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Mobilitätsdienste Flixbus sammelt 500 Millionen Euro ein und steigt ins Ridesharing ein

Große Pläne, viel Geld: Flixbus plant Fernbusse in Südamerika und Asien, Eisenbahnen in Europa. Mit Flixcar als Mitfahrzentrale geht der Konzern außerdem ganz neue Wege.
Update: 18.07.2019 - 19:35 Uhr Kommentieren
Das Münchener Start-up treibt die Expansion mit neuer Finanzkraft voran. Quelle: dpa
Flixbus

Das Münchener Start-up treibt die Expansion mit neuer Finanzkraft voran.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Sechs Jahre nach dem offiziellen Start des Fernbusverkehrs in Deutschland ist dem Pionier Flixbus der Markt schon längst nicht mehr groß genug. Die Expansion in den europäischen Nachbarländern läuft auf vollen Touren.

In den USA hat es das Münchener Start-up bereits mit Platzhirsch Greyhound aufgenommen. Weitere Länder und Kontinente sollen folgen. Der grüne Flixbus soll ab 2020 auch in Südamerika und in Asien fahren, kündigte das Unternehmen an.

Damit nicht genug: Die Schwestergesellschaft Flixtrain will in Deutschland und weiteren Ländern Eisenbahnlinien betreiben, in Schweden und Frankreich sind Streckenrechte beantragt. Zwischen Berlin und Stuttgart, Berlin und Köln sowie Köln und Hamburg ist Flixtrain bereits unterwegs.

Und, ganz neu: Flixmobility, so der Name der gemeinsamen Dachgesellschaft, will jetzt auch ins Ridesharing einsteigen. Die Flix-Familie wird um Flixcar vergrößert. Diese Marke vermittelt Reisenden günstige Mitfahrgelegenheiten.

„Was 2013 als deutsches Start-up begann, hat sich zu einer starken globalen Mobilitätsplattform entwickelt“, sagt Flix-Mitgründer Jochen Engert. Flixmobility beschreitet damit denselben Weg, den der neue Konkurrent bereits gegangen ist.

Blablacar aus Frankreich, bis vor einem Jahr eine reine Mitfahr-Plattform, hat sich in das Fernbusgeschäft Oui der französischen Staatsbahn eingekauft. Und kombiniert nun Buslinien mit Fahrgelegenheiten. Seit Anfang Juli ist Blablabus auch in Deutschland unterwegs. Nur ins Bahngeschäft ist der Konzern noch nicht eingestiegen.

Wert wird auf zwei Milliarden taxiert

Seit Monaten wird in der Start-up-Szene über eine dritte große Kapitalrunde bei Flixmobility spekuliert. Das ebenfalls deutsche Start-up Rocket Internet galt als Interessent, aber auch altbekannte Investoren wie Goldman Sachs sollen in München angeklopft haben.

Entschieden hat sich das Gründungstrio um André Schwämmlein jetzt für Permira und TCV, die die Runde der Altinvestoren wie Holtzbrinck Ventures, General Atlantic oder Silverlake erweitern.

Die gesamte Investitionsrunde soll rund 500 Millionen Euro einbringen, einige der bisherigen Gesellschafter ziehen auch mit. Flixmobility macht zu Volumen traditionell keine Angaben. Das Münchener Start-up war schon mit der letzten Finanzierungsrunde vor zwei Jahren in die Klasse der sogenannten Einhörner vorgestoßen.

Das sind Start-ups, die mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet werden. Flixmobility wird nunmehr auf etwa zwei Milliarden Euro taxiert und zählt damit zu den teuersten Unternehmensgründungen der digitalen Industrie in Deutschland.

Das Geschäftsmodell ist immer gleich: Flixmobility bietet die Plattform für Reisen mit Fernbussen und Zügen und künftig dann auch mit Pkws. Das Unternehmen entwirft und organisiert die Linienpläne, vermarktet die Tickets, hat selbst aber keine Assets wie Busse oder Eisenbahnzüge.

Flixbus und Flixtrain haben mit etwa 300 Busunternehmern und Eisenbahnbetreibern Verträge geschlossen. Der Umsatz dürfte derzeit bei gut 500 Millionen Euro liegen. In Deutschland hat Flixmobility 2018 nach eigenen Angaben die Verlustzone verlassen.

Erfolg für Anfangsinvestor

Der aktuelle Deal ist auch für den Erstinvestor Holtzbrinck Ventures (HV), der seit dem Flixbus-Start im Jahr 2013 dabei ist, ein Grund zum Jubeln. „So einen Erfolg wie Flixbus bräuchte man in jedem Fonds einmal“, sagte Holtzbrinck-Partner David Kuczek dem Handelsblatt. HV halte rund zehn Prozent der Flixbus-Anteile in seinem 2012 aufgelegten Fonds V.

Nach der aktuellen Bewertung sind allein diese Anteile gut 200 Millionen Euro wert – mehr als die 175 Millionen Euro, mit denen der Fonds 2012 an den Start gegangen war. In dem Fonds liegen zudem Anteile am Bezahldienstleister SumUp, der inzwischen ebenfalls als ein Einhorn gilt.

Mit insgesamt über einer Milliarde Euro Anlegergeld in mehreren Fonds sieht sich HV als führende deutsche Risikokapitalfirma. Die Bande zum namensgebenden Holtzbrinck-Verlag, mit dem das Handelsblatt verbunden ist, hat der im Jahr 2000 gegründete Investor im Laufe der Jahre deutlich gelockert.
Kuczek sagte, HV habe bei Flixbus auch in der aktuellen Runde nachgelegt und wolle nun die Expansion nach Übersee begleiten: „Es ist aus unserer Sicht schon schwer, einen europäischen Player wie Zalando zu bauen. Etwas zu haben, das sich international etabliert, wäre der Mega-Jackpot.“ Aus dem Fall Flixbus könne die deutsche Start-up-Szene lernen, wagemutiger zu werden: Das Unternehmen sei in Deutschland schnell stark geworden, weil es früh Konkurrenten wie Mein Fernbus übernommen habe – und konnte so aus einer Position der Stärke in andere europäische Länder expandieren. Diese europäische Stärke müsse das Unternehmen nun nutzen, um in den USA einen Klassiker anzugreifen: den legendären Greyhound-Bus.

Mehr: Flixbus-Co-Gründer Daniel Krauss im Interview: „Ich bin generell kein Freund vom doppelten Boden“

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