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Modebranche Inditex-Chef Isla will die Zara-Mutter fit für den digitalen Wettbewerb machen

Der spanische Textilriese Inditex zeigt Wachstumsschwäche, die Aktie ist auf Talfahrt. Konzernchef Pablo Isla setzt nun auf die Vernetzung von Online und Läden.
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Die Spanier wollen ihr Onlinegeschäft stärker mit den Filialen verknüpfen. Quelle: Reuters
Zara-Geschäft in Barcelona

Die Spanier wollen ihr Onlinegeschäft stärker mit den Filialen verknüpfen.

(Foto: Reuters)

ArteixoRockmusik röhrt durch die Gänge, Blitzlichter klicken und dazwischen laufen viele junge Menschen mit großen Brillen, Turnschuhen und Oversize-Pullover hin und her. Willkommen beim Foto-Shooting des weltweit größten Textileinzelhändlers Inditex.

Hier in Arteixo in Galizien hat die wichtigste Marke des Konzerns, Zara, ihren Sitz, ebenso wie die Einrichtungsmarke Zara Home. Und hier werden täglich Tausende Fotos geschossen für den Online-Auftritt der Spanier.

Neue Anbieter aus dem Web setzen die etablieren Textilkonzerne unter Druck. Sie müssen mitziehen und ihre Ware auch im Internet anbieten, riskieren wegen der damit verbundenen Transportkosten aber, ihre Rendite zu verwässern.

Der Online-Umsatz von Inditex, das am Mittwoch seine Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr präsentierte, ist 2018 um 27 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro gestiegen. Das entspricht einem Anteil von zwölf Prozent am gesamten Umsatz. Die Spanier liegen damit leicht hinter mit ihrem Rivalen H&M, der 14,5 Prozent seiner gesamten Umsätze im abgelaufenen Geschäftsjahr online erzielte.

Die in der Textilbranche viel beachtete Bruttomarge von Inditex ist leicht von 56,3 Prozent auf 56,7 Prozent gestiegen, nachdem sie fünf Jahre lang gesunken war. Der Konzern, dem neben der Hauptmarke Zara auch Label wie Massimo Dutti, Berksha oder Oysho gehören, machte für die Abnahme in der Vergangenheit vor allem Währungseffekte verantwortlich.

Die Spanier fertigen wichtige Teile der Produktion in Spanien und Portugal an, um schneller auf Modetrends reagieren zu können, verkaufen ihre Produkte aber weltweit. Deshalb sind sie von Währungsschwankungen stärker betroffen als Konkurrenten.

Auch 2018 haben Währungseffekte wieder Gewinn und Umsatz geschmälert. Schwer wog bei Anlegern allerdings, dass beide Daten hinter den Erwartungen zurückblieben. Der Umsatz stieg um drei Prozent, das niedrigste Plus in den vergangenen zehn Jahren. Ohne Währungseffekte wäre er um sieben Prozent gestiegen.

Der Nettogewinn stieg um zwei Prozent auf 3,4 Milliarden Euro und damit so wenig wie zuletzt 2013. Ohne Währungseffekte hätte er zwölf Prozent zugelegt.

Die Aktie sackte nach der Veröffentlichung der Zahlen um fünf Prozent in den Keller. Da half es auch nicht, dass der Konzern die Dividende erhöhte. Insgesamt zahlt er einen Euro extra pro Aktie, aufgeteilt auf die Jahre 2019, 2020 und 2021. Für dieses Jahr bedeutet das 17 Prozent mehr Dividende, insgesamt 88 Cent pro Aktie.

Kleinere Standorte sollen geschlossen werden

Inditex-Chef Pablo Isla zeigte sich dennoch zufrieden. „2018 war ein sehr wichtiges Jahr für den Prozess der Transformation“, sagte er vor Journalisten am Konzernsitz in Arteixo. Der entscheidende Teil dieser Transformation liegt in der Verzahnung von Online- und traditionellem Geschäft.

Die Läden von Zara, Massimo Dutti & Co. weltweit sollen dabei gleichzeitig als Lager für Online-Verkäufe dienen. Geht im Web eine Bestellung ein, prüft das System automatisch, welches das nächstgelegene Geschäft oder Lager ist und versendet die Bestellung von dort. Möglich ist das durch die Funktechnik RFID: Jedes Kleidungsstück ist mit einem Barcode ausgestattet und kann so überall auf der Welt geortet werden.

Der Konzern beteuert, für den Online-Versand aus den Läden müssten keine zusätzlichen Mitarbeiter eingestellt werden. Die Zeitersparnisse durch die RFID-Technik ermöglichten den Angestellten, den Versand zusätzlich zu erledigen.

Sucht ein Verkäufer etwa im Lager ein Teil, piept ein Scanner, sobald er sich in der Nähe des Teils befindet. Auf die Weise soll die Suche beschleunigt werden. Die Fläche der Läden wird für die Integration immer größer, kleine Standorte werden geschlossen.

Die Online-Integration funktioniert aber auch anders herum: Kunden, deren Größe im Laden nicht vorhanden ist, können an der Kasse bar bezahlen und der Laden bestellt das Teil online. Ein Drittel der Zara-Kunden lässt laut Isla die Online-Käufe in das Geschäft liefern und holt sie dort ab. Zwei Drittel bringen ihre Retouren in die Läden. Damit liegen die Transportkosten von Inditex niedriger als die von reinen Online-Anbietern.

„Das Ergebnis für das letzte Geschäftsjahr ist etwas schwächer als erwartet ausgefallen, hauptsächlich wegen ungünstiger Wechselkurseinflüsse“, kommentiert die DZ Bank die Zahlen. „Wir bleiben dennoch positiv gestimmt, vor allem, weil es der Gesellschaft offenbar sehr gut gelingt, das Onlinegeschäft auf den Filialbetrieb abzustimmen.“

Inditex war im vergangenen Jahr unter Druck geraten, als einige Analysten in ihren Berichten erklärten, der Branchenprimus habe seinen Zenit überschritten und sei nicht immun gegen den wachsenden Druck, den Online-Anbieter auf die Textilbranche ausüben.

Die Experten von Credit Suisse sind nach wie vor dieser Ansicht. „Inditex ist der Klassenbeste, erzielt hohe Margen und generiert Cash“, heißt es in einem Bericht, den die Bank wenige Tage vor dem Jahresergebnis von Inditex publiziert hat. „Aber er wirkt zunehmend reif in einer Branche, in der unserer Meinung nach der Wettbewerbsdruck nicht nachlassen wird.“ Sie halten die Aktie des Konzerns deshalb für teuer.

Die Mehrheit der Analysten ist dagegen noch positiv gestimmt: 21 empfehlen die Inditex-Aktie zum Kauf, sieben zum Halten und sechs zum Verkauf.

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