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Mikromobilität E-Scooter-Start-up Voi sammelt 160 Millionen Euro bei Investoren ein

Nach Tier nimmt das nächste Unternehmen aus der Branche eine dreistellige Millionensumme ein. Doch ein Problem kann das viele Geld nicht lösen.
02.12.2020 - 14:28 Uhr Kommentieren
In vielen Städten blockieren die abgestellten elektrischen Roller die Gehwege. Quelle: dpa
E-Scooter

In vielen Städten blockieren die abgestellten elektrischen Roller die Gehwege.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Das schwedische E-Scooter-Start-up Voi sammelt 160 Millionen Euro bei Investoren ein. Damit wächst die Bewertung des noch jungen Mobilitätsunternehmens auf über eine halbe Milliarde Euro, wie das Start-up in einer Mitteilung am Mittwoch mitteilt.

Voi ist nach Tier das zweite größere E-Scooter-Start-up, das in den vergangenen Wochen eine dreistellige Millionensumme bei Geldgebern einsammelt. Das Berliner E-Scooter-Start-up hatte im November weitere 250 Millionen Euro von Investoren für die weitere Expansion erhalten.

Angeführt wird die Finanzierungsrunde bei Voi vom US-Investor Raine Growth, der unter anderem auch an Soundcloud und dem Onlineportal Vice beteiligt ist. „Wir freuen uns sehr, Raine Growth in der Voi-Familie willkommen zu heißen“, wird Fredrik Hjelm in einer Mitteilung zitiert.

Hjelm zufolge habe Raine Growth rund ein Jahr lang den Markt sondiert und die einzelnen E-Scooter-Player unter die Lupe genommen. „Die neue Finanzierung wird uns helfen, weiterhin einen effizienten und nachhaltigen E-Scooter-Service anzubieten und gleichzeitig den Menschen eine Mobilität zu bieten, auf die sie sich verlassen können“, sagt Hjelm im typischen Start-up-Jargon.

Für Raine Growth war für den Einstieg in ein Mobilitätsunternehmen wie Voi die rasante Veränderung des europäischen Mobilitätsmarkts entscheidend, die durch Corona beschleunigt wurde. „Drei Jahre des Wandels haben in nur sechs Monaten stattgefunden, und wir sind zuversichtlich, dass wir erst am Anfang dieses Trends stehen“, sagt Jason Schretter, Partner beim US-Investor.

Laut Schretter habe Voi von dieser Entwicklung profitiert. Demnach habe das schwedische Start-up eine höhere Kapitaleffizienz als jeder andere Betreiber, ohne dies mit Zahlen zu belegen. Auch Konkurrent Tier behauptet, der effizienteste E-Scooter-Betreiber zu sein.

Gerade in Coronazeiten war es von großer Bedeutung, die Betriebskosten massiv zu senken. Die Nutzerzahlen sind in Europa wegen Lockdown und Kontaktbeschränkungen zum Teil massiv gesunken. Die US-Anbieter Lime und Bird mussten im Frühjahr ihre Unternehmen umstrukturieren und Mitarbeiter entlassen.

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Eine aktuelle Umfrage des Beratungsunternehmens Roland Berger legt nahe, dass dem Mikromobilitätsmarkt eine nachhaltige Veränderung droht. So hätten rund 21 Prozent angegeben, dass sie auch nach der Coronakrise weniger Mobilitätsangebote von E-Scooter-Betreibern nutzen werden. 35 Prozent wollen mehr zu Fuß gehen oder das eigene Fahrrad nutzen.

Mobilitätsexperten rechnen daher mit einer Konsolidierung des Marktes. Die Finanzierungsrunden von Tier und Voi zeigen, dass die Investoren damit beginnen, sich auf die größten Anbieter zu konzentrieren. Die Geldgeber lockt die Hoffnung, mit dem richtigen E-Scooter-Betreiber in den potenziellen Milliardenmarkt der Mikromobilität einzusteigen. Gefüttert wird der Optimismus durch erste Erfolgsmeldungen.

So sei es Voi gelungen, erstmals im Juni 2020 einen positiven Cashflow zu produzieren, wie ein Voi-Sprecher erklärt. Er betont, dass es dabei um die Ebitda-Profitabilität für die gesamte Gruppe geht, also Abschreibungen nicht berücksichtigt werden. Auch Tier proklamiert seit Juni einen positiven Cashflow, wie Tier-Gründer Lawrence Leuschner im Gespräch mit dem Handelsblatt zuletzt erklärte. Leuschner ist sich sicher, dass Tier das Geschäftsjahr nur noch mit einem niedrigen einstelligen negativen Millionenbetrag abschließen werde.

Zu wenige Kooperationen mit kommunalen Verkehrsbetreibern

Möglich wurde das unter anderem durch die technische Weiterentwicklung der E-Scooter. Hielten sie in der Anfangszeit des Verleihbetriebs kaum länger als einen Monat, sollen Tier-Scooter eigenen Angaben zufolge mittlerweile bis zu drei Jahre lang nutzbar sein.

Voi garantiert sogar eine Haltbarkeit von bis zu fünf Jahren. Auch die austauschbaren Batterien senken die Betriebskosten und erhöhen die Verfügbarkeitszeiten der E-Scooter. Sie müssen nicht mehr von Mitarbeitern eingesammelt und in entsprechenden Ladestationen aufgeladen werden.

Sowohl Voi als auch Tier geben an, dass sie mit dem frischen Kapital die Expansion vorantreiben und die E-Scooter technisch weiterentwickeln wollen. Übernahmen von Konkurrenten hingegen schließen sie aus. Laut einem Sprecher wolle Voi aus eigener Kraft organisch weiterwachsen.

Doch ein Problem löst das viele Geld nicht: Nach wie vor gibt es in Deutschlands Städten zu wenige ganzheitliche Verkehrskonzepte, die das E-Scooter-Angebot mit dem kommunalen Verkehrsangebot verbinden. Voi hat nach eigenen Angaben zehn Kooperationen mit kommunalen Verkehrsbetreibern und ein Pilotprojekt in Stuttgart. In Berlin wiederum gibt es mit der Mobilitäts-App Jelbi einen Anbieter, der das Angebot des ÖPNV und der Mobilitätsanbieter verbindet.

Die Mikromobilität könne für den städtischen Verkehr nur einen Beitrag leisten, wenn die Städte es zulassen, heißt es in der Roland-Berger-Studie. Die Hunderte Millionen Euro werden daher kaum etwas daran ändern, dass E-Scooter willkürlich in den Städten umherstehen.

Mehr: Tier sammelt in einer neuen Finanzierungsrunde 250 Millionen Dollar ein. Damit nähert sich das E-Scooter-Start-up einer Milliardenbewertung.

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