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Milchmarkt So könnte ein harter Brexit den Molkereikonzern Arla treffen

Der dänische Konzern baut seine gewinnbringenden Marken wie Skyr und Buko aus. Sorgen bereitet Arla der drohende harte Brexit.
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Der Milchriese verschlankt sich und baut seine Marken wie Skyr und Buko aus. Quelle: Reuters
Arla

Der Milchriese verschlankt sich und baut seine Marken wie Skyr und Buko aus.

(Foto: Reuters)

Die Frischkäse-Marke Buko und Quarkvariationen von Skyr treffen offenbar den Geschmack der Verbraucher. Diese Markenprodukte brachten dem dänischen Mutterkonzern Arla Foods mehr Umsatz.

Der Molkereiriese konnte sein Geschäft im ersten Halbjahr 2019 leicht ausbauen. Der Konzernumsatz stieg zum Vorjahreszeitraum um zwei Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. In Europa sank der Umsatz allerdings – auch wenn sich Arla von verlustbringenden Eigenmarken trennte. Besonders stark wuchs der chinesische Markt. Denn Chinas Verbraucher schätzen sichere Milchprodukte aus Europa.

Weltweit gehört Arla Foods zu den führenden Molkereikonzernen. Die Genossenschaft hat mehr als 10.000 Milchbauern als Eigentümer. In Deutschland ist Arla Foods mit rund 1900 Mitarbeiter in zwei großen Milchwerken vertreten. 1850 deutsche Genossenschaftsmitglieder beliefern die Werke mit Milch.

Peder Tuborgh, CEO von Arla Foods, betont die seltene Stabilität auf dem sonst so volatilen globalen Milchmarkt. Arlas Milchabnahmepreis, der an die Genossenschaftsmitglieder gezahlt wird, liegt mit 36,1 Cent pro Kilogramm Milch auf dem höchsten Niveau seit drei Jahren.

Im Vorjahreshalbjahr lag der Preis noch bei 34,7 Cent. Schon im Gesamtjahr 2018 zahlte Arla in Deutschland nach Wettbewerber Friesland-Campina seinen Milchbauern mit die besten Preise. Der deutsche Marktführer DMK dagegen entlohnte seine Genossen deutlich niedriger.

Möglich wurden bei Arla die höheren Zahlungen für Milch vor allem durch Einsparungen, die das Transformations- und Kostensenkungsprogramm mit dem Namen „Calcium“ frei machte. Diese überträfen alle Erwartungen.

Insgesamt sollen die Kosten um mehr als 400 Millionen Euro sinken. 300 Millionen Euro davon sollen den Genossen über den Milchpreis zukommen, der Rest reinvestiert werden. „Wir haben unsere Wettbewerbsfähigkeit wiederhergestellt und unsere Unternehmensleistung verbessert“, sagt Tuborgh. „Gleichzeitig sind wir wachsam und bereiten uns auf alle Unwägbarkeiten in Verbindung mit dem Brexit vor.“

Arla lässt mögliche Folgen des Brexits untersuchen

Der drohende harte Brexit Ende Oktober bereitet Arla Sorgen. Lange Wartezeiten der Laster an den Grenzen, mögliche Zölle, aufwändige Zollerklärungen und Untersuchungen der Lebensmittel – all das könnte Joghurt, Butter und Käse für die Briten zu Luxusprodukten machen. Arla lässt von Experten der London School of Economics die möglichen Belastungen eines Brexits untersuchen.

Für Karsten Schmal, Milchpräsident im Deutschen Bauernverband (DBV), ist der Brexit „die große Unbekannte“. Niemand kenne die Folgen, niemand könne entsprechend planen. Großbritannien ist eines der wichtigsten Exportländer für deutsche Agrarprodukte, vor allem für Käse und Butter.

Deshalb ist die Tragweite – vor allem eines harten Brexits – für die Molkereibranche groß. Laut Schmal kann es sein, dass Butter, Milch oder Joghurt in deutschen Supermärkten sogar billiger werden. Werden weniger Milchprodukte auf die Insel geliefert, wird das Angebot hierzulande größer: Folglich sinken die Preise.

Peter Stahl, Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes, glaubt sogar, dass der „Brexit-Effekt“ etwa dreimal so groß wäre wie der „Russland-Effekt“. Im Zuge der EU-Sanktionen durch die Krim-Krise verhängte Russland 2014 ein Einfuhr-Embargo gegen Lebensmittel aus westlichen Ländern.

„Viele Molkereien, die damals für den russischen Markt produziert hatten, mussten sich von heute auf morgen andere Abnehmer suchen“, erinnert sich Schmal. Deutsche Bauern habe das damals zwei bis vier Cent pro Kilogramm Milch gekostet. Denn: Sie mussten ihre Milch in anderen Ländern verkaufen, in denen die Märkte teils schon gesättigt waren.

Ein „No-Deal“-Brexit könnte sich auch für Arla negativ auswirken. Derzeit rechnet die Molkerei für das Gesamtjahr 2019 mit einem weitgehend stagnierenden Umsatz von 10,2 bis 10,6 Milliarden Euro. Der Nettogewinn soll zwischen 2,8 bis 3,2 Prozent des Umsatzes liegen.

Mehr: Stefan Dürr hat es im Milchgeschäft in Russland weit gebracht. Nun will er investieren und sich unabhängiger vom Milchpreis machen.

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