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Mobilität Miles will beweisen, dass Carsharing finanziell solide sein kann

In dem schwierigen Markt arbeitet bisher kein Anbieter profitabel. Miles-Chef Oliver Mackprang will das ändern und hat dafür vier Finanzprofis als Investoren gewonnen.
19.05.2021 - 12:55 Uhr Kommentieren
Der Berliner Anbieter, der bisher in fünf deutschen Städten aktiv ist, will expandieren. Quelle: Miles Mobility
Carsharing-Fahrzeug von Miles

Der Berliner Anbieter, der bisher in fünf deutschen Städten aktiv ist, will expandieren.

(Foto: Miles Mobility)

Hamburg Der Berliner Carsharer Miles Mobility bringt eine ungewöhnliche Allianz zusammen: Vier erfahrene Finanzmanager beteiligen sich als sogenannte Angel-Investoren – also private Geldgeber, die mit kleineren Summen, dafür aber tatkräftiger Unterstützung einsteigen. Darunter sind die Finanzchefs von Delivery Hero und Hellofresh.

Firmenchef Oliver Mackprang möchte so beweisen, dass in dem verlustreichen Markt finanzielle Solidität möglich ist. Zudem will er sich mit den neuen Ratgebern auf Expansion, mögliche Zukäufe und einen eventuellen Börsengang vorbereiten.

Miles macht seit 2017 den nicht stationsgebundenen Carsharing-Angeboten der Autokonzerne Daimler und BMW (Share Now), Volkswagen (WeShare) und Sixt Konkurrenz, mittlerweile in fünf Städten. Dabei dürfen die Autos überall im Stadtgebiet abgestellt werden, und sie können ohne Vorbuchung genutzt werden.

Alleinstellungsmerkmal bei Miles ist die Abrechnung nach Kilometern statt nach Zeit. 2020 vervierfachte das Unternehmen den Umsatz auf 20 Millionen Euro.

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    Die Zahlen haben offenbar die vier Finanzprofis überzeugt. Emmanuel Thomassin von Delivery Hero, Christian Gärtner von Hellofresh, Rex Jackson vom US-Ladesäulenanbieter Chargepoint und die norwegische Managerin Stine Rolstad Brenna beteiligen sich. Zur Höhe ihrer Investition machen sie keine genaue Angabe.

    „Das Geschäft ist sicherlich kapitalintensiv, aber man kann es trotzdem effizient gestalten.“ Quelle: Miles Mobility
    Miles-Chef Oliver Mackprang

    „Das Geschäft ist sicherlich kapitalintensiv, aber man kann es trotzdem effizient gestalten.“

    (Foto: Miles Mobility)

    „Das ist ein für mich sehr relevanter Betrag. Mir ist es wichtig, dem Management zu zeigen, dass ich es ernst meine“, sagt Thomassin. Er zieht auch in den Beirat ein. Für ihn bedeute die Sicht als Finanzprofi nicht, besonders kritisch zu sein. Er wolle mit Visionären arbeiten, sagte er. Dabei überzeuge ihn die eigene Erfahrung: Seit fünf Jahren habe er kein eigenes Auto mehr – und nutze neben Fahrrad und Bahn häufig Carsharing.

    Mackprang erklärt, er habe gezielt nach aktiven Finanzchefs aus verschiedenen Geschäftsmodellen mit Kapitalmarkterfahrung gefahndet. „Wir wollten unterschiedliche Perspektiven“, sagte er. So könne die Norwegerin Brenna beispielsweise von der starken Stellung der Mitarbeiter in Skandinavien berichten.

    Profitabilität als Problem

    Klar ist jedoch: Carsharing ist kein einfacher Markt. Für alle Anbieter wird die fehlende Profitabilität zunehmend zu einem kritischen Thema. BMW und Daimler haben etwa ihre Pläne für eine schnelle globale Expansion von Share Now zurückgestellt.

    Volkswagen-Markenchef Ralf Brandstätter forderte kürzlich beim Start von WeShare in Hamburg, das System müsse nun beweisen, dass das Modell auf bestehender Kostenbasis wachsen kann – und somit profitabel wird. Vor dem Schritt in weitere Städte solle WeShare „schnell zu einem Break-even kommen“.

    Mackprang sagt, er begrüße es, wenn die Branche nun Wirtschaftlichkeit vor schnelle Expansion stelle. Er ist aber überzeugt: „Das Geschäft ist sicherlich kapitalintensiv, aber man kann es trotzdem effizient gestalten.“ Miles sei im Oktober 2020 erstmals einen Monat profitabel gewesen.

    Vorangegangen waren Querelen: Timo Nührich schied 2019 als Geschäftsführer im Streit über die Strategie aus. Investor Lukasz Gabowski holte damals Mackprang von der VW-Tochter Moia.

    Dieser hält trotz des schwierigen Marktes an den Plänen fest, Miles deutschlandweit auszurollen. Dabei könnten auch Übernahmen helfen – allerdings wohl nicht von deutlich größeren Konkurrenten wie Share Now. Denn als echter Konsolidierer ist Miles zu klein.

    Die genaue Höhe des eingesammelten Risikokapitals ist nicht bekannt. Laut Mackprang ist nach der letzten veröffentlichten Finanzierungsrunde 2019 über fünf Millionen Euro weiteres Geld hinzugekommen. Insgesamt sei Miles inzwischen mit Risikokapital im „niedrigen zweistelligen Millionenbereich“ ausgestattet.

    Expansion in kleinere Städte

    Miles nutzt das Geld für die Expansion. Zuletzt kamen Pkws in München dazu, wo zuvor nur Transporter standen. Künftig kommen für Mackprang auch kleinere Städte infrage – insbesondere bei entsprechender Förderung und Regulierung durch die örtliche Politik. So setzt Mackprang auf Mobilitätsplattformen der Verkehrsverbünde und von Free Now. Darüber sind verschiedene Anbieter buchbar – von der U-Bahn über den E-Scooter bis zum Mietauto.

    Das macht geteilte Mobilität in einer einheitlichen App auch dann möglich, wenn ein Anbieter wie Miles selbst kein allzu dichtes Netz anbieten kann. „Das ist kein Winner-takes-all-Markt, bei dem es zu einem Monopol kommen muss“, sagt Mackprang.

    Jan Burgard von der Beratung Berylls sieht bei dem Anbieter zwar vielversprechende Ansätze. Hilfreich wäre es jedoch, eine eigene Nische zu besetzen, etwa als Anbieter in kleineren Städten.

    „Ich sehe zwar Differenzierungsmerkmale wie die Abrechnung über Kilometer, die Möglichkeit der Monatsmiete sowie die Integration von Transportern. Aber einer von mehreren in den großen Metropolen zu bleiben ist nicht sinnvoll“, sagt der Experte. Die Branche benötige zudem neue Ideen, wie etwa den Einsatz von Gebrauchtwagen oder die Kombination mit anderen Geschäftsmodellen wie Lieferdiensten.

    Neuinvestor Thomassin sieht bei der Expansion von Miles Parallelen zu Delivery Hero. Einige Kernkennzahlen etwa zur Kundentreue seien ähnlich gelagert. An anderen Stellen gebe es größere Unterschiede – zum Beispiel beim starken Kapitalbedarf für die Autos. „Es gibt sicherlich einige Aspekte, bei denen ich mit meiner Erfahrung von Delivery Hero unterstützen kann“, sagte er.

    Dazu gehört auch der Gang ins Ausland, den Mackprang mittelfristig angehen will: „Da stellen sich viele Fragen: Wie strukturieren wir die Teams vor Ort? Welche Verantwortlichkeiten bekommen sie, was bleibt in der Zentrale? Dabei erhoffen wir uns Rat von den neuen Investoren.“

    Mehr: Free Now wird zur Mobilitätsplattform

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