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Modebranche Bei der Sanierung von Gerry Weber hat CEO Ehling einen wichtigen Meilenstein erreicht

Vorstandschef Johannes Ehling kommt beim Umbau von Gerry Weber voran. Bis zum Turnaround wird es allerdings noch drei Jahre dauern.
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Der Gerry-Weber-Vorstandschef kommt beim Umbau des Modekonzerns voran. Quelle: Ernsting's family
Johannes Ehling

Der Gerry-Weber-Vorstandschef kommt beim Umbau des Modekonzerns voran.

(Foto: Ernsting's family)

Düsseldorf Johannes Ehling ist erleichtert. Gerade haben die Gläubiger im gut gefüllten Saal der Stadthalle Bielefeld dem Insolvenzplan für Gerry Weber mehrheitlich zugestimmt.

Mit dem Okay am späten Mittwochnachmittag hat der 52-jährige Vorstandschef einen wichtigen Meilenstein erreicht, um das angeschlagene Modeunternehmen weiter zu sanieren. Denn damit steht auch das Finanzierungsmodell, das er mit den neuen Eigentümern Robus Capital in Frankfurt und Whitebox Advisors aus London ausgehandelt hat.

Den Rückhalt braucht Ehling, um das Filialnetz auszudünnen, die Kosten zu senken, das Onlinegeschäft auszubauen und die Kollektion zu verjüngen. Denn das von Gerhard Weber gegründete, einst erfolgreiche Familienunternehmen aus Halle in Westfalen ist durch viele hausgemachte Probleme abgestürzt und zum Sanierungsfall geworden.

Doch Ehling lässt sich nicht unterkriegen. „Es ist schön zu sehen, wie sich die Stimmung im Unternehmen aufhellt“, sagte er zur Gläubigerversammlung dem Handelsblatt. Er spricht von einer „positiven Aufbruchstimmung“.

Das liegt auch daran, dass es Ehling gelungen ist, schon viel im Unternehmen zu verändern. Er hat es geschafft, bei den Mitarbeitern verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Ehling hat viel Sanierungsarbeit geleistet, seit er im April zu Gerry Weber kam und im November den Sohn des Firmengründers, Ralf Weber, als Vorstandschef ablöste.

So hat Ehling ein strafferes Kostenmanagement eingeführt. „Wir sind jetzt in der Lage, schneller bei Veränderungen des Marktes gegenzusteuern und unsere Kosten anzupassen“, sagt er. Im laufenden Geschäftsjahr habe er „zusätzlich einen zweistelligen Millionenbetrag eingespart“. Außerdem hat er mit seinen Vorstandskollegen beschlossen, den Bereich Architektur und Ladenbau auszugliedern.

Er muss vor allem das überdimensionierte Filialnetz kräftig ausdünnen. So wird er hierzulande rund 150 Filialen und Verkaufsflächen schließen. Insgesamt wird die Zahl der Gerry-Weber-Verkaufsflächen in Eigenregie in Deutschland von Juli 2018 bis Anfang 2020 von ungefähr 450 auf rund 280 verringert.

Darin sind auch die Schließungen enthalten, die bereits vor dem laufenden Insolvenzverfahren erfolgten. Die Zahl der Beschäftigten werde bis Anfang des kommenden Jahres „auch durch natürliche Fluktuation von etwa 4500 auf rund 3600 sinken“.

Der gebürtige Bielefelder bringt für seine schwierige Aufgabe reichlich Erfahrung aus der Modebranche mit. So machte er nach seiner Ausbildung als Textilkaufmann und dem Fernstudium in BWL Karriere bei den Nobelmarken Escada und Bogner, bis er ins Topmanagement des mittelständischen Textilhändlers Ernsting’s Family wechselte.

Lob vom Betriebsrat

Ehling sei einer, der auch in „schwierigen Situationen nicht den Kopf in den Sand steckt, sondern über die ersten Erfolge spricht“, sagt Betriebsratschef Lutz Bormann. Er sei ein „guter Verkäufer“ und ergänze sich mit seinen Vorstandskollegen Urun Gursu, der sich um das Produkt, und Florian Frank, der sich um die Zahlen kümmere.

Nicht zufällig steht auf einem Bord im Büro Ehlings, der früher mal Handball-Kreisläufer war, der Satz: „When the going gets tough, the tough gets going“ – ein Songtitel von Billy Ocean: „Wenn harte Zeiten anbrechen, legen die Harten los.“

Die Harten müssen sich anstrengen, um das große Ziel zu erreichen. „Wir wollen bis zum Geschäftsjahr 2021/22 den Umsatz wieder steigern und beim Ergebnis den Turnaround schaffen“, sagt Ehling, der unter der Woche in Bielefeld und am Wochenende bei seiner Frau und seinen zwei Kindern in Feldafing am Starnberger See wohnt.

Mehr: Die Investoren Robus Capital und Whitebox übernehmen die insolvente Modekette. Die Gründerfamilie von Gerhard Weber ist künftig außen vor.

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