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Real-Filiale

Der Metro-Konzern will die verlustreiche Tochter loswerden.

(Foto: Frank Reinhold/Wirtschaftswoche)

Metro-Tochter Supermarktkette Real steht vor der Zerschlagung

Nur noch zwei Immobilieninvestoren sind im Rennen um die Metro-Tochter Real. Die Handelskette wird filetiert – dabei ist ein hoher Preis das wichtigste Argument.
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DüsseldorfImmer wieder hat Metro-Chef Olaf Koch seine Verantwortung für die Mitarbeiter des Tochterunternehmens Real herausgestellt. „Wir streben an, Real als Ganzes zu verkaufen, und werden nur ernsthafte Interessenten in Betracht ziehen“, betonte er stets.

Doch die Sorgen der Arbeitnehmer konnte er nicht zerstreuen. Bei einer lautstarken Demo vor der Hauptverwaltung im vergangenen November stand auf Plakaten, Real werde „zum Schlachthof“ geführt.

Jetzt scheinen sich die Befürchtungen der Belegschaft zu bewahrheiten. Wie das Handelsblatt von mehreren Insidern erfuhr, ist das Verkaufsverfahren auf der Zielgeraden. Es ständen nur noch zwei Investoren in der Auswahl, heißt es.

Bei beiden kann davon ausgegangen werden, dass sie Real nach dem Kauf zerschlagen werden. Dem letzten verbliebenen strategischen Interessenten, einem Konsortium aus Einkaufsverbund Markant und Investor Sapinda, sei mitgeteilt worden, dass er nicht mehr am Verfahren teilnimmt.

Großhandelskonzern Metro hatte im September vergangenen Jahres verkündet, sich von der schwächelnden Verbrauchermarktkette Real trennen zu wollen. Das Tochterunternehmen mit 279 Filialen, das seit Jahren Verluste schreibt, soll vollständig an einen Käufer abgegeben werden.

Zum Paket gehören 65 Immobilien, die restlichen Märkte sind angemietet. Mitverkauft werden soll auch der Onlinemarktplatz Real.de. Real bereitet Metro seit Jahren Probleme. Die Umsätze sind unter Druck, regelmäßig gibt es Verluste. Metro-Chef Koch will das Unternehmen auf den Großhandel fokussieren.

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Ein Metro-Sprecher wollte die endgültige Begrenzung der Verhandlungen auf nur noch zwei Bieter nicht bestätigen. „Wir sprechen mit verschiedenen ernsthaften Interessenten über den Verkauf von Real. Es sind auch in diesem fortgeschrittenen Stadium mehr als zwei“, sagte er auf Nachfrage.

Damit scheint der Kontakt zu Markant zwar nicht ganz abgerissen. Nach den Informationen aus den Verhandlungskreisen wird dem Einkaufsverbund aber keine Chance mehr eingeräumt.

Offensive Bieter

Einer der beiden bietenden Investoren ist die erst im September 2018 von dem Immobilienexperten Sascha Wilhelm gegründete x+bricks AG. Der frühere Chef der Corestate Capital Group geht sehr offensiv am Markt vor und hatte mit seinem Team bis Ende 2018 bereits 23 Immobilien aus dem Einzelhandel im Wert von rund 300 Millionen Euro aufgekauft. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen soll x+bricks für Real rund 900 Millionen Euro geboten haben. Ein Sprecher von x+bricks wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

Der zweite Interessent ist die Redos Gruppe, die sich für ihr Angebot mit der US-Bank Morgan Stanley zusammengetan haben soll. Auch das Redos-Konsortium soll ein Angebot über rund 900 Millionen Euro gemacht haben.
Redos hat mehrere Immobilienfonds aufgelegt, von denen die Mehrzahl mit Handelsimmobilien bestückt ist.

Euch haben sie gesagt, sie wollen das Unternehmen sanieren, dabei wollten sie nur den Verkauf vorbereiten. Frank Bsirske, Verdi-Chef

Das Real-Portfolio mit seinen 65 Immobilien im Besitz würde deshalb gut zu Redos passen. In seinen Fonds „Horn Portfolio“ und „Bavaria Portfolio“ sind bereits Verbrauchermärkte, die an Real vermietet sind. Redos will sich auf Nachfrage nicht äußern.

Auffällig ist: Beide Bieter haben Geschäftskontakte zum Real-Konkurrenten Kaufland. Die Verbrauchermarktkette ist Hauptmieter in Objekten sowohl von Redos als auch von x+bricks. Damit dürfte klar sein, wohin ein großer Teil der bisherigen Standorte von Real wechseln würde.

Klaus Gehrig, der Chef des Kaufland-Eigentümers Schwarz Treuhand, hat bereits öffentlich erklärt, dass er in Verhandlungen steht, mindestens 100 der Real-Standorte zu übernehmen und in das Filialnetz von Kaufland zu integrieren. „Die Finanzierung dafür steht“, sagte er. Branchenkreisen zufolge sollen bei Kaufland schon Führungskräfte ausgebildet werden, die die von Real übernommenen Fialen leiten sollen.

Doch genau diese absehbare Zerschlagung bringt nun einen neuen Streitpunkt in die Verhandlungen mit den potenziellen Käufern. Die Kernfrage lautet jetzt: Wer zahlt die Kosten für Sozialpläne, wenn Mitarbeiter entlassen werden?

Die Erfahrungen der bisherigen Schließungen von Real-Filialen haben gezeigt, dass pro Markt Sozialplankosten von zwei bis 2,8 Millionen Euro anfallen, wie es im Unternehmen heißt. In diesen Fällen musste immer Real, beziehungsweise letztlich Metro zahlen.

Globus als Vorbild

In den kursierenden Szenarien wird davon ausgegangen, dass mit Sozialplankosten von mindestens 200 Millionen Euro gerechnet werden muss. Das würde bedeuten, dass rund 100 der bisher 278 Märkte entweder geschlossen würden – oder von neuen Betreibern weitergeführt würden, die das Personal nicht übernehmen.

Grundsätzlich muss das der Übernehmende, weil es sich dabei um einen Betriebsübergang nach Paragraf 613 BGB handelt. Doch es gibt juristische Möglichkeiten dies zu umgehen, etwa wenn der Käufer den Markt für eine längere Zeit stilllegt mit der Begründung, ihn zu renovieren. Dann besteht unter Umständen die Verpflichtung nicht mehr. Im Raum stand das, als Konkurrent Globus den Real-Standort in Rüsselsheim übernommen hatte. Doch Globus hat damals den rund 150 Real-Mitarbeitern verbindlich angeboten, mit Eröffnung des neuen Marktes eine Beschäftigung bei Globus aufzunehmen. Die Mehrheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe dieses Angebot auch wahrgenommen, sagt eine Globus-Sprecherin.

Sozialplankosten wären bei einer Übernahme durch Sapinda und Markant nicht angefallen. Denn Markant hat großes Interesse, Real als Ganzes zu erhalten – und zwar mit einem möglichst großen Umsatz. Markant besorgt den Einkauf für den Einkaufsverbund RTG, in dem sich Real mit fünf regionalen Supermarktketten zusammengeschlossen hat.

Ohne Real dürfte dieser Verbund, zu dem Familienunternehmen wie Bartels-Langness und Bünting zählen, keine Zukunft haben. Ein Markant-Sprecher teilte mit, dass es sich um „einen laufenden Vorgang“ handele und das Unternehmen deshalb dazu nicht Stellung nehmen wolle. Sapinda wollte sich nicht äußern.

Markant war der einzige strategische Bieter im Verfahren, der ein echtes Interesse an der Erhaltung von Real als Ganzes hatte. Einblick in den Datenraum genommen haben sollen auch die Investmentgesellschaften Cerberus und KTR Capital Partners und der Restrukturierungsfonds Alteri. Alle hatten aber letztlich kein konkretes Angebot vorgelegt. Der US-Onlineriese Amazon, dem immer wieder Interesse an Real-Standorten nachgesagt worden war, hatte sich nie am Verfahren beteiligt.

Experten waren ohnehin von Anfang an skeptisch gewesen, ob sich ein strategischer Käufer für den Erhalt von Real finden lässt. „Die Pläne, Real zu verkaufen, sind sinnvoll“, so Boris Planer, Deutschlandchef des Marktforschungsunternehmens Edge by Ascential.

Im Grunde, so Planer, hätte dies schon vor Jahren passieren müssen. „Jetzt ist es dafür fast zu spät, denn in Deutschland steht das Kartellamt einer weiteren Marktkonzentration sehr kritisch gegenüber“, erklärt der Einzelhandelsexperte.

Deswegen hatten viele bei Metro und bei Real darauf gehofft, dass Markant und der vom ehemaligen Business-Wunderkind Lars Windhorst gegründete Investor Sapinda zum Zuge kommen würden. Und dazu zählten nicht nur die Arbeitnehmervertreter.

Auch in der Real-Geschäftsführung gab es verständlicherweise deutliche Befürworter eines Markant-Deals. Dazu sollen in vorderster Front Arbeitsdirektor Jörg Kramer und Patrick Müller-Sarmiento, der Vorsitzende der Geschäftsführung, zählen.

Sie hatten darauf vertraut, dass ihnen der Metro-Chef attestiert hatte, entscheidende Weichen für ein Überleben in Selbstständigkeit gestellt zu haben. In einer Mitteilung der Metro zum Verkauf hieß es, das Real-Management habe die strategische Neuausrichtung konsequent vorangetrieben und damit die entscheidenden Voraussetzungen für eine eigenständige Zukunft im deutschen Lebensmitteleinzelhandel geschaffen.

Für die Mitarbeiter dürfte dies nun wie Hohn klingen. Oder wie es Frank Bsirske, Chef der Gewerkschaft Verdi, bei der Protestveranstaltung im November formuliert hatte: „Euch haben sie gesagt, sie wollen das Unternehmen sanieren, dabei wollten sie nur den Verkauf vorbereiten“, rief er den Demonstranten zu. „Was die Metro-Spitze macht, ist eine Schande.“

Juristischer Schachzug

Er bezog sich dabei auf einen Schachzug der Metro-Juristen, der sogar den Arbeitnehmervertretern widerwillig Respekt abgenötigt hatte. Die Metro hatte im Frühjahr den Vertrag mit Verdi gekündigt und bezahlt neue Mitarbeiter jetzt nach den deutlich niedrigeren Tarifen der Kleingewerkschaft DHV. Diese hatte einen Vertrag mit einer kleineren Metro-Gesellschaft abgeschlossen, in den Real eintreten konnte, ohne dass die DHV ein Widerspruchsrecht hatte.

Die neue Regelung betrifft jetzt schon mehrere Tausend von insgesamt 34.000 Jobs. Sie verschafft aber nicht nur Real Luft bei der Sanierung – sie macht das Unternehmen wegen der gesunkenen Kosten zugleich attraktiver für Käufer.

Bei einer Zerschlagung würden so die Sozialplankosten sinken. Und bei einer Weiterführung des immer noch defizitären Unternehmens bleibt so mehr Geld für die Modernisierung der Märkte, für die ein hoher dreistelliger Millionenbetrag notwendig sein dürfte.

Intern hatte Metro-Chef Koch ohnehin nie einen Zweifel daran gelassen, dass er gar nicht in der Position ist, von einem Käufer langfristige Garantien für einen Erhalt von Real als Ganzes zu verlangen. Er ist froh, dass das langjährige Sorgenkind Real überhaupt wieder so attraktiv ist, dass sich Käufer dafür interessieren. „Es ist unsere Absicht, die Zukunft von Real mit seinem Geschäftsbetrieb abzusichern“, beteuerte ein Metro-Sprecher auf Nachfrage.

Doch letztlich ist Koch das Hemd näher als der Rock. Er sei geradezu gezwungen, auch auf den Preis zu schauen, betonen Insider. Schließlich will er die Metro auf den Großhandel konzentrieren. Und dazu investiert er allein in diesem Jahr 600 Millionen Euro in die Modernisierung der Großmärkte und in die Digitalisierung. Da braucht er jeden Cent.

Metro plant Zerschlagung – Wie geht es mit Real jetzt weiter?

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