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Mobilität Chinas Leihrad-Boom ist vorbei – Pionier Ofo steht vor der Pleite

Auf den Hype folgt das Misstrauen: Kapitalgeber wollen nicht mehr in das Unternehmen investieren, die Nutzerzahlen von Ofo brechen ein.
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Die Zahl der Nutzer fällt rasant. Quelle: Reuters
Ofo-Räder in Kunming

Die Zahl der Nutzer fällt rasant.

(Foto: Reuters)

Peking Lei Liyi hat sein Vertrauen in Ofo verloren. Vor kurzem hat er auch die gelb-schwarze App des Leihfahrradanbieters von seinem Smartphone gelöscht. „Ich will nichts mehr mit denen zu tun haben“, sagt der 25-Jährige aus der südchinesischen Stadt Nanning.

Wie ihm ergeht es vielen Nutzern in China. Nachdem Ofo und sein orange-grauer Konkurrent Mobike drei Jahre dank riesiger Summen einen Krieg um Chinas Fahrradfahrer auf den Straßen des Landes austrugen, scheint das Ende des 2014 gegründeten Ofo nun bevorzustehen.

Laut Angaben des Datenanbieters Jiguang fiel die Zahl der täglichen Ofo-Nutzer im September von 5,1 Millionen auf 3,9 Millionen. Gerüchte von einer baldigen Pleite des Start-ups zirkulieren seit Oktober.

Seitdem ist die Zahl der Kunden, die ihre Kaution zurückverlangen, explosionsartig gestiegen. In einem internen Brief an die Mitarbeiter Ende November schrieb Dai Wei, Gründer und CEO von Ofo: „Wir werden ums Überleben kämpfen, jetzt da der Winter eingebrochen ist… Aber wir sind auch in den schwierigsten Zeiten voller Selbstvertrauen.“

Außerdem teilte Dai darin mit, dass der Aufsichtsrat neu besetzt und die Firmenleitung umstrukturiert worden sei. Er selbst wurde als Firmen-Verantwortlicher bei der Muttergesellschaft Dongxia Datong ausgewechselt, nachdem mindestens 20 Fahrradproduzenten und Logistikunternehmen Klagen gegen Ofo wegen Nichtzahlung von Rechnungen eingereicht hatten.

Mit seinen Problemen ist Ofo nicht allein. So machte der Anbieter O-Bike aus Singapur im Sommer Schlagzeilen, nachdem er Insolvenz angemeldet hatte. Tausende Fahrräder bleiben daraufhin auch in deutschen Städten herrenlos.

Dabei fing alles so gut an. Die Geschichte von Lei Liyi ist ein typisches Beispiel für den Auf- und Abstieg des einst so gehypten Start-ups. Im Sommer 2017 legte sich der Ingenieursstudent eine Ofo-Monatskarte zu. Zwischen der Wohnung seiner Eltern und ihrer nächsten U-Bahn-Station liegen fünfzehn Minuten Fußweg. Und mit all den Rabatten, die Ofo anbot, um neue Kunden zu werben, musste er ihm vergangenen Jahr nur insgesamt fünf Euro für seine Monatskarte ausgeben. Ende 2017 kam Ofo in Spitzenzeiten auf 32 Millionen Fahrten am Tag.

Doch dann musste Lei feststellen, dass er viel Zeit damit verbringen musste, im Meer der Ofo-Räder eines zu finden, das auch funktionstüchtig war. Mal fehlte ein Sattel, mal ein Pedal, mal die Kette. Mobike hingegen erwies sich als zuverlässiger und stabiler. Also entschied sich Lei diesen Frühling, knapp zehn Euro in einen Halbjahrespass beim Ofo-Widersacher zu investieren.

Seit März kein frisches Geld mehr

Gleichzeitig begann der Kapitalfluss für die gelb-schwarze Firma auszutrocknen. Im März noch hatte Alibaba eine Finanzierungsrunde angeführt. Insgesamt 343 Millionen Dollar soll der E-Commerce-Gigant für einen 12-prozentigen Anteil investiert haben.

Seither ist es Ofo nicht mehr gelungen, neue Finanzmittel zu gewinnen oder ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Benutzer zahlen nämlich nur einen Yuan, umgerechnet 13 Cent, um ein Fahrrad für 30 Minuten zu fahren. Im April geriet Ofo weiter unter Druck, nachdem der Hauptkonkurrent Mobike für 2,7 Milliarden Dollar vom chinesischen Onlinekonzern Meituan-Dianping übernommen wurde.

Angesichts der Rückschläge im heimischen Markt begann Ofo im Sommer, sich nach und nach aus dem Überseegeschäft zurückzuziehen. Anfang Juli gab Ofo in Norwich und Sheffield auf, Mitte Juli transferierte es 3000 Fahrräder aus Berlin in andere europäische Städte.

Chinas Fahrradfriedhöfe - Was vom Bike Sharing übrig bleibt
Leihräder
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Hunderte Bike-Sharing Anbieter wollen in China zum Marktführer aufsteigen. An jeder Straßenecke kann man ein Fahrrad per Smartphone in Betrieb nehmen, für wenig Geld nutzen und dann an einem beliebigen Punkt abstellen. Für lange Zeit ein gern genutztes Angebot, doch der Boom rächt sich.

(Foto: Reuters)
Vermüllung
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Eigentlich sollten die Radinitiativen China wieder zur Fahrradnation machen und das Land vom Smog befreien. Doch die Beseitigung ist nicht ganz einfach. Hier werden Fahrräder auf einer Abfalldeponie in Blöcke gepresst.

(Foto: Reuters)
Fahrrad-Flut
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Der orangefarbene Anbieter Mobike dominiert das Geschäft und ist auch in deutschen Städten tätig. Erst letztes Jahr sammelte das Unternehmen 215 Millionen Dollar ein. Auf Chinas Straßen sind mittlerweile eine halbe Millionen Mobike-Fahrräder unterwegs. Beim nächst größeren Konkurrent Ofo sind es 200.000 – und ständig werden es neue Anbieter und mehr Fahrräder. Sie kommen kaum hinterher defekte Fahrräder einzusammeln, oder auszutauschen.

(Foto: AP)
Die Folgen
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Doch Räder, die nicht mehr genutzt werden, landen häufig auf wilden Müllkippen. Zehntausende Fahrräder türmen sich hier zwischen heruntergekommenen Häusern in Shanghai auf.

(Foto: Reuters)
Defekte Räder
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Besonders beschädigte und kaputte Fahrräder sorgen für die enormen Müllmassen. Ein Fahrrad des Anbieters Mobike kostet in der Anschaffung rund 410 Euro. Ofo setzt hingegen auf ein Billigprodukt für nur 35 Euro.

(Foto: Reuters)
Pleiten
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Im harten Konkurrenzkampf scheiden Unternehmen häufig aus. Die Städte bleiben auf den Rädern sitzen. Zuletzt kündigte O-Bike an, zahlungsunfähig zu sein. Allein in München blockierten 7.000 Räder die Innenstadt. Der Anbieter ist inzwischen abgetaucht.

(Foto: Reuters)
Entsorgung
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Was mit den Fahrrad Friedhöfen passieren soll, ist meist nicht geklärt. In einigen Fällen sollen die Räder repariert werden und in kleineren Städten bereitgestellt werden.

(Foto: Reuters)

Ende Oktober mehrten sich auf den sozialen Netzwerken Berichte von Nutzern, die über Schwierigkeiten mit der Rückerstattung ihrer Kaution klagten. Einige berichteten, dass ihnen statt Bargeld ein Online-Anlagevehikel aus Ofos Produktpalette angeboten wurde.

Offiziell teilte das Unternehmen mit, dass es statt der üblichen drei nun bis zu 15 Tage dauern würde, bis man das Geld überweisen könne. Aber Lei wartete auch nach der Frist vergeblich. Erst nach wiederholten Anläufen und einem ganzen Tag in der Kundendienst-Warteschleife konnte er einen Teil seiner Kaution zurückbekommen. „Den Rest habe ich als Verlust verbucht,“, sagt er.

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