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Mittelstand Rückkehr zur Normalität: Was die Lockerung der Corona-Regeln für den Handel bedeutet

Die Überlebensfrage für Händler ist nicht mehr, ob sie ein gutes Geschäftskonzept haben. Entscheidend ist, ob ihr Laden mehr als 800 Quadratmeter hat.
17.04.2020 - 04:07 Uhr Kommentieren
Bei vielen Händlern herrscht Unverständnis über die Entscheidungen der Politik. Quelle: imago images/Nordphoto
Geschlossene Filiale von C&A

Bei vielen Händlern herrscht Unverständnis über die Entscheidungen der Politik.

(Foto: imago images/Nordphoto)

Düsseldorf Nachdem die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten verkündet hatten, unter welchen Umständen der Handel wieder öffnen darf, platzte Willi Goebel der Kragen. „Die heute beschlossenen Maßnahmen belegen leider eindeutig, dass unsere Politiker kopflos, ohne rationale Gründe und mit wenig gesundem Menschenverstand handeln“, schrieb der Chef der Modekette Sinn am Mittwochabend in einem Brief an seine Mitarbeiter.

„Wir werden ab morgen gegen diese willkürlichen Maßnahmen aufbegehren“, fährt er fort und ruft seine Mitarbeiter auf: „Machen sie dasselbe. Rufen Sie Ihren Bürgermeister, Ihren Landtagsabgeordneten, Ihren Gewerkschaftsvertreter an.“

Etwas diplomatischer in der Wortwahl, aber nicht weniger entsetzt, zeigte sich Florian Gietl, CEO von MediaMarktSaturn. Die Märkte seines Unternehmens haben im Schnitt eine Fläche von mehr als 3000 Quadratmetern.

„Die nun getroffene Entscheidung, dass Geschäfte mit Verkaufsflächen bis 800 Quadratmeter ab kommenden Montag wieder öffnen dürfen, ist für uns nur schwer nachvollziehbar und wir halten sie nicht nur unter dem Aspekt des Gesundheitsschutzes für ungeeignet“, sagt er. Es stelle eine „unverhältnismäßige Benachteiligung größerer Handelsflächen“ dar und führe zu einer deutlichen Wettbewerbsverzerrung.

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    Nach der anfänglichen Freude, dass die Geschäfte wieder öffnen dürfen, macht sich im Handel zunehmend Fassungslosigkeit über die Details der Beschlüsse breit. „Das ist für viele Händler eine schlechte Nachricht“, sagt Kai Hudetz, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts IFH. „Die Beschränkung bei der Verkaufsfläche wird auch in meinen Augen der Thematik nicht gerecht. Das verzerrt ohne Not den Wettbewerb“, bestätigt der Handelsexperte.

    Klarheit und Einheitlichkeit sind gefordert

    Auch der Handelsverband Deutschland (HDE) sieht kein Sachargument für eine stufenweise Öffnung der Läden. Hauptgeschäftsführer Stefan Genth appelliert deshalb an die Politik, die Beschlüsse zu überdenken und entsprechend anzupassen. Insgesamt leide ansonsten auch der Einkaufsort Innenstadt. Denn die Kunden seien in der Folge verunsichert, welche Geschäfte geöffnet und welche Läden geschlossen seien. „Wir brauchen eine für alle Händler faire Regelung, die für Unternehmen und Kunden auf den ersten Blick transparent ist“, fordert er.

    Die willkürliche Grenze von 800 Quadratmetern ist offenbar abgeleitet von der Definition „großflächiger Einzelhandelsbetriebe“ in der Baunutzungsverordnung. Dort wird in Paragraf 11 die Grenze zwar bei 1200 Quadratmetern gezogen, es ist aber von der Geschossfläche die Rede. Das Bundesverfassungsgericht hat in einem Urteil 2005 dann präzisiert, dass diese Geschossfläche in der Regel einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern entspricht.

    Doch was diese Größe mit der Gesundheitsvorsorge in Coronazeiten zu tun hat, versteht keiner in der Branche. Kik-Chef Patrick Zahn etwa ist „grundsätzlich erleichtert“, weil die Filialen seines Textildiscounters in der Regel weniger als 800 Quadratmeter haben. Doch auch er sagt: „Für mich ist diese Beschränkung der Fläche nicht nachvollziehbar.“

    Deshalb fordert er jetzt, dass zumindest bei der Umsetzung Klarheit und Einheitlichkeit herrscht. „Wir hoffen darauf, dass es eine einheitliche Vorgehensweise gibt, zumindest in Deutschland“, sagt Zahn. Wenn es für fast jede Filiale andere Vorschriften gebe, etwa bei den Hygienemaßnahmen, dann sei das für eine bundesweit tätige Handelskette nur schwer umzusetzen.

    Doch es ist bereits absehbar, dass die Politik dem Handel auch diesen Wunsch nicht erfüllt. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat bereits angekündigt, dass Geschäfte erst ab dem 27. April wieder öffnen dürften. Auch will er zusätzliche Beschränkungen einführen, beispielsweise die Begrenzung auf einen Kunden pro 20 Quadratmetern.

    Niedersachsens Ministerpräsident Stefan Weil dagegen legt die Einigung deutlich lockerer aus. Er will auch Geschäften die Öffnung erlauben, die mehr als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche haben – wenn sie denn einen Teil der Ladenfläche absperren und damit unter die Grenze kommen.

    Handelsketten haben sich auf die Lockerung vorbereitet
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