da rot die Farbe für Glück und Properität ist.

    Wenn man also weitermachen will in Shanghai, muss man das Konzept ein wenig mehr an die dortigen Gepflogenheiten anpassen - dann klappt es auch.

    Grüße
    Robert


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