Modebranche Todeskampf auf der Handelsfläche

Die Modebranche steht vor einem Umbruch: Das Angebot ist viel größer als die Nachfrage. Vor allem mittelpreisige Marken bekommen den Druck der Filialisten wie Primark und Zara immer stärker zu spüren – und gehen pleite.
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Ein Model auf der Fashion Week in Paris: Berühmte Modelabels können sich über spektakuläre Modenschauen profilieren. Mittelpreisige Marken habe es da schwerer. Quelle: dpa
Pariser Fashion Week 2017

Ein Model auf der Fashion Week in Paris: Berühmte Modelabels können sich über spektakuläre Modenschauen profilieren. Mittelpreisige Marken habe es da schwerer.

(Foto: dpa)

DüsseldorfSteilmann pleite, Strauss Innovation pleite, Laurèl und René Lezard in großen Schwierigkeiten. Viele Modeketten und Marken kämpfen ums Überleben in Deutschland. Ein Ende des großen Umbruchs in der Modebranche ist nicht absehbar. „Die Branche befindet sich in einer Art Revolution“, sagt Thomas Rasch in Düsseldorf. „Das Angebot im deutschen Textilhandel ist 30 bis 40 Prozent höher als die Nachfrage“, machte der Hauptgeschäftsführer des Modeverbandes German Fashion klar. Das heißt: Dieses Verhältnis ist ungesund, weil der Textilmarkt kaum noch wächst.

Die Folgen sind brutale Rabattaktionen, die immer früher beginnen, nachdem eine neue Kollektion auf dem Markt gekommen ist. Die Modebranche hat erkannt, dass das frühere Verramschen von Ware die Margen stark drückt. Aber angesichts des großen Überangebots und des Verdrängungswettbewerbs mit großen Ketten wie H&M aus Schweden oder Zara aus Spanien wagt kaum jemand, einen anderen Weg zu gehen.

Doch Gerd-Oliver Seidensticker, Präsident von German Fashion, ist davon überzeugt, dass sich die Handelslandschaft in der Modebranche in den nächsten Jahren drastisch ändern wird. Das betrifft auch die Filialisierung des Marktes. „Durch den extremen Ausbau des Filialnetzes in den vergangenen Jahren haben die Modefirmen den Endverbraucher aus dem Blick verloren“, kritisierte Seidensticker die Branche und damit auch sich selbst. Denn auch er betreibt als geschäftsführender Gesellschafter des Hemdenherstellers Seidensticker eigene Läden.

Kleider machen Milliardäre
Platz 10: Burberry
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Der Hoflieferant von Queen Elizabeth und Prince Charles gehört zu den luxuriösesten Modelabels der Welt – und zu den teuersten. Gegründet wurde das Unternehmen 1856. Seit 1920 ist Burberry an der Londoner Börse notiert, die Marke ist Mitglied im FTSE 100 Index.

Umsatz 2015: 3,4 Milliarden Euro*

*Geschäftsjahr 2014/15

Quelle: Umsatzrangliste europäischer Bekleidungsmarken nach der Zeitschrift „TextilWirtschaft“, dfv-Mediengruppe

Platz 9: Prada Group
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Die bekannteste Marke der Prada Group ist heute noch Prada, allerdings sind Marke und Unternehmen nicht mehr synonym: Weitere Marken der Prada Group sind Miu Miu, Church’s und The Original Car Shoe. Das Unternehmen Prada wurde 1913 von Mario und Martino Prada gegründet, 1919 stieg der exklusive Hersteller von Handschuhen, Taschen und Koffern zum königlichen Hoflieferanten auf. 1978 übernahm Miuccia Prada, Enkelin von Firmengründer Mario, die Geschäfte und baute die Prada Group zu einem global agierenden Modekonzern aus. Prada eröffnete erst im Jahr 1983 ein zweites Ladenlokal, wie das erste in Mailand liegend.

Umsatz 2015: 3,5 Milliarden Euro

Platz 8: Next
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Der britische Modehändler Next, 1982 gegründet, besitzt mittlerweile nach eigenen Angaben über 500 Geschäfte im Vereinigten Königreich und Irland, sowie „nahezu“ 200 Franchise-Stores in 40 Ländern. Er ist mittlerweile zum führenden Online-Modehändler Großbritanniens aufgestiegen und liefert seine Kollektionen in über 72 Länder. Next setzt auf eigene Designs und vertreibt ausschließlich die eigene, gleichnamige Modemarke.

Umsatz 2015: 5,6 Milliarden Euro

Platz 7: C&A
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Im Jahr 1841 gründeten die Brüder Clemens und August Brenninkmeijer das Unternehmen 'C. en A.' und eröffneten ein Geschäft, das als eines der ersten Kleidung in Konfektionsgrößen verkaufte. Bis heute befindet sich das Unternehmen in mittlerweile sechster Generation in Besitz der Familie Brenninkmeijer. C&A ist mit 1575 Filialen in 21 europäischen Ländern vertreten und beschäftigt rund 35.000 Mitarbeiter.

Umsatz 2015: 6 Milliarden Euro

Platz 6: Primark
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Die erste deutsche Filiale des 1969 gegründeten Textil-Discounters wurde 2009 in Bremen eröffnet, mit mittlerweile 20 Läden ist die Bundesrepublik das Land mit den drittmeisten Primark-Filialen außerhalb des Vereinigten Königreichs. Strategie des irischen Unternehmens ist es, auf in der Regel mehreren tausend Quadratmetern Verkaufsfläche modische Textilien, Schuhe und Accessoires zu extrem niedrigen Preisen anzubieten – damit ist der Konzern anders als andere Textil-Discounter vor allem bei jungen Menschen erfolgreich. Wegen Arbeits-, Lohn- und Produktionsbedingungen in Billiglohnländern steht das Unternehmen immer wieder in der Kritik.

Umsatz 2015: 7,6 Milliarden Euro

Platz 5: Kering
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Das französisch-italienische Modeunternehmen Kering wurde 1963 von dem französischen Unternehmer François Pinault gegründet und bis 2005 von diesem geführt. Seit dem 21. März 2005 wird der Konzern von Pinaults Sohn, François-Henri Pinault (im Bild), geleitet. Der Name Kering dürften nur den Wenigsten bekannt sein. Doch mit Labels wie Puma oder Gucci erreicht der Konzern ansehnliche Umsätze.

Umsatz 2015: 11,5 Milliarden Euro

Platz 4: Christian Dior
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Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 gegründet, trug Christian Dior maßgeblich dazu bei, dass sich Paris als Modehauptstadt der Welt etablieren konnte. Insgesamt beschäftigt das Unternehmenskonglomerat über 100.000 Mitarbeiter. Für die Modesparte von Dior arbeiten knapp 3600 Menschen.

Umsatz 2015: 12,3 Milliarden Euro

Die Verbraucher hätten „mit ihren Klicks noch nie so viel Macht gehabt wie heute“, räumte er ein. Er geht davon aus, dass die Textilläden in ein paar Jahren ganz anders aussehen werden. „Es geht nicht mehr darum, möglichst viel Ware auf die Fläche zu bringen, sondern den Kunden mit einer guten Auswahl zu überzeugen.“ Die Verquickung von Online- und Offlinegeschäft sorge dafür, dass fehlende Größen bei einem Teil schnell online beschafft werden könnten.

Der Mittelständler ist davon überzeugt, dass in den kommenden Jahren die „Schere zwischen Unternehmen, die gut verdienen, und denen, bei denen es schlecht läuft, weiter auseinandergehen wird.“ Raschke erwartet, dass es vor allem „mittelpreisige und mittelmodische Marken in den nächsten Jahren schwer haben werden“.

Die Marken in der Mitte des Marktes werden einerseits von Discountern wie der irischen Kette Primark und andererseits von Premiummarken angegriffen. Sie haben nur eine Chance, wenn sie sich stark profilieren. So versucht gerade die S.Oliver-Gruppe aus Rottendorf bei Würzburg ihrer Untermarke „QS by“ mit Stars wie dem DJ Robin Schulz ein jüngeres Image zu geben. Dahinter steckt die Hoffnung, dass davon etwas auf die Gesamtmarke S.Oliver abfärbt.

Denn der Gesamtumsatz der deutschen Mode- und Textilbranche stagnierte im vergangenen Jahr bei 64 Milliarden Euro, wie der Handelsverband Textil BTE am Mittwoch mitteilt. Demnach dürften mittelständische Boutiquen und Modehäuser im Schnitt rund ein bis zwei Prozent Umsatz verloren haben. Vertikale Modeketten wie H&M, Primark oder Zara hingegen konnten ihren Umsatz um den gleichen Prozentsatz steigern.

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