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Modebranche So will Peek & Cloppenburg die Luxusplattformen angreifen

P&C will sich mit der gerade übernommenen Online-Luxusplattform Stylebop vom Massenmarkt absetzen. Das ist auch notwendig, denn der Umsatz in Deutschland sinkt.
28.11.2019 - 09:50 Uhr Kommentieren
Das Düsseldorfer Familienunternehmen bekommt die wachsende Konkurrenz von Discountern wie Primark und von Online-Plattformen wie Zalando sowie die sinkende Kundenzahl in den Städten zu spüren. Quelle: Fashion ID
P&C-Filiale

Das Düsseldorfer Familienunternehmen bekommt die wachsende Konkurrenz von Discountern wie Primark und von Online-Plattformen wie Zalando sowie die sinkende Kundenzahl in den Städten zu spüren.

(Foto: Fashion ID)

Düsseldorf Der Modehändler Peek & Cloppenburg (P&C) strengt sich derzeit mächtig an. Er verkauft vor Weihnachten in seinen Textilhäusern ungewöhnlichen Baumschmuck, lässt Engel Süßigkeiten verteilen, DJs Weihnachtssongs auflegen und verteilt Popcorn. Er tut alles dafür, um den Besucherschwund in seinen großen Modehäusern zu stoppen.

Das ist auch erforderlich. Denn im vergangenen Jahr ist der Umsatz in Deutschland um rund drei Prozent auf 1,4 Milliarden Euro gesunken, wie das Handelsblatt vorab erfahren hat. Der operative Gewinn (Ebitda) sank um rund neun Prozent auf 78 Millionen Euro. Nur das Geschäft in Österreich und Osteuropa wuchs um 3,5 Prozent auf 761 Millionen Euro.

Das Düsseldorfer Familienunternehmen bekommt die wachsende Konkurrenz von Discountern wie Primark und von Online-Plattformen wie Zalando sowie die sinkende Kundenzahl in den Städten zu spüren. Deshalb tritt P&C, das zuletzt laut Statista in den Top Ten der Textileinzelhändler in Deutschland nach der Otto Group, H&M und C&A auf dem achten Platz rangierte, jetzt die Flucht nach vorne an: Der Textilfilialist will sich mit Premium- und neuerdings mit Luxusmode vom Massenmarkt absetzen.

P&C hat die insolvente Online-Modeplattform Stylebop übernommen. „Unser Ziel ist es, uns nun auch im Luxusbereich breit aufzustellen“, sagte Nicolay Merkt dem Handelsblatt. Merkt ist Geschäftsführer der Fashion ID. Die P&C-Tochter betreibt bereits die Onlineshops von Peek & Cloppenburg und vom Herrenmodehaus Ansons, das ebenfalls zu P&C gehört.

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    Die 2004 gegründete Online-Modeplattform Stylebop hatte im August Insolvenz angemeldet. P&C hat nun über seine Tochter Fashion ID die Marke, Lagerbestände, und die Kundendatei übernommen. „Wir starten Anfang des Jahres mit dem Relaunch des Stylebop-Onlineshops“, kündigte Merkt an. „Richtig los geht es dann mit dem Verkauf im zweiten Quartal 2020.“ Wie viele Kundendaten der Düsseldorfer Modefilialist von Stylebop letztlich nutzen kann, hängt davon ab, wie viele Ex-Kunden der Übertragung ihrer Daten zustimmen.

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    Dass Stylebop scheiterte, erklärt Merkt vor allem damit, dass es nicht gelungen ist, „die notwendige Umsatzgröße zu erreichen, um im Onlinegeschäft mit Luxusmode erfolgreich zu sein und ein profitables Geschäft in diesem Markt aufzubauen.“

    Genau das versucht er nun. Derzeit laufen Verhandlungen mit Luxus-Unternehmen. Die Kunst besteht darin, aus deren Kollektionen die richtigen Teile auszuwählen, die bei der Zielgruppe ankommen – „die It-Pieces der Saison“, wie es Merkt nennt.

    Das Luxusgeschäft bei P&C ist noch sehr klein

    Er senkt außerdem die Kosten gegenüber dem gescheiterten Vorgängerunternehmen deutlich. Statt 160 Mitarbeiter sind bei Stylebop künftig nur
    noch zehn bis zwölf Mitarbeiter von P&C mit der Onlineplattform beschäftigt. Die kümmern sich hauptsächlich um Einkauf und Marketing. „Für die restlichen Aufgaben wie Verwaltung und Logistik greifen wir auf die Infrastruktur des P&C-Onlinegeschäfts zurück“, hofft Merkt auf Synergieeffekte.

    Beim Düsseldorfer Modehaus ist das Luxusgeschäft noch sehr klein. Zwar hat P&C „in den vergangenen drei Jahren verstärkt in neue Premiummarken investiert“, wie John Cloppenburg von der Eigentümerfamilie im Sommer dem Handelsblatt sagte.

    So führt er inzwischen auch Marken wie Closed, Zadig & Voltaire, The Kooples oder Versace Jeans Couture. Aber die Luxussparte hat Cloppenburg bisher anderen überlassen. Deshalb sind Häuser wie Breuninger aus Stuttgart auf diesem Markt schon weiter.

    Doch auch im Onlinegeschäft ist der Luxusmarkt bereits gut besetzt. Da sind Konkurrenten wie Mytheresa aus München, das zum US-Konzern Neiman Marcus gehört, oder Yoox Netaporter, die vom Schweizer Luxuskonzern Richemont kontrolliert wird, schon länger gut im Geschäft.

    Aber der Markt wächst. „Immer mehr Kunden wollen Luxusprodukte online kaufen“, sagt Sebastian Boger, Modeexperte der Boston Consulting Group (BCG). „Nach unseren Untersuchungen wird der Anteil in den nächsten drei bis fünf Jahren von heute zehn bis zwölf Prozent auf 20 Prozent steigen.“

    Merkt ist optimistisch, dass sich P&C in diesem Markt behaupten kann. Er sieht gute Chancen, weil „wir auf unsere große Erfahrung im Modegeschäft zurückgreifen können“, sagt er. Die neue Stylebop-Plattform ziele „auf junge, sehr modeaffine Kunden mit hohem Einkommen“.

    Auf die Kunden aus der Generation Y und Z hofft die gesamte Luxusbranche. Sie sollen dafür sorgen, dass der Weltumsatz mit hochpreisiger Mode, Uhren, Schuhen und Schmuck nach Berechnungen der Managementberatung Bain & Company sowie des italienischen Luxusgüterverbands Altagamma in diesem Jahr um vier bis sechs Prozent währungsbereinigt auf 271 bis 276 Milliarden Euro steigen wird.

    Investitionen ins Online-Geschäft sind wichtig

    Es wird allerdings nicht einfach für P&C, die attraktiven Marken für sich zu gewinnen. „Luxusmarken wie Gucci oder Burberry haben an die Online-Plattformen klare Forderungen in Sachen Exklusivität, Konkurrenzumfeld und Preiskontrolle“, sagt BCG-Berater Boger. Und im Online-Geschäft mit Luxusprodukten zähle die Größe im Markt.

    Da hat P&C noch Nachholbedarf. In diesem Jahr wird das Unternehmen erst einen Umsatz von „weit über 100 Millionen Euro im Online-Geschäft erreichen“, wie Merkt sagt. Somit steuert es weniger als zehn Prozent zum Gesamtumsatz von 2,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr bei.

    Aber die Investitionen ins Online-Geschäft sind wichtig, um den Rückgang vor allem in den elf sogenannten Weltstadthäusern in Städten wie Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart und Berlin und Wien zu stoppen.
    Das alleine wird aber nicht reichen. So kündigt P&C jetzt Veränderungen auf seinen großen Verkaufsflächen an.

    So will das Unternehmen seine Schwerpunkte mit Herrenbekleidung ausbauen, künftig die Kleidung nur noch nach Konfektion und Freizeitkleidung ordnen. In diesen Schwerpunkten will P&C dann alles bündeln von preiswerter bis zur Premiummode. Außerdem will P&C sein Onlinegeschäft um Anschlussgrößen bis 64 erweitern.

    John Cloppenburg weiß, dass er den Schwenk auf mehr Premium- und Luxuskleidung nicht übertreiben darf. Er versichert deshalb, dass er als großer Filialist auch „in Zukunft für die Mitte des Modemarktes da sein wird“. Denn nur mit hochpreisiger Ware alleine kann er seine insgesamt 142 Häuser in 15 Ländern und mit 16.000 Mitarbeitern nicht profitabel betreiben.

    Mehr: Es ist richtig, dass große Modehäuser gegen die Billigkonkurrenz auf eine Premium-Strategie setzen. Doch dafür müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden.

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