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Mikromobilität E-Scooter – Hoffnung und Ärgernis zugleich

E-Scooter werden jetzt in Deutschland erlaubt. Das Marktpotenzial ist enorm – besonders, was das Verleihgeschäft angeht. Doch es gibt auch Kritik.
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Jeder vierte Deutsche plant laut einer Verivox-Umfrage die Anschaffung eines Elektro-Tretrollers. Quelle: Moment/Getty Images
E-Scooter

Jeder vierte Deutsche plant laut einer Verivox-Umfrage die Anschaffung eines Elektro-Tretrollers.

(Foto: Moment/Getty Images)

Düsseldorf, Frankfurt, San FranciscoZuerst rollten sie durch die USA, dann auch in Europa, später testweise im bayerischen Bamberg – und in Kürze auch in ganz Deutschland. Mit E-Scootern, also elektrischen Tretrollern, kommt eine neue Mobilitätskategorie in die Bundesrepublik. Am kommenden Freitag stimmt der Bundesrat final über die „Verordnung für Elektrokleinstfahrzeuge“ ab.

Politische Beobachter sind sich einig: Die Länderkammer wird wohl nichts zu beanstanden haben. Einige gehen bereits vom 1. Juni als Starttermin für E-Scooter in Deutschland aus, spätestens in der Mitte des Monats wird es wohl so weit sein. Erlaubt sein werden E-Scooter auf Straßen und Radwegen, es gibt eine Versicherungs-, aber keine Helmpflicht.

Einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom zufolge halten 66 Prozent der 16- bis 64-jährigen Bundesbürger E-Scooter für eine gute Ergänzung für den deutschen Verkehr. Die Hälfte hält E-Scooter für einen „wichtigen Beitrag für den Klimaschutz in Deutschland“.

Das zeigt: Wie schon in den USA könnten E-Scooter auch in Deutschland zum lukrativen Markt werden, besonders wenn es um das Verleihgeschäft geht. Der Markt hierzulande wird vor allem durch den Kampf zwischen den erfahrenen US-Anbietern und den lokalen Neueinsteigern geprägt sein. Mindestens sieben E-Scooter-Verleiher werden schnellstmöglich ihren Service in Deutschland anbieten, weitere könnten folgen. „Zwei bis vier Champions werden sich in Europa durchsetzen“, sagt Daniel Schellong von der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG): „Die europäischen Player haben sehr gute Erfolgschancen, denn sie kennen die lokalen Erfordernisse viel besser.“

Eine Studie der BCG, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, beziffert den globalen Umsatz mit E-Scootern im Jahr 2025 auf 40 bis 50 Milliarden Dollar. Allein in Europa schätzt man das Marktpotenzial auf zwölf bis 15 Milliarden Dollar. Man schätzt, dass bei 75 Prozent aller Fahrten weltweit eine Distanz von weniger als zehn Kilometern zurückgelegt wird – eine Entfernung, optimal für E-Scooter. „Gerade in Europa gibt es enorme Expansionsmöglichkeiten“, sagt Studienmitautor Schellong.

Noch ist das Geschäft mit dem E-Scooter-Verleih überwiegend unprofitabel. Auch weil die E-Scooter der aktuellen Generation schnell kaputtgehen. Untersuchungen aus dem US-amerikanischen Louisville ergaben, dass die E-Scooter des Anbieters Bird dort im Schnitt nach 29 Tage kaputtgingen. Deshalb arbeiten nun viele Sharing-Anbieter an robusteren Modellen. Laut der dem Handelsblatt vorliegenden BCG-Berechnungen müssen E-Scooter sechs Monate halten, damit sie profitabel sind. Dann decken sie sowohl die Kosten für den Betrieb als auch Fixkosten wie Marketing ab.

Bei fast allen Anbietern kostet das Leihen eines Tretrollers einen Euro Grundpreis plus 15 Cent je Minute. Trotz gleicher Angebote erwartet Schellong von BCG keinen Preiskampf, „denn für den Kunden ist die Verfügbarkeit wichtiger als der Preis.“

Eine Rolle bei der Haltbarkeit spielt auch, wie die Anbieter mit ihren Fahrzeugen in der Nacht umgehen. In den USA ist es verbreitet, dass Kunden die Tretroller nachts mit nach Hause nehmen, sie dort laden und dafür Freifahrten erhalten. Europäische Anbieter bringen ihre E-Scooter in der Regel lieber in eigene Werkshallen, kümmern sich um das Aufladen und Reparaturen.

Gefahr für Fußgänger

Bei all der Hoffnung auf das große Geschäft sorgen sich auch viele, dass es mit den E-Scootern in Deutschland so läuft wie anfangs in den USA. Dort hatte man die Tretroller ohne Genehmigung auf den Straßen verteilt, sie verstopften Gehwege und wurden Opfer von Vandalismus.

Außerdem stellen sie mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde eine Gefahr für Fußgänger dar. Madrid verbot die Roller zwischenzeitlich, nachdem eine Frau bei einem Zusammenstoß tödlich verunglückte. Eine Studie aus Los Angeles zeigt, dass dort mehr Menschen beim Fahren von E-Scootern verletzt wurden als beim Fahrradfahren oder Spazierengehen. Und in Paris hat man die Tretroller vor wenigen Tagen von den Gehwegen verbannt.

E-Scooter: So könnte der Stadtverkehr der Zukunft aussehen

In Deutschland ist dieses Problem bereits gelöst. Nach harschem Protest der Länder hatte das Verkehrsministerium die Regelung, dass E-Scooter bis zu einer Geschwindigkeit von zwölf Kilometern pro Stunde auch auf Gehwegen fahren dürfen, wieder gestrichen.

E-Scooter sollen im neuen Feld der Mikromobilität erst der Anfang sein. Unternehmen arbeiten bereits an Geräten mit mehr als zwei Rädern und Witterungsschutz. Auch die dritte Dimension soll etwa durch Flugtaxis miteinbezogen werden. Letztendlich geht es darum, eine einheitliche Plattform mit verschiedenen Mobilitätslösungen anzubieten, um etwas gegen die Vorherrschaft des Autos zu tun. So soll das Klima geschützt und die Innenstädte von Staus und Abgasen befreit werden.

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