Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Metro-Tochter Die Käufer können Real nun nach allen Regeln der Kunst filetieren

Metro-Chef Olaf Koch stand bei den Verkaufsverhandlungen unter hohem Druck. Ein Immobilienunternehmen und ein Private-Equity-Fonds haben das geschickt ausgenutzt.
19.02.2020 - 10:33 Uhr Kommentieren
Real-Verkauf aktuell: So profitieren SCP Group & X+Bricks Quelle: dpa
Real-Supermarkt in Neuss

Der Handelskonzern Metro hat nach monatelangem Tauziehen endlich den Verkauf seiner angeschlagenen Supermarktkette unter Dach und Fach gebracht.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Nach der Übernahme von Real arbeitet der Käufer SCP Group zusammen mit seinem Partner X+Bricks an der zukünftigen Ausrichtung der SB-Warenhauskette. Doch schon wenige Stunden nach Unterzeichnung des Kaufvertrages am Dienstag wird immer deutlicher: Es geht weniger darum, Real eine dauerhafte Zukunft zu sichern, als den Käufern ein gutes Geschäft zu bereiten.

Denn das dürfte es für das Käuferkonsortium auf jeden Fall sein. Es erwirbt ein Unternehmen, dessen rund 80 Immobilien allein noch vor Kurzem in der Bilanz mit mehr als 900 Millionen Euro bewertet wurden. Das komplette Unternehmen wird jetzt nur noch mit einer Milliarde Euro bewertet.

Tatsächlich an den Verkäufer Metro fließen jedoch nur 300 Millionen Euro. Noch im Dezember hatte Metro mit zumindest 500 Millionen Euro gerechnet.

Doch der Käufer war in der perfekten Situation, um aus der Verhandlung den maximalen Vorteil zu ziehen. Metro-Chef Olaf Koch brauchte nach anderthalb Jahren verzweifelter Käufersuche und angesichts immer größerer Verluste bei Real dringend einen Erfolg.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Außerdem sollte das Geschäft bis zur Hauptversammlung am 14. Februar weitgehend stehen – damit die Fragen der Aktionäre nicht zu unangenehm werden. Zwar hat er selbst diese Marke noch um vier Tage verpasst, doch nun ist der Vertrag unterschrieben – überwiegend zu den Konditionen der Käufer.

    Was für Koch verschärfend dazu kam: Es gab de facto keine Alternative mehr zu den Käufern. Potenzielle Interessenten wie den Investor Sapinda hatte Metro früh aussortiert. Mit dem Immobilieninvestor Redos war trotz ausführlicher Gespräche keine Einigung zu erzielen gewesen.

    X+Bricks und SCP waren Kochs letzte Rettung, und das war ihnen deutlich bewusst. Entsprechend selbstbewusst traten sie in den Gesprächen auf – und entsprechend kompromissbereit musste die Metro-Seite sein.

    Grafik

    Die Käufer können Real nun nach allen Regeln der Kunst filetieren und müssen dabei anders als der Handelskonzern Metro keine Rücksichten nehmen – weder auf gewachsene Lieferantenbeziehungen noch auf Betriebsrat oder Gewerkschaften.

    Insbesondere für die Perlen im Portfolio von jetzt noch 276 Läden stehen Interessenten Schlange. So sollen Verhandlungskreisen zufolge beispielsweise für die frisch modernisierte Markthalle Braunschweig Gebote in Höhe von bis zu 60 Millionen Euro vorliegen. Separat problemlos verkauft werden können auch Verwaltungsgebäude, die Teil des Portfolios sind und für die Käufer keinen unternehmerischen Wert haben.

    Digitalgeschäft steht zum Verkauf

    Verbrieftes Interesse an Real-Standorten haben zahlreiche Konkurrenten, die schon während der Metro-Verhandlungen mit Redos vorsorglich Übernahmepläne beim Kartellamt angemeldet hatten. So hatte Edeka die geplante Übernahme von 87 Standorten bei der Behörde zur Prüfung vorlegt, die Migros-Tochter Tegut wollte sieben Märkte, genau wie die Georg Jos Kaes GmbH mit ihren V-Märkten.

    Die Lidl-Schwester Kaufland hat noch nichts angemeldet, sprach aber bereits in der Vergangenheit mehrfach davon, an rund 100 Läden Interesse zu haben.

    Sogar auch aus vielen schwächeren Standorten können die Käufer offenbar mehr Vorteile ziehen als Metro. So stand in X+Bricks-Konzepten die Zahl von nur noch 24 zur Schließung vorgesehenen Filialen, im Moment ist von weniger als 30 die Rede. Unter Metro-Ägide stand hinter bis zu 40 Märkten ein großes Fragezeichen.

    Für die geschlossenen Standorte müsste X+Bricks dann eine neue Nutzung finden. Da ein Teil davon im Eigentum ist, hat das Konsortium daran aber auch ein großes Eigeninteresse – und ist genau auf solche Fragen auch spezialisiert.

    Grafik

    Der Immobilieninvestor X+Bricks hat große Expertise darin, Handelsflächen profitabel zu entwickeln. So sollen defizitäre Real-Standorte gerettet werden, indem die Flächen effizienter und von mehreren Mietern genutzt werden können. Vorbild dabei ist etwa der Real-Markt in Neuss, in dessen Obergeschoss der Sporthändler Decathlon eingezogen ist.

    Dazu kommt: Die Käufer haben sich vor Kurzem die Dienste des ehemaligen Kaufland-Chefs Patrick Kaudewitz gesichert. Er leitet den Verwaltungsrat der Gesellschaft SCP Retail Investments, in die die Real-Märkte eingebracht werden. Er dürfte viel Know-how ins Geschäft einbringen.

    Verkaufen will SCP auch das Digitalgeschäft. Der Onlinemarktplatz real.de gilt als eine der Erfolgsgeschichten des Unternehmens der letzten Jahre – und könnte deshalb einen guten Erlös erzielen. Nach der Übernahme des Start-ups Hitmeister hatte Real den Umsatz auf dem Onlinemarktplatz in fünf Jahren auf jetzt rund 600 Millionen Euro verzehnfacht.

    Ein Kern von rund 50 Märkten soll zunächst unter der Marke Real erhalten bleiben, zusammen mit dem Fleischwerk. Doch auch das ist wohl nur ein vorübergehendes Konstrukt, das Metro-Chef Koch helfen soll, sein Gesicht zu wahren. Er hatte zu Beginn des Verhandlungsprozesses versprochen, Real nur als Ganzes und in gute Hände abzugeben.

    X+Bricks und SCP haben sich vertraglich jedoch nur verpflichtet, diesen Kern über zwei Jahre fortzuführen. Aus gutem Grund: Denn Verhandlungskreisen zufolge planen sie bereits, nach dieser Schamfrist auch die restlichen Standorte an andere Betreiber weiterzugeben. Dann dürfte wohl auch die Marke Real zur Disposition stehen.

    Metro ist von allen Risiken entlastet
    Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
    Mehr zu: Metro-Tochter - Die Käufer können Real nun nach allen Regeln der Kunst filetieren
    0 Kommentare zu "Metro-Tochter: Die Käufer können Real nun nach allen Regeln der Kunst filetieren"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%