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Modebranche Gerry Weber streicht deutlich mehr Stellen als zunächst geplant

Gerry-Weber-Chef Ehling trennt sich von 900 Mitarbeitern und schließt bis zu 200 Filialen und Verkaufsflächen. Für die Sanierung hat er nicht viel Zeit.
Update: 14.11.2018 - 19:11 Uhr Kommentieren
Gerry Weber versucht bereits seit zwei Jahren, sich zu sanieren – bisher nicht mit dem erwarteten Erfolg. Quelle: dpa
Gerry Weber

Gerry Weber versucht bereits seit zwei Jahren, sich zu sanieren – bisher nicht mit dem erwarteten Erfolg.

(Foto: dpa)

DüsseldorfJohannes Ehling, Vorstandschef von Gerry Weber, ist niemand, der lange zögert. Seinen Ankündigungen zur Sanierung des Modekonzerns lässt er nun schnell Taten folgen: Am Dienstag teilte er den Mitarbeitern auf einer Betriebsversammlung mit, dass er 900 von 6500 Stellen streichen will – deutlich mehr als die im Sommer angekündigten 140 bis 150 Stellen.

Wie weiter aus dem Unternehmen zu hören ist, will Ehling 170 bis 200 von derzeit 1230 Filialen und Verkaufsflächen bei Handelspartnern schließen. Das ist ein tiefer Einschnitt in das Filialnetz von Gerry Weber.

Zuvor war es Ehling, der am 1. November den Sohn des Firmengründers Ralf Weber an der Spitze abgelöst hatte, gelungen, die Banken vom Aufschub ihrer Forderungen zu überzeugen. So gewähren die Gläubiger der Schuldscheindarlehen dem Modekonzern bis Ende Januar kommenden Jahres Aufschub. Die Banken waren dazu bereit, auch weil Gerry Weber schnell seine Liquidität verbesserte und seine Showroom-Immobilie „Halle 29“ in Düsseldorf für 36 Millionen Euro verkaufte.

Ehling zeigte sich in einer Pressemitteilung erleichtert, dass nun bis Ende Januar nächsten Jahres genügend finanzieller Spielraum vorhanden sei, „um die dringend notwendigen Schritte unserer Restrukturierung weiter voranzutreiben“.

Wie nötig die Einschnitte sind, zeigte die jüngste Gewinnwarnung. Die Sanierung des Modekonzerns zwingt den Vorstand dazu, die Prognose für das laufende Jahr deutlich zu senken: Statt eines Umsatzes für das Geschäftsjahr 2017/18 von 830 bis 840 Millionen Euro erwartet er nur noch bis zu 790 Millionen Euro.

Außerdem rechnet er mit einem „deutlichen Verlust im operativen Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit)“. Bisher ging er nur von einem Fehlbetrag von bis zu zehn Millionen Euro aus. Das begründet er mit Rückstellungen für Personalmaßnahmen und Filialschließungen sowie mit außerplanmäßigen Abschreibungen und Wertberichtigungen.

Allein in der Firmenzentrale sowie im Logistikzentrum in Halle/Westfalen sollen, wie zu hören ist, nun 300 Arbeitsplätze wegfallen. Hinzu kommen rund 600 im weit verzweigten Filialnetz des Modekonzerns.

Gerry Weber hatte in den vergangenen Jahren das Filialnetz sowie die Verkaufsflächen bei Handelspartnern zu stark ausgebaut. So gab es die Damenmode in den Städten quasi an jeder Ecke, was zur einer Kannibalisierung führte. Außerdem erwiesen sich viele Filialen als unprofitabel, weil weder die Kundenfrequenz noch die Lage stimmte.

Gerry Weber versucht bereits seit zwei Jahren sich zu sanieren – bisher nicht mit dem erwarteten Erfolg. Vor einigen Wochen hatte das Management bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ebner Stolz ein Gutachten in Auftrag gegeben. Es kam zu dem Schluss, dass das Kerngeschäftsmodell von Gerry Weber „trag- und sanierungsfähig“ sei.

Jetzt muss der Konzern, zu dem auch die Kette Hallhuber gehört, sein im Sommer dieses Jahres vorgestelltes Sanierungsprogramm nochmals verschärfen. Ob das allerdings dazu führt, den Konzern schnell wieder profitabel zu machen, muss sich erst noch erweisen. Beispiele aus der Modebranche wie den Esprit-Konzern aus Ratingen zeigen, dass auch viele Jahre Sanierung nicht unbedingt von Erfolg gekrönt sein müssen.

Ehling muss sich nun vor allem mit dem Betriebsrat schnell auf den Personalabbau einigen und ein tragfähiges Sanierungskonzept aufstellen, bei dem die Banken mitspielen. Er muss dafür sorgen, dass Gerry Weber in der schwierigen Modebranche langfristig überleben kann.

Gerry Weber hat nicht nur die Filialisierung übertrieben, sondern ist auch zu spät ins Onlinegeschäft eingestiegen. Zudem hat der Konzern seine Marke nicht verjüngt und sich nicht genug gegenüber Ketten wie Zara oder Discountern wie Primark profiliert.

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