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Modebranche Gläubiger unterstützen den Insolvenzplan von Gerry Weber

Die Gläubiger des angeschlagenen Modeunternehmens haben den Insolvenzplänen zugestimmt. Die Aktionäre stimmten dagegen. Ein Gericht kann deren Votum aber aufheben.
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Die Gläubiger stimmten mehrheitlich einem innovativen Insolvenzplan zu. Der teilt die Gläubiger in sechs Gruppen ein, um ihren unterschiedlichen Forderungen besser gerecht zu werden. Quelle: dpa
Modeunternehmen Gerry Weber

Die Gläubiger stimmten mehrheitlich einem innovativen Insolvenzplan zu. Der teilt die Gläubiger in sechs Gruppen ein, um ihren unterschiedlichen Forderungen besser gerecht zu werden.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Es ist ein wichtiger Meilenstein für Vorstandschef Johannes Ehling: Die Gläubiger von Gerry Weber haben den Insolvenzplänen des Modeunternehmens fast einstimmig ihr Okay gegeben. Nur die Aktionäre stimmten dagegen. Sie sollen im Zuge der geplanten finanziellen Sanierung aus dem Unternehmen ausscheiden.

Damit Ehling und sein Vorstandsteam den Insolvenzplan umsetzen können, fehlt nun noch die Bestätigung durch das Insolvenzgericht. Das kann die fehlende Zustimmung der Aktionäre aufheben (Obstruktionsverbot). Das ist nach Einschätzung von Fachleuten zu erwarten.

Der Sachwalter von Gerry Weber, Stefan Meyer, rechnet damit, dass das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung noch in diesem Jahr aufgehoben und die Sanierung außerhalb des Insolvenzverfahrens fortgesetzt und abgeschlossen werden kann.

Vorstandschef Ehling zeigte sich erleichtert: „Die große Zustimmung der Gläubiger zum Insolvenzplan ist eine großartige Nachricht für uns alle und das klare Signal, nach den vielen, zum Teil schon umgesetzten Maßnahmen jetzt mit der Neupositionierung unseres Unternehmens so richtig durchzustarten.“

Jetzt kann er mit seinem Vorstandsteam die Sanierung des angeschlagenen Modeunternehmens aus Halle/Westfalen vorantreiben. Erleichtert sind auch die beiden neuen Eigentümer, Robus Capital aus Frankfurt und Whitebox Advisors aus London, die im Juli eingestiegen sind. Der Insolvenzplan stützt sich auf die Investmentvereinbarung mit den beiden neuen Investoren.

Die Gläubiger stimmten mehrheitlich einem innovativen Insolvenzplan zu. Der teilt die Gläubiger in sechs Gruppen ein, um ihren unterschiedlichen Forderungen besser gerecht zu werden. Dadurch sind deutliche höhere Quoten zur Gläubigerbefriedigung möglich, als sie sonst üblich sind. Sie betragen zum Teil mehr als 50 Prozent.

Die Insolvenzquote setzt sich aus einer festen Barquote sowie zusätzlichen Mitteln aus künftigen Verkäufen zusammen – wie zum Beispiel dem Verkauf des Logistik-Zentrums Ravenna Park. Gläubiger mit kleineren Forderungen und Arbeitnehmer von Gerry Weber mit Forderungen bis 2500 Euro erhalten eine erhöhte feste Barquote von 27 Prozent sowie zusätzliche Quoten.

Ehling muss noch viel Sanierungsarbeit leisten, um das Modeunternehmen mit Marken wie Gerry Weber, Taifun und Samoon wieder auf einen profitablen Wachstumskurs zu bringen. Er muss vor allem das Filialnetz deutlich verkleinern, das Firmengründer Gerhard Weber zu stark ausgebaut hatte. Viele Filialen sind nicht mehr profitabel. Gerry Weber leidet wie viele Einzelhändler unter dem Besucherschwund in den Städten.

Außerdem muss Ehling die Kollektion verjüngen, weil Gerry Weber mit seinen Kunden gealtert ist. Er will hochwertige Kleidung zu einem guten Preis anbieten, wie er dem Handelsblatt in seinem ersten Interview sagte. „Wir orientieren uns an Massimo Dutti oder Cos von H&M“.

Und der Vorstandschef muss viele Prozesse im Unternehmen verbessern, um die Kosten zu drücken. Im Geschäftsjahr 2017/18 hatte Gerry Weber einen operativen Verlust von 192 Millionen Euro bei einem Umsatz von 795 Millionen Euro ausgewiesen.

Der Sachwalter Stefan Meyer von der Anwaltskanzlei Pluta betonte, dass es nach der Zustimmung der Gläubiger nun möglich sei, „diese bedeutende Unternehmensgruppe der Region mit seinen weltweit 40 Gesellschaften und immer noch mehr als 3600 Arbeitsplätzen in seinen Kernstrukturen zu erhalten“.

Mehr: Die Investoren Robus Capital und Whitebox übernehmen die insolvente Modekette. Die Gründerfamilie von Gerhard Weber ist künftig außen vor.

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