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Mobilität Die Luftfahrt steckt im Klimaschutz-Dilemma

Vor dem Branchengipfel steigt der politische Druck auf die Airlines, klimaschonenden Ersatz für Kerosin zu finden. Doch das ist nicht so einfach.
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Selten hat die Luftfahrtindustrie so viel politische Aufmerksamkeit bekommen. Quelle: AFP
Andreas Scheuer (links) und Carsten Spohr

Selten hat die Luftfahrtindustrie so viel politische Aufmerksamkeit bekommen.

(Foto: AFP)

Frankfurt Die Agenda des Luftfahrtgipfels ist breit gefächert: Fliegen wir künftig mit Flugtaxen, wie sehen die digitalen Innovationen in der Luftfahrt aus, und wie steht es um den deutschen Luftverkehrsstandort?

Doch das wohl wichtigste Thema auf der ersten nationalen Luftfahrtkonferenz am Mittwoch am Flughafen Leipzig wird von außen vorgegeben – von den Aktivisten der Bewegung „Fridays for Future“ etwa oder auch vom Wahlvolk, das den Grünen bei der Europawahl Traumergebnisse bescherte. Im Zentrum stehen der Klimaschutz und die Frage, welchen Beitrag die Luftfahrt dazu leisten kann.

Für die Luftfahrtindustrie ist die von der Bundesregierung veranstaltete und prominent besetzte Konferenz Chance und Risiko zugleich. Denn einerseits kann die Branche an prominenter Stelle wichtige Botschaften absetzen – nicht zuletzt in Sachen Klimaschutz.

Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich hat für den Nachmittag ihre Teilnahme angekündigt. Verkehrsminister Andreas Scheuer und Wirtschaftsminister Peter Altmaier sind da, ebenso der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer, dazu Staatsminister und Staatssekretäre.

Selten hat die Luftfahrtindustrie so viel politische Aufmerksamkeit bekommen. Der Luftverkehr spielte etwa im Bundesverkehrsministerium jahrelang eine eher untergeordnete Rolle. Während die Autoindustrie als Hilfe in der Krise 2009 die Abwrackprämie bekam, wurde der Luftfahrt die Ticketsteuer aufgebrummt.

Seit Jahren schon wird über ein neues Luftverkehrskonzept diskutiert, bis heute kam keins zustande. Das soll sich ändern. In ihrem Koalitionsvertrag vereinbarten Union und SPD, sich künftig stärker um den Luftverkehr zu kümmern. Ein Instrument: eine Luftverkehrskonferenz, die alle zwei Jahre an wechselnden Standorten stattfinden soll. Leipzig ist der Auftakt.

Es ist also keine Überraschung, dass auch die Branche prominente Vertreter nach Leipzig schickt. Neben Lufthansa-Chef Carsten Spohr wollen Stefan Schulte, Chef des Flughafenbetreibers Fraport, und Tuifly-Chef Oliver Lackmann kommen. Doch die seit Jahren erhoffte Aufmerksamkeit der Regierenden birgt für die Branche auch Risiken.

Denn beim zentralen und derzeit alles überschattenden Thema sieht die Luftfahrt nicht gerade gut aus. Die Hebel, das Fliegen CO2-neutral zu machen, sind begrenzt. Wirklich CO2-freies Fliegen werde noch auf Jahre unmöglich bleiben, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr vor einigen Wochen auf der Hauptversammlung des Unternehmens.

Tatsächlich ist Ersatz für das Flugbenzin schwer zu finden. Zwar forschen Hersteller wie Airbus oder Boeing und auch Institutionen wie das Bauhaus Luftfahrt eifrig an strombetriebenen Flugzeugen. Auch auf der Luftfahrtkonferenz in Leipzig soll das Konzept eines elektrisch betriebenen Passagierjets gezeigt werden. Aber es wird wohl noch viele Jahre dauern, bis solche Flugzeuge im Linienverkehr abheben werden, und auch dann werden sie nur für Kurzstrecken infrage kommen.

Widerstand gegen Abgabe aufgegeben

Die Branche setzt deshalb große Hoffnungen auf synthetische Kraftstoffe – ebenfalls ein Thema der Konferenz. Das Stichwort lautet „Power to Liquid“. Unter Einsatz von regenerativ erzeugter Energie wird künstlich Treibstoff produziert. Doch noch steckt diese Technik in einem Teufelskreis. Sie ist zu teuer für einen großflächigen Einsatz, deshalb ist synthetischer Treibstoff bisher ein Nischenprodukt.

Deshalb wiederum wird wenig in die Erforschung und den Aufbau von Kapazitäten investiert. Um das zu ändern, will sich die Branche unter Führung ihres Bundesverbandes BDL in der Global Alliance Power Fuel beteiligen, einem Zusammenschluss mehrerer Industriebranchen.

Vor allem aber lenkt man beim Thema Ticketabgabe ein und gibt den Widerstand gegen die Abgabe auf – sofern die Einnahmen in die Erforschung alternativer Antriebe für die Luftfahrt geleitet werden. Für Thomas Jarzombek, Luftfahrtkoordinator der Regierung, eine Idee mit Charme. Die Regierung will den Vorschlag nun prüfen.

Kurzfristig werden solche Ankündigungen allerdings nicht den Druck von der Branche nehmen. Das wissen die Luftfahrt-Manager sehr gut. Deshalb haben sie im Vorfeld der Konferenz einmal mehr ihre Bemühungen betont, wie sie schon jetzt zum Klimaschutz beitragen wollen.

So gab Lufthansa am Montag den Start der neuen Plattform Compensaid bekannt. Dort können Fluggäste nicht nur den genauen CO2-Ausstoß ihres Fluges ermitteln, sie können auch gegen einen entsprechenden Aufpreis den für den Flug notwendigen, nachhaltig erzeugten Treibstoff erwerben. Der wird dann von Lufthansa auf späteren Flügen eingesetzt.

Abgaben wären Gift für die Branche

Offen ist, ob das reicht, Schlimmeres zu verhindern: vor allem weitere finanzielle Belastungen. Angesichts der aktuellen Klimadebatte ist der Flugverkehr bei den politischen Akteuren stark in den Fokus gerückt. Seit Wochen werden immer neue Vorschläge gemacht. Die reichen vom Verbot von Kurzstreckenflügen über eine Verlagerung von innerdeutschen Flügen auf die Bahn bis hin zur Forderung einer Verstaatlichung des Luftverkehrs.

Während solche Ideen kurzfristig kaum zu realisieren wären, ist eine andere weitaus bedrohlicher für die Luftfahrt: die Verteuerung von Flügen über neue Abgaben etwa, um die Bahn für Passagiere attraktiver zu machen.

Das wäre Gift für die Industrie. Schon seit 2011 nimmt die Branche am europäischen Emissionsrechtehandel teil. Weitere Belastungen wären für die margenschwache und von hartem Wettbewerb gezeichnete Branche schwer zu verdauen, vor allem, wenn sie nur national verhängt würden.

„Insellösungen bringen in einer globalen Industrie gar nichts“, kämpfen deshalb Manager wie etwa Ralf Teckentrup, der Chef der Ferienfluggesellschaft Condor, seit Wochen für internationale Lösungen. Die Wirkungslosigkeit solcher Ansätze habe sich schon bei der Luftverkehrsabgabe gezeigt. „Faktisch hat sie nur dazu geführt, dass ausländische Airlines schneller gewachsen sind und wir in Deutschland einen Wettbewerbsnachteil erfahren haben“, so Teckentrup.

Stattdessen propagieren die Airlines ihr sogenanntes Corsia-Abkommen. Darin haben sie sich weltweit darauf geeinigt, ab 2020 klimaneutral zu wachsen. Airlines müssen dann jede mehr als bisher ausgestoßene Tonne CO2 kompensieren, etwa durch die Finanzierung von Aufforstungsmaßnahmen.

Ob diese Argumente in Leipzig bei den politisch Verantwortlichen fruchten, ist offen. Der Druck auf die Regierung, beim Thema Klima endlich vom Reden zum Handeln überzugehen, ist gewaltig. Am 20. September soll das Klimakabinett der Bundesregierung konkrete Maßnahmen für den Klimaschutz beschließen. 

Mehr: Flugtickets künstlich teuer zu machen wird wenig Reisende auf die Schiene locken. Die Bahn sollte aber ihren Preisvorteil künftig stärker ausspielen.

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  • Es werden Schritt für Schritt neue Wege beschritten. Pioniere der Luftfahrt schafften bereits 2015 die Weltumrundung mit Solar Impulse, einem Flugzeugprojekt mit Elektromotor und Solarenergie betrieben. Die Schweizer Bertrand Piccard und André Borschberg sind seitdem überzeugt, dass Solarenergie für Flugzeuge genutzt werden kann. Und mit der Elektromobilität kommen dann auch Innovationen auf, die man sehr wohl auch auf die Luftfahrt übertragen könnte. So erfuhr ich: Die Mobilität der Zukunft ist elektrisch - das ist für die Berliner Neutrino Energy Group vollkommen klar. Allerdings werden Zwischenstopps an den Ladesäulen demnächst der Vergangenheit angehören. Die Autos der Marke Pi beziehen ihre Energie aus Energiewandlern, die diese aus Strahlung gewinnen. Dabei geht es um sehr leichte Elektrofahrzeuge, deren Karosserie nicht aus Aluminium besteht, sondern aus Karbon. Dieses Kohlenstoffverbundmaterial ist nicht nur extrem leicht, sondern ermöglicht auch die problemlose Integration der Energiewandler. Somit kann der gesamte Fahrzeugkörper für die Energiegewinnung genutzt werden. Der griechische Buchstabe Pi wurde als Markenname gewählt, weil er für Unendlichkeit steht. So wie Fotovoltaikanlagen Strom aus dem sichtbaren Licht gewinnen, wandelt die Neutrino-Voltaik nicht-sichtbare Strahlung in Energie um. Damit ergibt sich ein bedeutender Vorteil: diese Energiegewinnung ist nicht vom Tageslicht abhängig. Die extrem kleinen, hochenergetischen Teilchen stehen rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, an jedem beliebigen Ort zur Verfügung. Ich kann mir also Neutrino-Energy auch für die Nutzung im Flugzeug vorstellen.

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